Sonntag, 25. August 2019

Globalisierung Rettet den Kapitalismus vor den Kapitalisten!

Globalisierung: Steuertrickser & Marktrambos
AFP, REUTERS, Getty Images

4. Teil: Digitale Allmacht - die Imperien von Facebook und Google

Als Mark Zuckerberg sich Instagram einverleibte, dachten alle noch, es handle sich um einen profanen Fotofilter. Weit gefehlt: Instagram hat sich zu einem eigenständigen sozialen Netzwerk entwickelt, mit 500 Millionen Usern. Facebook kommt auf 1,7 Milliarden.

Auch gegen den Whatsapp-Kauf wollten weder europäische noch US-Kartellbehörden opponieren. Sie sortierten Social Networks und Messengerdienste in verschiedene Märkte ein. Knapp zwei Jahre später müssen sie zusehen, wie Zuckerberg die Kundenstämme von Facebook und Whatsapp zusammenfügt. Dass die enorm beliebte App Snapchat nicht auch längst zum Zuckerberg-Empire gehört, liegt allein an Gründer Evan Spiegel. Der Glamourboy bereitet frech den Börsenstart vor.

Dabei ist der Feldzug der Silicon-Valley-Riesen nur ein kleiner Teil der Fusionen und Übernahmen, die in den vergangenen Jahren rund um den Globus stattfanden. Laut Berechnungen des McKinsey Global Institute erwirtschaften mittlerweile 10 Prozent der weltweit gelisteten Börsenfirmen 80 Prozent aller Gewinne. Zwischen 1994 und 2013 ist in den USA der Anteil, den die Profite der 100 größten Aktiengesellschaften zum Bruttosozialprodukt beitragen, von 33 auf 46 Prozent gestiegen. Big Corporate rules.

Lange haben die Kartellwächter in Brüssel und Washington die Dinge laufen lassen - nun können sie nur noch korrigierend eingreifen, wenn der Missbrauch einer Marktposition allzu offensichtlich ist.

Globale Endspiele im Konsolidierungswettkampf

Und das ist häufiger der Fall, als gesund ist. In einigen Industrien teilen sich kaum mehr als eine Handvoll Spieler 70 bis 80 Prozent des Marktes. In anderen Segmenten finden gerade die globalen Endspiele im Konsolidierungswettkampf statt. Nach dem Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange bleiben weltweit genau vier dominante Adressen übrig. Von den gegenwärtig noch sechs großen Agrarchemiekonzernen sollen zwei demnächst verschwinden. Es sind solche Zusammenschlüsse, bei denen die Kartellwächter Grenzen ziehen und Exempel statuieren könnten.

In sämtlichen Fällen haben die Beamten in Washington und Brüssel intensive Untersuchungen angekündigt, die Unternehmen mit sorgsam ausgeklügelten Abwehrstrategien geantwortet. Die Londoner Börse ist bereit, einen Teil ihrer Aktivitäten zu veräußern. Das aus den US-Chemiekonzernen DuPont und Dow entstehende Konglomerat soll nach der Fusion in drei Einzelfirmen aufgespalten werden.

Kleine Entgegenkommen, um das große Ganze nicht zu gefährden. Geschenkt. Dass die Deals ohne Abstriche durchgehen, glaubt an der Börse ohnehin keiner. Sonst würde etwa der Monsanto-Kurs nicht bei 103 Dollar liegen, sondern nahe am Bayer-Gebot von 128 Dollar.

Politiker und Kartellbehörden schossen sich in jüngster Vergangenheit gezielt auf wenige Musterfälle ein. Quasi als Warnsignal, es nicht zu weit zu treiben. So blies Pfizer im Frühjahr nach massivem Druck aus Washington die 140 Milliarden Dollar schwere Fusion mit dem Konkurrenten Allergan ab, der sich vor allem wegen der steuersparenden Verlegung der Konzernzentrale nach Irland gerechnet hätte.

Ansonsten jedoch rollte die Fusionswelle über fast alle Dämme: Von den 1800 Zusammenschlüssen, die 2015 beim US-Justizministerium zur Genehmigung anstanden, wurden lediglich 20 blockiert. In Europa sieht es ähnlich aus.

© manager magazin 11/2016
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