Samstag, 28. März 2020

Das Mittelmeer in schrecklich schön Die Jet-Setter von Ibiza

Ibiza: Schrecklich schön
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2. Teil: Althippies als Folklore

Die Ursprünglichkeit der Insel, ihre Schönheit und Eleganz, dazu die Lässigkeit barfüßiger Hippie-Idylle und eine gewisse Wurschtigkeit gegenüber dem Reichtum (die einen sind selbst vermögend, den anderen ist Geld egal) bilden das perfekte Setting für diesen Hype. Ein paar Skandale und ein bisschen True Crime liefern die nötige Unterhaltung. Da versucht ein Unterwäschemodel im Koksrausch mit dem Privatjet zu fliehen, nachdem sie einen 500.000-Euro-Ferrari gecrasht hat, da wird ein Waffenring gesprengt und illegales Bauland verschoben. Genau der Cocktail, der dem Business-Jetset so schmeckt.

Die viel größere Schwesterinsel Mallorca fällt dagegen immer mehr ab. Sie ist fest in der Hand des alten, gediegenen deutschen Geldadels, dem der kosmopolitische Zirkus auf Ibiza eher zuwider ist.

Die Invasion der Reichen hat Ibiza stark verändert. Es fühlt sich ein bisschen an wie Manhattan: Die Milliardäre und Millionäre diktieren die Hauspreise, die Menüs in den Restaurants und die Drinks in den Klubs und Bars. Ende Juni machte das Fünfsternehotel "Nobu" am Strand von Talamanca auf, mit viel Glamour und Fusionsküche. Die Althippies und Aussteiger, also die Urtouristen, sind zur Folklore geworden. Sie können sich die Insel kaum mehr leisten.

Luxus neben Understatement, Althippies neben Protzoligarchen, Jung neben Alt. Ibizas Betriebsgeheimnis ist auf Versöhnung der Extreme ausgelegt, noch funktioniert dies, geht der Nachschub nicht aus.

In der Hochsaison fliegen 120 Privatjets am Tag ein. Zu viele für den kleinen Flughafen, vergangenes Jahr wurde die Aufenthaltserlaubnis auf drei Stunden beschränkt. Kein Platz.

Von den Fähren rollt eine nicht enden wollende Flotte von Limousinen, die sich abends wie eine schwarze Bolidenkarawane in Bewegung setzt, Richtung Party. Bisher fuhr der eingesessene Millionär eine alte Schrottkiste, heute brausen Ferraris, Lamborghinis, Maseratis und Luxus-SUVs durch die Bilderbuchlandschaft.

Die David Geffens, Lakshmi Mittals oder Roman Abramowitschs lassen sich verhätscheln wie absolutistische Regenten. Für den russischen Oligarchen wird an den Sandbuchten, die als besonders fancy gelten, regelmäßig ein Stück Strand abgeschirmt und komfortabel hergerichtet. In den angesagten Restaurants gehen die Reservierungen gleich für die gesamte Location ein, Kenner schließen Wetten ab, welches der vielen geblockten Lokale er am Ende tatsächlich aufsucht.

Im Hafen liegt eine Superjacht neben der anderen - das Präfix tragen nur Boote, die länger als 60 Meter sind und einen Hubschrauberlandeplatz haben. Gerade läuft die "Lionheart" ein, sie gehört dem Besitzer der Modekette Topshop, Philip Green, einer der reichsten Engländer. Das Boot soll 150 Millionen Euro gekostet haben. Kurz darauf kommt die "Nachtwind", direkt dahinter noch ein Superding, auf dem sich eine junge Schöne im giftgrünen Seejungfrauenkostüm räkelt. In der Hochsaison stehen die Schiffe beim Einparken im Hafen von Ibiza Stadt regelmäßig im Stau.

Die Königsfamilien aus Saudi-Arabien und Jordanien legen an. Männer und Frauen auf getrennten Jachten, die der Männer ein gutes Stück größer. Das Herrscherschiff "Prince Abdulaziz" läuft kurz nach Ramadan ein und bleibt ganze 100 Tage lang die Sensation im Hafen, dessen Liegegebühren mit die höchsten im ganzen Mittelmeerraum sind. Weil die Schaulustigen recht nah kommen, wünschten die Königlichen aus dem Morgenland eine Schutzmauer. Nach langem Hin und Her und Protesten aus der Bevölkerung einigte man sich auf eine halbhohe Plexiglaswand.

Davor stehen schwarz gekleidete Männer, mit Knopf im Ohr. Die Sicherheitstrupps und Bataillone von Bediensteten im Schlepptau der Scheichs okkupieren ganze Etagen des Fünfsternegrandhotels.

Lieber als auf dem Schiff oder im Hotel wohnt der verwöhnte Jetset aber in den eigenen vier Fincawänden. Der langjährige Formel-1-Pate Bernie Ecclestone hat gerade für 30 Millionen Euro ein großes Anwesen in Porroig gekauft, seine Tochter sucht noch. Popröhre Shakira gehört eine Luxuswohnung in der Life Marina, Sängerkollege James Blunt und seine Frau Sofia Wellesley haben in ihrem 150 Jahre alten Haus auch eine eigene Disco.

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