Sonntag, 18. August 2019

Here-Chef Edzard Overbeek Dieser Mann ist für deutsche Autohersteller der Mann der Zukunft

Edzard Overbeek: Der Here-Chef Here soll Daimler, BMW und Audi die Schlüsselkompetenz fürs autonome Fahren liefern, bevor Google die deutschen Autokonzerne zu tumben Hardwarelieferanten degradiert
Ole Schleef/ manager magazin
Edzard Overbeek: Der Here-Chef Here soll Daimler, BMW und Audi die Schlüsselkompetenz fürs autonome Fahren liefern, bevor Google die deutschen Autokonzerne zu tumben Hardwarelieferanten degradiert

2. Teil: So groß werden wie Google oder Facebook

Immerhin, das könnte ihm helfen, ist Overbeek Old School und New Economy zugleich. Er trägt Anzug statt Kapuzenpulli, hat Business Administration studiert, gibt mehr den zupackenden Konzernguy als den spleenigen Gründer. Overbeek hat für Siemens und Fujitsu gearbeitet, hat ein Vierteljahrhundert Technologiekonzerne gemanagt, gehörte als Chef der Einheit Services zur ersten Garde des IT-Giganten Cisco. Der Mann kommt aus der Welt des Main-Frame-Computers, ist jedoch nicht von gestern. Mit Cisco Börsen-Chart zeigen kam er vor vielen anderen in der Cloud an.

Und er hat ein Ziel. Er will den Erfolg von Google Börsen-Chart zeigen, Facebook und Amazon wiederholen. "Vor 20 Jahren", beschwört er das Potenzial von Here, "haben zwei junge Männer auf einer Suchmaschine ein Unternehmen aufgebaut. Knapp zehn Jahre später baute jemand namens Mark Zuckerberg ein soziales Netzwerk auf. Niemand hätte gedacht, dass daraus Imperien wie Google und Facebook werden." Heute lasse sich mit dem "riesigen Datenpool" von Here ein ähnlich starker "Location Index" aufbauen.

Die Idee: Jedes Auto, jeder Container, jeder Mensch sammelt Daten. Die werden über eine Plattform in Echtzeit bis auf wenige Zentimeter genau verortet, ausgewertet, analysiert und an die Nutzer weitergereicht.

Betrieben würde diese Plattform von Here, benutzt von der ganzen Welt. So wie heute alle auf Google oder Facebook zugreifen, wäre Here dann erste Anlaufstelle für Geschäftskunden. Die einen zahlen Lizenzgebühren für die Nutzung der Karten, andere lassen ihre Rohdaten analysieren und veredeln, wieder andere beteiligen Here an den per Daten erzielten Umsätzen.

"Gewaltiges Potenzial" sieht der neue Chef da schlummern. Nicht nur er. Rund 1,2 Milliarden Euro hat Here 2015 eingenommen und 100 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen verdient. Allein der Umsatz im Autogeschäft könne binnen fünf bis zehn Jahren fast fünf Milliarden Euro erreichen, prognostizieren Optimisten – bei überproportional steigendem Gewinn.

© manager magazin 8/2016
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