Freitag, 22. November 2019

Hall of Fame Der Feuerkopf

Jürgen Hambrecht: Wenn sich der langjähriger Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF, einschaltet, dann werden Dinge bewegt
Thomas Dashuber für manager magazin
Jürgen Hambrecht: Wenn sich der langjähriger Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF, einschaltet, dann werden Dinge bewegt

Jürgen Hambrecht ist neues Mitglied in der Hall of Fame. Der Topmanager glüht für den Erfolg: So positionierte er die BASF im Reich der Mitte. So agierte er in Berlin. So setzt er sich für frühkindliche Bildung ein.

Jetzt reicht es Jürgen Hambrecht (66) aber. Einen Investor nach dem anderen telefoniert er ab an jenem denkwürdigen 6. Mai. Eben, kurz vor der Hauptversammlung, hat Wolfgang Mayrhuber als designierter Aufsichtsratschef der Lufthansa zurückgezogen, weil ihn die US-Aktionärsvertretung ISS ablehnt. Die Fluglinie steht führungslos, der Aufsichtsrat, und damit auch Hambrecht, düpiert da.

Doch Nein heißt für Hambrecht nicht Nein. Mayrhuber müsse unbedingt Aufsichtsratschef der Lufthansa Börsen-Chart zeigen werden, beschwört Hambrecht internationale Fondsmanager. Die ISS-Empfehlung sei haltlos, getroffen ohne jede Kenntnis der deutschen Corporate Governance. Das Ergebnis ist bekannt: Mayrhuber stellt sich zur Wahl und bekommt die nötige Mehrheit.

Einige Monate zuvor in Stuttgart. Auch dort droht Chaos. Im Daimler-Aufsichtsrat haben sich der Vorsitzende Manfred Bischoff (71) und Betriebsratschef Erich Klemm (59) verhakt. Der Arbeitnehmervertreter stemmt sich gegen die Vertragsverlängerung von Vorstandschef Dieter Zetsche (60). Nichts bewegt sich. Doch Hambrecht - hier wie bei der Lufthansa einfaches Aufsichtsratsmitglied - nimmt sich der Sache an und gewinnt den baden-württembergischen IG-Metall-Bezirksleiter und Daimler-Aufseher Jörg Hofmann als Vermittler. Wenig später bekommt Zetsche den Anschlussvertrag, allerdings begrenzt auf drei Jahre.

Hambrecht bewegt was

Wenn sich Jürgen Hambrecht, langjähriger Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF, einschaltet, dann werden Dinge bewegt. Das hat viel mit der Kraft seiner Argumente zu tun. "Mir hat es schon immer Spaß gemacht, die fundiertere Beweisführung zu haben und besser informiert zu sein, um an der richtigen Stelle meinen Punkt zu machen", gibt Hambrecht zu Protokoll.

Während er in deutlich schwäbischem Tonfall solche kämpferischen Sätze von sich gibt, spannt sich der asketische Mann mit dem kurz geschorenen grauen Haupthaar. Die Arme schnellen ruckartig nach vorn. Das Gesicht, in dem sich Streben und Ehrgeiz eingegraben haben, beginnt heftig zu arbeiten.

Seine eigentliche Gabe wird sichtbar. Franz Fehrenbach, ehemaliger Bosch-Chef und langjähriger Freund von Hambrecht, nennt sie: Feuer entfachen. "Wenn er spricht, dann spürt jeder, wie er für ein Thema brennt. Das überzeugt."

Kaum einer unter den Größen der deutschen Wirtschaft gleicht Hambrecht an Willens- und Überzeugungskraft. Was ihm wichtig ist, verfolgt er mit der vereinten Energie von Geist und Körper. Stets vertritt er eine klare Position. Immer kämpft er vehement auch für die Umsetzung, selbst in aussichtslosen Fällen. Zuletzt glühte er in der Ethikkommission für sichere Energieversorgung, die die Bundesregierung nach der Katastrophe von Fukushima eingesetzt hatte, als einziger Industriemann für die Atomkraft.

© manager magazin 7/2013
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