Freitag, 23. August 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

8. Teil: Oliver Samwer: Auf maximale Effizienz getrimmt

Oliver Samwer, der CEO und forderndste der Brüder, gab einst die Parole aus: "Mehr McKinsey, Goldman, findet junge Talente, aggressive Talente." Die störte es nicht, wenn Oliver auf Strichlisten notierte, wer vor ein Uhr nachts das Büro verließ. Oder wenn er in den gefürchteten Telefonkonferenzen einzelne Start-up-Manager herunterbürstet, weil die Zahlen nicht stimmen.

Gefordert wird viel, gefördert wenig. "Kaum jemand bleibt länger als zwei Jahre, die Leute werden nicht langfristig entwickelt, sondern wie Rohstoffe behandelt", sagt einer, der für Rocket ein Start-up mit aus der Taufe hob.

Was die Endzwanziger und Anfangdreißiger lockt, ist ein Job, der meist ebenso üppig honoriert wird wie in Unternehmensberatungen und zudem ein cooles Kapuzenpulliflair versprüht statt ödem Anzuglook. Vor allem die versprochenen Anteile an "ihren" Unternehmen halten die Laune aufrecht. Eine schöne Aussicht, die sich aber angesichts der Person Oliver Samwers oft als Fata Morgana entpuppt.

Den Nachwuchsmanagern wird dann schon mal ohne Vorwarnung gekündigt, zufällig kurz bevor die Anteile fällig werden. So erging es etwa den Gründern des Rocket-Projekts Citydeal.

Ihren Laden haben die Samwers auf maximale Effizienz ausgerichtet. Ziele, Tempo, Umsetzung. Oliver Samwer, der sich bei E-Mails aus Zeitgründen jegliche Anrede und Grußformel spart, sagt: "Keine E-Mails und Statistiken am Tag. Der Tag ist dafür da, die Zahlen zu verändern. Analysieren können wir sie in der Nacht."

Stimmen die Zahlen, heißt es: "Da geht noch mehr." Stimmen sie nicht, wird der Stecker gezogen - etwa als das Rocket-Büro in der Türkei von heute auf morgen dichtgemacht wurde.

Nicht gemein - nur fordernd und rücksichtslos

Der Erfolg gibt den Samwers recht: Von Berlin aus steuert Rocket 75 Firmen mit 15000 Mitarbeitern auf der ganzen Welt, für den anstehenden Börsengang wird mit einer Bewertung von drei bis fünf Milliarden Euro gerechnet. Selbst Ex-Raketen klagen zwar über die "Knochenmühle", betonen allerdings, dass sie nirgends so rasant, so viel von den Besten ihres Fachs gelernt hätten.

Richtig gemein sei der Oli ja nicht, nur eben ziemlich fordernd. Und rücksichtslos. "Klar, letzten Endes sind wir nur seine Soldaten. Immerhin versteht er es, jedem das Gefühl zu geben, der nächste große Gründer zu sein", sagt einer aus dem Samwer-Reich.

Ob Old oder New Economy - zur Peitsche gehört immer auch eine gute Portion Zuckerbrot. Mit dieser Mischung sind die harten Arbeitgeber erfolgreich, trotz ihrer gewöhnungsbedürftigen Interpretation von Führung. Denn so unterhaltsam die Marotten bisweilen klingen, die rüden Methoden können Karrieren zerstören, oft wird der Erfolg auf dem Rücken der Mitarbeiter erkämpft.

Wie das konkret aussieht, lässt sich bei XXXLutz beobachten. Wer in aufgekauften Möbelmärkten noch von alten Verträgen geschützt ist, werde aus der Firma gemobbt oder in neue Verträge mit schlechteren Konditionen gedrängt, klagen Mitarbeiter. Führungskräfte müssen dann für weniger Geld mehr arbeiten - und sind angehalten, den Druck weiterzugeben. Den "XXXL-Wohlfühlfaktor" gibt es nur im Werbevideo - auf YouTube.

Der mm-Untreuindex: Welche Unternehmen besonders gefährdet sind

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