Mittwoch, 1. April 2020

Das Mittelmeer in schrecklich schön Die Jet-Setter von Ibiza

Ibiza: Schrecklich schön
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7. Teil: Machtkampf der Klubbesitzer

Ibiza ist ein toller Ort fürs Geschäft, "hier kannst du alles verkaufen, wenn du gut positioniert bist", sagt er. Die Matutes waren die Ersten, die den Fünfsterneluxus und die Daypartys systematisch aufzogen. Aus reiner Not heraus, sagt Matutes. "Unsere Dreisternehäuser konnten mit den Pauschalangeboten in Ägypten nicht mehr konkurrieren." Also riskierten sie etwas.

Ideen für neue Geschäfte gehen der Familie nicht aus. Sie möchten Golfplätze bauen und Shopping Malls. Nichts von alledem hat die Regierung genehmigt, vorerst. Daher holte der Junior erst mal die Mercedes Benz Fashion Week Madrid zur Premiere ins "Ushuaïa". Der Hype muss schließlich gefüttert werden.

Dass Ibiza in Bewegung bleibt, dafür sorgt schon der gnadenlose Machtkampf der Klubbesitzer. Es gehe nicht sonderlich zivil zu, sagt Matutes. Jeder hat seine Anwälte.

Matutes erbitterter Gegenspieler ist Ricardo Urgell. 80 Jahre alt inzwischen, aber immer noch ein markanter Mann. Ihm gehörte lange das "Pacha", der legendäre Klub mit den zwei Kirschen als Erkennungszeichen. Gerade hat er 90 Prozent seiner Gruppe verkauft an den Investmentfonds Trilantic Capital Partners - für stolze 350 Millionen Euro. Die neuen Eigner wollen damit weltweit Furore machen. Drogenfrei soll es künftig zugehen, heißt es. Das erntet nur wissendes Grinsen. Urgell gibt zu, manchmal einfach nur deshalb Resorts wie das "Destino" am Strand von Talamanca zu kaufen, weil sonst wieder Matutes zugelangt hätte. Niemand muss Sorge haben, dass Ibiza einschläft.

Zumal noch ein Deutscher in der Szene kräftig mitmischt: Christian Braun, noch keine 40, Typ Sonnyboy, Sohn Münchener Auswanderer. "Hippie ist, wenn die Menschen friedlich nebeneinander leben können", sagt er fröhlich.

Braun ist 1987 im Alter von neun mit seinen Eltern aus München auf die Insel gekommen. Die haben dort den Schickeriaspot "Schampus-Bar" betrieben. Mutter Mucki brachte nur einen alten Lastwagen voller Plunder mit und wurde zum Musterbeispiel einer Hippiekapitalistin.

Sie startete mit einer winzigen Pension für Freunde und Bekannte, im Winter verkaufte sie Gürtel, "mit diesem Nieten- und Schlingenzeugs". Nebenbei handelte sie mit Immobilien, die sie selbst renovierte.

Heute ist Mucki mehrfache Millionärin, wohnt bilderbuchmäßig an der Marina in einem von Jean Nouvel entworfenen Bau, und ihr "Casa Munich" läuft bestens. CEOs wie Carsten Spohr (Lufthansa) und Fußballer wie Mario Gomez steigen hier ab, wenn sie auf Ibiza urlauben und noch keine eigene Finca haben.

Am teuersten Strand des Südens, der Playa D'en Bossa, gehören den Brauns gleich zwei einschlägige Institutionen, der "Nassau Beach Club" und das "Tanit" direkt nebenan. Ihr Restaurant "Cas Costas" im Landesinneren verköstigt die Alternativelite mit Bioware, der historische "Palacio Bardaji" hatte schon Roman Abramowitsch und Quincy Jones zu Gast. Beim richtigen Angebot (knapp zehn Millionen) wären sie aber durchaus bereit, das historische Kleinod zu verkaufen.

Denn Sohn Christian hat große Pläne: Er will das Ibiza-Feeling nach Miami exportieren und dort ein riesiges Fanareal aufbauen, samt Hotel und einem 3000 Quadratmeter großen Beachklub. Das Genehmigungsverfahren ist bereits im Gange.

Nicht ausgeschlossen, dass es auch auf Ibiza bald so zugeht wie in Miami. Die letzten Hippies bräuchten dann definitiv eine neue Bleibe.

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