Montag, 22. Juli 2019

Human Resources in der Krise Brauchen wir noch Personalmanager? Und wenn ja, welche?

Human Resources: Macht sich die HR-Zunft überflüssig?
REUTERS

Personalthemen sind so wichtig wie nie, trotzdem wird die Disziplin rasant entwertet. Wer braucht künftig eigentlich noch HR?

Alles könnte so schön sein. Stolz glänzt der Post-Tower in spätsommerlicher Abendsonne, gemächlich strömt der Rhein. Im Konferenztrakt stimmt Thomas Sattelberger, Chef der Human Resources Alliance und ehemaliger Telekom-Vorstand, die Teilnehmer ein auf das große Vorhaben: "HR 4.0" wollen die Szenehochkaräter kartieren, die "Roadmap für ein neues Selbstverständnis der Personalfunktion".

Um Innovation wird es gehen auf dem "Zukunftsforum Personal", um Resilienz und um Macht, diese "umstrittene Notwendigkeit". An großen Worten herrscht selten Mangel, wenn Personalguru und Übermorgendenker Sattelberger Gleichgesinnte um sich schart.

Nur ein winziges Detail stört die Idylle: Post-Personalvorstand Angela Titzrath wurde wenige Wochen zuvor ihres Amtes entledigt. Im Personalerkosmos galt Titzrath als Star, nicht wenige Forumsmacher waren empört; intern wurde überlegt, die Veranstaltung aus dem Post-Tower abzuziehen. Aber dann waren die Hotels schon gebucht und die Flüge, und die Zeit wurde knapp.

Nun entfällt das Grußwort der verhinderten Gastgeberin, und Post-Chef Frank Appel spricht die Keynote zum Personalerkongress. Ausgerechnet jener Mann also, dessen Vorzeigepersonalerin entnervt hinwarf. Pikant, gewiss, doch Appel marschiert schneidig durchs Skript und rammt gleich mal ein paar Pflöcke ein: HR solle "die besten Leute zu den niedrigsten Kosten" ranschaffen und sich nicht mit strategischem Gedöns aufhalten, denn: "Es gibt keine Personalstrategie, sondern nur eine Strategie, welche die Geschäftsstrategie stützt." Titzrath erwähnt er mit keiner Silbe.

Human Resources (HR) müsste eigentlich auf dem Zenit ihrer Bedeutung stehen. Demografie, Internationalisierung, Kampf um Talente, Digitalisierung - die Dringlichkeit solcher HR-Großthemen ist zuletzt geradezu explodiert. Endlich, endlich könnten die Personaler zeigen, dass sie nicht nur lustige Trainings organisieren, sondern ganz oben mitgestalten können. Da, wo es um die Zukunft geht. Und ums Geschäft.

Passiert ist das Gegenteil. "Die Entwertung strategischer Personalarbeit in den vergangenen Jahren ist mit Händen zu greifen", sagt Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager. Appels rustikales Verständnis von HR als Servicefunktion liegt im Trend: Lohnabrechnung, Abfindungsregelung, Mitarbeitergesundheit - gern soll sich der Personaler darum kümmern. Aber Strategie und Innovationen? Da sind andere gefragt. Für HR gesucht wird: braver Abarbeiter statt frecher Musterbrecher.

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