Samstag, 28. März 2020

Das Mittelmeer in schrecklich schön Die Jet-Setter von Ibiza

Ibiza: Schrecklich schön
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3. Teil: Ibiza ist wie Berlin-Mitte

Mallorca kann da nur schwer mithalten. Zwar wird auch die Nachbarinsel langsam internationaler und ein wenig bunter. Ansonsten: viel altes Geld, viel alte Deutschland AG, viel praller Mittelstand. Die Achleitners, Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne, Bertelsmann-Patriarchin Liz Mohn, der Reederclan Rickmers, Ex-Lufthansa-Chef Jürgen Weber, Ex-McKinsey-Chef Herbert Henzler, Ex-Eon-Chef Wulf Bernotat, Ex-EnBW-Chef Utz Claassen und natürlich sein Gegenspieler Ex-AWD-Eigner Carsten Maschmeyer. Das Ganze garniert mit Til Schweiger, Sabine Christiansen und Franziska van Almsick.

Viel Ex, alles etwas in die Jahre gekommen. Mallorca ist gefühlt so groß wie Berlin, man muss wissen, wen man wo treffen möchte, man muss sich verabreden, Gesellschaften zu Hause geben, alles mühsam. Ibiza dagegen mit seinen nur 40 mal 20 Kilometern Flächenmaß ist wie Berlin-Mitte, ständig läuft man jemandem über den Weg. Während die große Schwester heiraten und Kinder kriegen will, lässt es Ibiza, die kleine, am liebsten Tag und Nacht krachen.

Das lockte schon früh die Kreativen an. Modeschöpferin Jil Sander hat seit Jahren eine einsam gelegene Finca in den Hügeln von Santa Agnès, Regisseurin Doris Dörrie und ihr Lebensgefährte Martin Moszkowicz, Chef von Constantin Film, unweit davon, genauso wie Filmemacher Wim Wenders oder Tote-Hosen-Sänger Campino.

Wolfgang Joop verbringt viel Zeit auf der Insel, "weil Ibiza eben nicht spießig ist und ich das Gefühl habe, hier gut alt werden zu können". Jahrelang war er mit seinem Lebenspartner Gast im Haus von Tochter Jette. Als sie über Kreuz lagen, richtete er sich im edlen Agroturismo des "Cas Gasi" bei Margaret von Korff ein, bei der auch Mario Testino, Richard Gere oder Kate Moss den Rückzug in die totale Ruhe zelebrieren. Dann hat Joop eine Finca entdeckt, die er nun mit viel Sinn fürs Authentische renovieren lässt.

Amir Kassaei, Bad Boy der Werbeszene und Kreativchef bei DDB, pendelt zwischen Santa Gertrudis und Barcelona. Wenn es um seine zweite Heimat geht, fällt er gleich in Fachjargon: "Ibiza ist als Lifestyle-Insel eine internationale Marke geworden." Jenseits von Partys und Promis machen für ihn "die Querdenker und Querulanten die Faszination aus". Mallorca? Mochte er nie.

Bobby Dekeyser, ehemaliger Torwart des FC Bayern und Gründer der Outdoormöbelmarke Dedon, einer der wilderen deutschen Unternehmer, lässt sich im Buch "Ibiza Bohemia" über "die magische Anziehungskraft der Insel" zitieren: "Du kannst Ibiza nicht erklären. Entweder du spürst es oder nicht; es ist auch nicht für jeden. Ibiza zwingt dich, loszulassen."

Auch deutsche Bosse erliegen diesem Charme, vor allem jene mit einem Hang zum Ausschweifen. Udo Müller etwa, Chef des Werbevermarkters Ströer, ist bekannt für seine heißen Partys, für die er stets andere Locations mietet. Bei der jüngsten, Mitte Juli, hatten die Gäste im Kostüm aufzulaufen. Alles drehte sich um den Mann im Mond, der wieder mal voll war.

Ebenfalls feste Größen auf der Insel: die Sal.-Oppenheim-Pleitiers Matthias Graf von Krockow, Georg Baron von Ullmann und Josef Esch, Ex-Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer, über Jahre einer der bestbezahlten deutschen Manager, dessen Vorgänger Micky Rosenblat (heute im Immobiliengeschäft), Axel Herberg, Ex-Deutschland-Chef der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone, und natürlich Lenny Fischer, der einstige Shooting-Star-Banker.

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