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Hotel Oderberger Berlin: Turmsuite überm Pool

Foto: Martin Nicholas Kunz

Eine Nacht im neuen Hotel Oderberger, Berlin Schöner schlafen im Schwimmbad

Im Oktober 2016 eröffnete das Hotel Oderberger in Berlin. Mitten im Szeneviertel Prenzlauer Berg lässt es sich im Schwimmbad prachtvoll schlafen.
Von Viola Keeve

In den 90ern feierten Künstler und Technofans in der schönsten Ruine im Prenzlauer Berg, dem alten Volksbad von 1902, noch wilde Partys. Dann wurde die Immobilie für 18 Millionen Euro saniert, und heute kann man dort schlafen. Ein Geheimtipp ist es schon jetzt: Kaminbar, 74 Zimmer, zehn Suiten, fünf davon im alten Wasserturm.

In New York wäre das Hotel Kult. Wo gibt es das schon - schlafen im Denkmal, mitten im Lieblingsviertel der Erfolgreichen und Gesundheitsbewussten? In Deutschlands größtem Altbaugebiet der Gründerzeit wohnt heute die Bio-Bourgeoisie: Anwälte, Ärzte, Architekten. Früher lebten dort Arbeiter, in Zimmern ohne Bad. Weil die Stadtväter um deren Gesundheit besorgt waren, ließen sie eine Volksbadeanstalt bauen, mit prächtigem Ambiente: Neorenaissance, Fresken von Fröschen und Bären, 200 Wannen, geflieste kleine Kabinen. Ein grandioser Ort.

30 Jahre lag er brach, 2011 kaufte das Unternehmerpaar Jaeschke die Bäderruine. Ihnen gehört schon die nahe gelegene Sprachschule. 6000 Schüler aus 60 Ländern, für die brauchten die Jaeschkes mehr Zimmer. Auflage der Denkmalschützer: Das Bad muss an fünf Tagen pro Woche öffnen, für alle. Dazwischen wird es für Events genutzt; der Boden des Beckens fährt dann hoch. "Wir sind jetzt alle wie Jesus", witzelten die Grünen, die dort im April tagten.

Die Lobby mit ihrem Kreuzgewölbe erinnert an ein Kloster, kein Zimmer gleicht dem anderen, bis auf die Ausstattung: bunte Retrosessel, Boxspringbetten, nagelneue Bäder kombiniert mit alten Holzbänken (Kofferablage), Fliesen (an der Wand, als Tisch), eine Schiebetür zum Bad (in Glas gefasst) mit dem Schild "Besetzt". Im Tagungsraum hängt eine Seifenschale unter dem Smartboard.

Auf den Stufen zum Eingang sitzen Sprachschüler, man ist mittendrin. Jemand spielt Saxofon, übertönt von Stimmen und Sirenen. Gäste fahren besser im Taxi vor, das Pflaster der Kastanienallee zählt noch zu den ursprünglichen seiner Art: schwere, schiefe Platten, nichts für Rollkoffer.