Sonntag, 26. Mai 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

7. Teil: Apple: Abmahnungen ab einer Minute Verspätung - Konzern ist nach innen knallhart

Üppig bezahlt war der stressige Job bei Apple Börsen-Chart zeigen nicht, dafür durfte sich der studierte Betriebswirt ("Think different") als Teil einer weltverbessernden Avantgarde fühlen.

Dann die Ernüchterung: Für Verspätungen ab einer Minute gab es Abmahnungen, während Überstunden großzügig vorausgesetzt wurden. Fragen nach Beförderung oder mehr Geld wurden abgebügelt. In einzelnen Stores hingen Überwachungskameras, Führungskräfte mussten Mitarbeiter schon mal mit fiktiven Unpünktlichkeitsvorwürfen bearbeiten, bis sie "freiwillig" gingen.

Intern wird das Prozedere "Filtern" genannt, wie Ehemalige berichten. Ullsteins Fazit: "Apple präsentiert sich nach außen als große Familie, ist nach innen aber knallhart."

Der Mythos macht am Anfang einer Karriere vieles wett. Für das Gefühl, da mitzumischen, wo die Musik spielt, werden andere Ansprüche wie Wertschätzung oder Work-Life-Balance hintangestellt. Es wird dann eben akzeptiert, dass Homeoffice oder Telearbeit als eher verpönt gelten - wie bei Zalando Börsen-Chart zeigen .

Zalando: Jeder vierte Manager sucht nach einer neuen Position

Doch der Nimbus des Shootingstars (das Onlinekaufhaus konnte 2013 seinen Umsatz um 50 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro steigern) nutzt sich rasch ab, wenn er nicht ständig gefüttert wird. Viele Beschäftigte klagen über eine "Ex-und-hopp-Mentalität bei der Personalführung", weil Leitungspositionen mit wenig erfahrenen und oft wechselnden Jungmanagern besetzt würden, die häufig von außen kommen.

Unter den Zalando-Managern, die bei Experteer registriert sind, sucht laut einer Studie des Stellenportals derzeit jeder Vierte aktiv nach einer neuen Position; die durchschnittliche Verweildauer bei dem Börsenaspiranten liegt, jedenfalls nach Experteer-Zahlen, mit 0,8 Jahren deutlich unter dem Mittelwert der Branche (2,2).

Bei Amazon Börsen-Chart zeigen ist das Durchhaltevermögen höher, aber immer noch unterdurchschnittlich. Einer der Gründe könnte die ständige Pfennigfuchserei sein: Statt die Bahn zu nutzen, chartert der Netztitan bei gemeinsamen Dienstreisen schon mal einen billigen Kleinbus; hohe Führungskräfte fliegen eher Economy in die USA, weil Jeff Bezos kein Geld ausgeben will, das nicht dem Kunden zugutekommt.

Der Amazon-Gründer faltet seine Manager auch in größerer Runde zusammen ("Sind Sie faul oder nur inkompetent?"). Die Ziele in der extrem zahlengetriebenen Firma sind oft so ehrgeizig, dass der Versandhändler schon als "Burn-out-Maschine" tituliert wird. Ein Job bei Bezos gilt trotzdem als Ritterschlag.

Das bekannteste Trio in der deutschen Netzwelt kann Ähnliches für sich behaupten: die Samwer-Brüder mit ihrem Inkubator Rocket Internet. Die Büros: schnell auf- und abbaubares Ikea-Mobiliar, ein Kickertisch (selten benutzt), keine Start-up-Romantik. Für ihr Geschäft, die Gründung von Webfirmen in schneller Taktung, rekrutieren die Samwers am liebsten Berater oder Investmentbanker. Sie sind extreme Arbeitszeiten gewöhnt.

© manager magazin 10/2014
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