Dienstag, 28. Januar 2020

Franz Pischinger - einer der besten deutschen Wissenschaftler Deutschlands Motorenmeister

Dr. Franz Pischinger
Mario Wezel für Manager Magazin
Dr. Franz Pischinger

2. Teil: "Ein faszinierendes Zukunftsthema!"

Ein Professor als kapitalistischer Unternehmensgründer - Ende der 70er Jahre widerspricht dies dem im Elfenbeinturm gepflegten Komment. Doch Pischinger setzt sich durch: Das Wissenschaftsministerium muss einsehen, dass alle Beteiligten - die Studierenden, die RWTH und der Wirtschaftsstandort Aachen - von seiner Doppelrolle als Professor und Firmenlenker profitieren. Zumal er seine akademischen Aufgaben nie vernachlässigt. Er hält Pflichtvorlesungen, übernimmt unbeliebte Verwaltungsämter (Dekan, Prorektor), promoviert über 200 Doktoranden.

Franz Pischingers Schüler sind heute überall in der Autobranche zu finden. Vor allem bei BMW Börsen-Chart zeigen, von jeher eines der Zentren für die Motorenentwicklung.

Seine größten Durchbrüche gelingen Pischinger bei der Abgasreinigung: 1985 werden die ersten Dreiwegekatalysatoren für Ottomotoren marktreif, sie sind nach seinen Patenten konstruiert und filtern sowohl Kohlenmonoxid, Stickoxide als auch Kohlenwasserstoffe aus dem Auspuff.

Im Jahr 2001 folgen Partikelfilter und der Oxidationskatalysator für Dieselmotoren - beide haben einen ähnlichen Effekt. Auf den Dieselkat ist Pischinger besonders stolz, er hat den Selbstzündermotor in Pkw erst salonfähig gemacht - und zwar ganz ohne illegale Manipulationen.

Seinem Hang zu Überraschungen bleibt der Motorenkünstler bis zuletzt treu. Nach seiner Emeritierung folgt ihm auf dem Lehrstuhl nicht irgendwer nach, sondern sein Sohn. 1997 wird Stefan zum Ordinarius ernannt. Der damals 36-Jährige hat zuvor als Motorenentwickler bei Daimler Börsen-Chart zeigen gearbeitet und war durch seine jahrelange Forschung am MIT in Boston auch akademisch durchaus qualifiziert für den Posten.

Naheliegend also, dass Stefan Pischinger auch gleich ins Chefbüro bei der Familienfirma FEV einzog. Mit 4000 Mitarbeitern gehört sie mittlerweile zu den weltweit führenden Motorenentwicklern - demnächst auch für Elektroantriebe. "Ein faszinierendes Zukunftsthema!", sagt Franz Pischinger, wenngleich er die Verbrenner nicht verfrüht abschreiben mag.

86 Jahre ist er jetzt alt und immer noch begeisterungsfähig. Mehr Zeit als im Büro verbringt er nun aber in seinem Haus in der Obersteiermark, wo er sich gern mit seinen fünf Kindern trifft und wandert. Dabei verbrennt er allerdings nur Kalorien.

Mehr zur Hall of Fame der deutschen Forschung finden Sie hier.

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