Montag, 24. Februar 2020

Das Mittelmeer in schrecklich schön Die Jet-Setter von Ibiza

Ibiza: Schrecklich schön
Getty Images

5. Teil: Leer gefegter Immobilienmarkt

Die spanische Ausgabe des "Harpers's Bazaar" hat mal ausgerechnet, dass Ibiza auf die höchste Dichte an Celebrities kommt, plus mehr als fünf Millionen Touristen, die sehen wollen, was die Promis so treiben.

Auch die Altauswanderer, die freien Kreativen, Artdirektoren, TV-Produzenten, Möbeldesigner und Musiker sehen Ibizas Turbogentrifizierung mit Unbehagen. "Hätte ich die Verbundenheit nicht von früher", behauptet Modefotografin Sabine Liewald, "ich würde heute nicht mehr kommen." Manche können es sich schlichtweg nicht mehr leisten.

Der Immobilienmarkt ist völlig leer gefegt, die Kaufsummen, die aufgerufen werden, sind utopisch. Seit 2014 sind die Preise im Luxussegment um jährlich 20 Prozent gestiegen, die einschlägigen Makler (Ibiza One, Engel & Völkers, Kühn & Partner, Heike Fischer's The Agency) sind so gut wie ausverkauft.

Die Topklientel sucht nach Villen, die nah am Jachthafen und an den Vergnügungstempeln liegen, wenn möglich in der ersten Meereslinie, zumindest aber besten Blick auf die Wellen bieten. Und natürlich ganz viel Privatsphäre haben.

Unter 20 Millionen Euro ist da nichts zu kriegen, in den drei teuersten Lagen, S'Estanyol, Ibiza Hills und Can Rimbau, kosten Fincas mindestens 30 Millionen. 1-b-Lagen fangen an bei 10¿000 Euro pro Quadratmeter. Wichtiger als die Makler sind bei der Haussuche oft die Concierges. Wunscherfüller Joe Buckle hat auch hier seine Finger im Spiel.

Der Markt ist so heiß gelaufen, dass mittlerweile schon mit nicht erteilten Baugenehmigungen gehandelt wird. Die Inselregierung will den Wildwuchs jetzt stoppen. Künftig muss ein Grundstück mindestens 15¿000 Quadratmeter groß und plan sein, um ein 300 Quadratmeter großes Haus errichten zu dürfen. Hanglagen sind fortan verboten.

Christian Krawinkel, der legendäre Bauunternehmer, errichtete in den 90ern über der Ortschaft Jesus noch eine 1000-Quadratmeter-Residenz samt Helilandeplatz, bis dato das größte Anwesen auf der Insel. "Protz hoch hundert", gibt er zu, "heute schäme ich mich dafür."

Krawinkel konnte es nie flott genug gehen. Es musste das schnellste Rennboot sein (eine 3000-PS-Cougar) und der stärkste Heli (ein Agusta). In der Garage parkten sechs Harleys. Als der Happy Hippie in finanzielle Not geriet, verkaufte er das 56¿000 Quadratmeter riesige Areal mit Blick auf die Altstadt von Ibiza und bis nach Formentera 2002 für zehn Millionen Euro an den Kubaner Miguel Camacho. Der brachte für die Anzahlung eine Papiertüte voller Geldscheine mit.

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