Montag, 20. Mai 2019

Airlines Wie Etihad sich Air Berlin zu Diensten macht

Bittgang nach Abu Dhabi: Wie Etihad Air Berlin aushilft
REUTERS

Einst lächelte James Hogan am Check-in-Schalter, heute peitscht er als Airline-Chef Etihad Airways zu Weltformat. Und Air Berlin zu Gefolgschaft.

Das Gewicht auf beide Beine verteilt, die Brust breit, die Hände locker in Oberschenkelhöhe schwingend, als säßen da zwei Colts. James Hogan (56) könnte in einem Western mühelos den starken Arm des Gesetzes mimen - machtbewusst, wachsam, jederzeit zum Duell bereit.

Wo er diese Attitüde aufgeschnappt hat, bleibt vage. Vielleicht bei seinem Vater, ehemals Soldat bei der australischen Marine und gewiss ein kerniger Typ; der alte Herr ist heute 94, immer noch fit und Hogans großes Vorbild. Vielleicht stammt sie auch vom Sport. In jungen Jahren mischte er leidenschaftlich im Australian Football mit, einem rauen Spiel mit Händen und Füßen.

Klar ist hingegen: Gerade heute kann er die Haltung des Unerschütterlichen gut gebrauchen. Hogan hat eine Aufgabe übernommen, die zum Fürchten ist.

Seine Untergebenen stammen aus 138 verschiedenen Ländern. Seine eigenen Vorgesetzten hingegen nur aus einem einzigen Zipfel Arabiens, aus Abu Dhabi. Die Herrscher des ölreichen Emirats verlangen von Hogan, dass er ihnen mit Etihad Airways schleunigst eine Welt-Airline hinstellt.

Und das, obwohl direkt nebenan zwei Fluglinien bereits das gleiche Geschäftsmodell verfolgen: Emirates in Dubai, Qatar Airways in Katar, beide viel länger am Markt als Etihad, beide weit voraus. Seine Auftraggeber kümmert's nicht. Womöglich stachelt sie der Vorsprung der Nachbarn erst recht an. James Hogan hat Milliarden zur Verfügung. Jetzt soll er liefern.

Die Scheichs aus Abu Dhabi sind für Superlative sehr empfänglich

Hätte der Manager versucht, die Scheichs zu bremsen, er hätte den Posten wohl nicht bekommen. Um ihn zu behalten, sattelt er lieber noch mal drauf. "Hogan hat erkannt, dass seine Geldgeber für Superlative empfänglich sind", sagt einer, der ihn gut kennt. Wenn man in Abu Dhabi zum Beispiel eine Achterbahn baut, dann muss es die schnellste der Welt sein. Hogan liefert die passende Höchststufe für die Airline.

Etihad preist er als die "beste Fluggesellschaft in allen Klassen" und die "am schnellsten wachsende Airline in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt". 100 Maschinen hat er auf einen Schlag geordert und weitere 100 reserviert, für 43 Milliarden Dollar Listenpreis, auch ein Rekord. Wenn sie alle mal da sind, hat er voraussichtlich mehr Langstreckenjets beisammen als die Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

Schon heute geistert Etihad als Weltmacht durch Hogans Präsentationen. Er kauft - da ist er einzig in seiner Art - reihenweise Beteiligungen an anderen Fluglinien. Hier gut 12 Prozent von Virgin Australia, da 49 Prozent der serbischen Jat; von der indischen Jet Air ein knappes Viertel, von der deutschen Nummer zwei, Air Berlin Börsen-Chart zeigen, fast 30 Prozent. Macht, wie Hogan kühn zusammenzählt, 500 Flugzeuge mit 400 Zielen in seinem Einflussbereich.

Kommt die Rede auf Air Berlin, dann ist es, als entführe Hogan ein unterdrückter Seufzer. Ende 2011 setzte er sich frohgemut neben den damaligen Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn, verhieß eine glänzende Zukunft und posierte begeistert für allerlei Jubelfotos.

Inzwischen hat Etihad rund eine halbe Milliarde Euro in den verlustreichen Verbündeten gesteckt, bald braucht er womöglich wieder Geld

© manager magazin 11/2013
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