Montag, 23. September 2019

Netzwerke No Country for young Men

Netzwerke: Wo sich die schwäbische Wirtschaftselite trifft
AP

4. Teil: Beim VfB trifft man sie alle

Vorsitzender des Vereins der Baden-Württemberger in der Hauptstadt ist Manfred Kurz, Repräsentant von Würth in Berlin, der in einer pompösen Villa auf der Halbinsel Schwanenwerder im Wannsee residiert. Legendär ist seine Weihnachtsfeier, zu den regelmäßigen Stammtischen des Vereins BaWü kommen immerhin noch 100 bis 150 Leute, meist in die "Botschaft" des Landes. Die Landesvertretung liegt in der Tiergartenstraße, protzig zwischen der indischen und österreichischen Botschaft.

Daheim in Schwaben hält man sich lieber zurück. Große Bosse wie Dieter Zetsche (Daimler Börsen-Chart zeigen), Volkmar Denner oder Franz Fehrenbach (beide Bosch) machen sich in der Öffentlichkeit rar. Utz Claassen, der einst in die Region einflog, um EnBW-Chef zu sein, und längst wieder in Hannover lebt, sagt: "Die Hot Shots blenden sich in Stuttgart aus dem gesellschaftlichen Leben stärker aus als anderswo."

Nur bei zwei Events laufen auch schon mal mehr als zwei, drei Wirtschaftspromis auf: bei Spielen des VfB in der Mercedes-Benz Arena und - man höre und staune - beim Cannstatter Volksfest.

Die Mercedes-Benz Arena ist weltweit das einzige Stadion, wo Porsche Börsen-Chart zeigen aus Lokalpatriotismus Bandenwerbung macht. Die 72 Lounges sind von den bedeutenden Unternehmen der Region gemietet. Nur eines weigert sich hartnäckig: Bosch. Zwar buhlt die VfB-Vereinsspitze seit Jahren um ein Engagement des Weltkonzerns, doch bislang vergebens.

Brechend volle Festzelte

Beim VfB trifft man sie alle, Mittelständler und Konzernvorstände wie Dieter Zetsche und Porsche-Chef Matthias Müller. Bei Kessler-Sekt, Fellbacher Trollinger oder Dinkelacker-Bier halten sie oft lange aus. "Bei keinem Verein bleiben die Gäste länger", sagt Ex-VfB-Chef Erwin Staudt, dessen Anwesenheitsrekord bei 3 Uhr 30 morgens liegt.

Oft mit dabei ist Kärcher-Chef Hartmut Jenner (49), der inzwischen auch im Aufsichtsrat des Vereins sitzt. Jenner ist in der schwäbischen Unternehmenswelt eine aufstrebende Figur. Der Durch-und-durch-Schwabe, aufgewachsen in Winnenden, Studium in Stuttgart, seit fast 25 Jahren bei Kärcher - hat das Zeug zum neuen schwäbischen Patron, in direkter Erbfolge derer von Stihl und Dürr.

Jenner wurde auch schon auf dem Cannstatter Volksfest gesichtet. Seit rund acht Jahren erlebt der Wasen, einst ein Hort maßloser Trunkenbolde, eine Renaissance, dank Hofbräu-Festwirt Hans-Peter Grandl und dem Stuttgarter Gastronomen Michael Wilhelmer. Im grünen Jankerl, karierten Hemd und Lederhose sitzt Wilhelmer in seinem Festzelt "Schwabenwelt", das er in mehrere Boxen unterteilt hat.

© manager magazin 11/2014
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