Freitag, 19. April 2019

Milliardengeschäft 3D-Druck - Weltmarktführer aus der deutschen Provinz

Industrie 4.0: Nichts ist unmöglich
EOS

3. Teil: Jetzt kommen die Amerikaner

Der deutsche Maschinenbau entwickelt die fortschrittlichsten AM-Anlagen und erreicht den höchsten Automatisierungsgrad - darüber sind sich Experten einig. Die Mittelständler profitieren von ihrer eingespielten Wertschöpfungskette und den langjährig gewachsenen Beziehungen zu den industriellen Abnehmern in aller Welt.

Allerdings müsse der Wettbewerbsvorteil jetzt auch gehalten werden, warnt EOS-Chef Keppler. Der CEO des Innovators (400 Millionen Euro Umsatz) hat erlebt, wie sein einst bester Kunde zum schärfsten Rivalen mutierte. Viele Jahren arbeitete EOS eng mit GE zusammen.

Mittlerweile kaufen die Amerikaner deutlich weniger in Krailling ein. EOS-Inhaber Langer verweigerte sich einer Übernahme. Im Herbst 2016 akquirierte GE dann stattdessen Concept Laser aus Lichtenfels bei Coburg sowie die schwedische Arcam. Seither wird das hauseigene AM-Angebot mit Macht vorangetrieben. Rund drei Milliarden Dollar hat GE investiert, 2017 den Absatz mehr als verdoppelt.

Auch andere US-Granden steigen in die industrielle Fertigung auf Metallbasis ein. Stratasys und 3D Systems etwa, beide stoßen mit ihren kunststoffbasierten Anlagen für Prototypen und Bastler an Wachstumsgrenzen. Ganz große Pläne hegt Druckerkönig HP. Ab 2014 experimentierte der IT-Riese mit der Technik. Seit dem vergangenen Jahr baut er eine globale Vertriebstruppe auf. HP (52 Milliarden Dollar Umsatz) träumt davon, mit der neuen Technologie irgendwann mehr zu erlösen als mit dem klassischen Sortiment.

Gefährlich werden können den Deutschen auch hochkapitalisierte Start-ups wie Carbon 3D aus dem Silicon Valley. Die Kalifornier haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Kunstharz mindestens 25-mal so schnell drucken lässt wie herkömmlich. Wagniskapitalgeber wie Sequoia und Silver Lake haben schon mehr als 400 Millionen Dollar in die vier Jahre alte Firma gepumpt.

Bei Desktop Metal aus Boston sind Google, GE, BMW und Stratasys eingestiegen. Sie glauben den Versprechungen der MIT-Professoren, mit ihrer Geheimtechnologie Prototypen aus Metall bis zu 100-mal schneller zu bauen als die laserbasierten Maschinen aus Germany.

Tanja Rückert, bei SAP und künftig bei Bosch für das Internet der Dinge zuständig, empfiehlt, die Amerikaner nicht zu unterschätzen: "Sie haben die Potenziale erkannt und versuchen jetzt aufzuholen." Die meisten US-Rivalen sind börsennotiert und können daher sehr viel mehr Geld in die Entwicklung investieren als die Mittelständler aus der deutschen Provinz.

Auch China hat AM auf die Agenda gesetzt

Das gilt in gleichem Maße für die Konkurrenz aus China. Die Regierung hat die additiven Techniken ganz oben auf ihre Wachstumsagenda gesetzt und will bis zu drei Weltmarktplayer aufbauen. Peking steckt Milliarden in Forschung und Ausbildung in dem Segment.

Während rund ein Dutzend Firmen (Weistek oder Tevo etwa) den Markt mit Billigbausätzen für Bastler fluten, sind die Anbieter Farsoon und Winsun schon ernster zu nehmen. Farsoon wurde von einem ehemaligen Technikdirektor der US-Firma 3D Systems gegründet und sieht sich im industriellen AM weltweit bereits an Platz drei. Winsun wiederum ist spezialisiert auf besonders große Bauteile und druckt ganze Häuser aus recyceltem Abfall. Ägypten soll 20.000 der eingeschossigen Gebäude geordert haben.

Die Riesen aus dem Reich der Mitte könnten hierzulande schon bald bekannter werden. SLM Solutions aus Lübeck steht zum Verkauf, nachdem der Einstieg von GE 2016 am Hedgefonds Elliott scheiterte und die Kundschaft das Vertrauen in SLM verlor. Beobachter rechnen nun mit einem chinesischen Investor.

Trotz des harten Wettbewerbs sind die Deutschen optimistisch, den Kampf um die 3D-Hoheit für sich zu entscheiden. Denn anders als bei LED-Leuchten oder Solarpaneelen spielt der Preis in dem Industriegeschäft eine untergeordnete Rolle. Es geht ums beste Know-how. Und da ist ein Pionier wie EOS mit seinen fast 30 Jahren Prozess- und Materialerfahrung kaum zu schlagen.

Das tiefe Wissen, das sich Europas Ingenieure angeeignet haben, hält auch Oerlikon-Manager Süß kaum für kopierbar. Den Beweis liefert ein Abstecher zu Trumpf, entlang der A81, Ausfahrt Feuerbach.

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