Franz Pischinger - einer der besten deutschen Wissenschaftler Deutschlands Motorenmeister

Der Maschinenbauer aus Aachen hat Diesel- und Ottomotoren sauberer, leiser und sparsamer gemacht - ganz ohne zu manipulieren. Dafür wurde er in die Hall of Fame der deutschen Forschung des manager magazins aufgenommen.
Dr. Franz Pischinger

Dr. Franz Pischinger

Foto: Mario Wezel für Manager Magazin

Franz Pischinger ist habilitierter Maschinenbauingenieur, man könnte ihn aber auch als Herzchirurgen bezeichnen. Denn sein Spezialgebiet ist die Herzkammer der deutschen Automobilindustrie. In den Brennräumen von Otto- und Dieselmotor hat er jahrzehntelang Zündtemperatur und Sauerstoffmenge sowie den Schadstoffgehalt der Abgase erforscht. Auf Basis der Ergebnisse entwickelte Pischinger dann Programme für Einspritzsysteme, Katalysatoren und die Motorsteuerung.

Mit seinen Erkenntnissen hat der gebürtige Österreicher geholfen, den Spritverbrauch erheblich zu reduzieren, er hat die Motoren leiser gemacht, effektiver und sauberer. Heute stoßen Autos nur mehr 1 bis 4 Prozent der Schadstoffe aus, die sie noch vor 40 Jahren in die Luft bliesen. Ohne Pischingers Optimierungskünste dürfte sich niemand mehr motorisiert durch die Citys von London, New York oder Berlin bewegen.

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Kolben, Zylinder und Brennstoffkammern haben es dem Jungen aus der Steiermark bereits früh angetan. Nach dem Abitur zieht es ihn 1948 an die Technische Hochschule in Graz - der Onkel lehrt dort als Professor für Maschinenbau. An dessen Lehrstuhl findet Neffe Franz sein Lebensthema: Diesel- und Ottomotoren. "Man hielt die Technik damals schon für ausgereift, alle Trümpfe für ausgespielt", erinnert sich Pischinger. Er will beweisen, dass da noch viel saubere Luft nach oben ist.

Mit selbst konstruierten Kameras filmt der junge Ingenieur die Verbrennungsprozesse im Innern eines Kolbenmotors. Die Aufnahmen gelingen durch Quarzglasfenster in der Zylinderwand. "Vor jeder Zündung musste das ganze Labor in Deckung gehen", erzählt Pischinger.

Das erste Resultat dieser Experimente ist ein Dieselmotor mit Kraftstoffdirekteinspritzung, den Pischinger für Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln entwirft. Seit 1962 arbeitet er dort als Entwickler. Die Maschine wird in die Laster der Marke Magirus eingebaut, aber auch in Generatoren. Dank der neuen Technologie kommen die Motoren mit 20 bis 30 Prozent weniger Sprit aus.

Im Jahr 1970 wechselt Pischinger an die Universität. Er erhält den Lehrstuhl für Angewandte Thermodynamik der RWTH Aachen und lässt sogleich eine Laborhalle umbauen für 20 neue Motorprüfstände. Die honorige Hochschule soll zu einem Mekka für Konstrukteure werden.

Wenige Jahre später verwirklicht sich der Österreicher einen weiteren kühnen Traum: Er gründet die Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren, FEV, ein privates Ingenieursbüro, das die Ergebnisse seiner Hochschularbeit weiterentwickelt und kommerzialisiert. Im öffentlichen Universitätsbetrieb können die wettbewerbssensiblen Verfahren nicht diskret genug auf die einzelnen Autobauer abgestimmt werden.

"Ein faszinierendes Zukunftsthema!"

Ein Professor als kapitalistischer Unternehmensgründer - Ende der 70er Jahre widerspricht dies dem im Elfenbeinturm gepflegten Komment. Doch Pischinger setzt sich durch: Das Wissenschaftsministerium muss einsehen, dass alle Beteiligten - die Studierenden, die RWTH und der Wirtschaftsstandort Aachen - von seiner Doppelrolle als Professor und Firmenlenker profitieren. Zumal er seine akademischen Aufgaben nie vernachlässigt. Er hält Pflichtvorlesungen, übernimmt unbeliebte Verwaltungsämter (Dekan, Prorektor), promoviert über 200 Doktoranden.

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Foto: Wolfgang von Brauchitsch

Franz Pischingers Schüler sind heute überall in der Autobranche zu finden. Vor allem bei BMW , von jeher eines der Zentren für die Motorenentwicklung.

Seine größten Durchbrüche gelingen Pischinger bei der Abgasreinigung: 1985 werden die ersten Dreiwegekatalysatoren für Ottomotoren marktreif, sie sind nach seinen Patenten konstruiert und filtern sowohl Kohlenmonoxid, Stickoxide als auch Kohlenwasserstoffe aus dem Auspuff.

Im Jahr 2001 folgen Partikelfilter und der Oxidationskatalysator für Dieselmotoren - beide haben einen ähnlichen Effekt. Auf den Dieselkat ist Pischinger besonders stolz, er hat den Selbstzündermotor in Pkw erst salonfähig gemacht - und zwar ganz ohne illegale Manipulationen.

Seinem Hang zu Überraschungen bleibt der Motorenkünstler bis zuletzt treu. Nach seiner Emeritierung folgt ihm auf dem Lehrstuhl nicht irgendwer nach, sondern sein Sohn. 1997 wird Stefan zum Ordinarius ernannt. Der damals 36-Jährige hat zuvor als Motorenentwickler bei Daimler  gearbeitet und war durch seine jahrelange Forschung am MIT in Boston auch akademisch durchaus qualifiziert für den Posten.

Naheliegend also, dass Stefan Pischinger auch gleich ins Chefbüro bei der Familienfirma FEV einzog. Mit 4000 Mitarbeitern gehört sie mittlerweile zu den weltweit führenden Motorenentwicklern - demnächst auch für Elektroantriebe. "Ein faszinierendes Zukunftsthema!", sagt Franz Pischinger, wenngleich er die Verbrenner nicht verfrüht abschreiben mag.

86 Jahre ist er jetzt alt und immer noch begeisterungsfähig. Mehr Zeit als im Büro verbringt er nun aber in seinem Haus in der Obersteiermark, wo er sich gern mit seinen fünf Kindern trifft und wandert. Dabei verbrennt er allerdings nur Kalorien.

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