Dienstag, 23. April 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

5. Teil: Drogeriekönig Erwin Müller: Kopf runter und liefern

Der Anteil loyaler, hoch engagierter Mitarbeiter ist in kleinen und mittleren Betrieben größer. Die Jobs bei den harten Arbeitgebern sind anstrengend, doch das ist, so paradox es klingt, Teil ihres Erfolgsrezepts. Etwa bei Erwin Müller: Der Eigner der Drogeriekette führt sein Reich absolutistisch, E-Mails der Belegschaft werden auch mal mitgelesen, Manager scheinbar nach Gutdünken ausgetauscht.

In den vergangenen Jahren gingen mehr als ein Dutzend Topleute von Bord. Ex-Geschäftsführer Gerhard Kramer wurde in einem jahrelangen Prozesstsunami gar achtmal gekündigt. Erwin Müller, von kleiner Statur, aber großem Geltungsdrang, hat im zarten Alter von 82 Jahren beschlossen, sich operativ wieder stärker einzumischen. Als ob es je ein "schwächer" gegeben hätte.

Seinem Geschäft schaden die Querelen mit dem Spitzenpersonal offenkundig nicht. Mit 3,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet Müller eine Rendite von 4,5 Prozent nach Steuern - sehr ordentlich für die Branche. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wuchs die Kette um 8 Prozent. Ähnlich das Bild bei Friedhelm Loh (14 Prozent) und S. Oliver (6 Prozent).

Müller, Loh, Oliver: Renditen der Alleinherrscher sind häufig ansehnlich

Risikofreudig sind sie, die inhabergeführten Unternehmen, oft innovativ und konsequent auf Performance fokussiert. "Kopf runter und liefern" - es ist das alte Arbeitsmotto, als noch niemand einen Gedanken an Gratisgetränke und Yogakurse verschwendete. "Das mag manchmal bitter sein, ist aber glasklar, anders als die komplizierten Bonusregelungen der Konzerne", sagt Rüdiger Hossiep, Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universität Bochum: "Gute Führung fängt da an, wo Zählen und Messen aufhört."

Auch wenn der Ton bisweilen verrutscht, die Botschaft wird gehört. Reinhold Würth, der oberste Schraubenhändler der Republik, peitscht seine Mitarbeiter gern im Sklaventreiberstil zu Höchstleistungen. Besonders der Außendienst bekommt in Rundschreiben ("Morgenstund hat Gold im Mund") regelmäßig Druck von oben. Der Alte pflegt sein Raubein-Image. Zehn Stunden als Vertriebler draußen, das muss drin sein. Im Gegenzug darf 2015 wohl die erste Würth-Betriebskita eröffnen.

"Vertrauensrat" statt Betriebsrat - Müller regiert durch

"Wir wollen eben gewinnen", sagt Norbert Heckmann. Der Sprecher der Geschäftsleitung skizziert Würth als leistungsorientiert, aber für die Mitarbeiter berechenbar. Beispiel Dienstwagen: "Anfänger können es bei uns in nur zwei Jahren vom Opel Astra zum Mercedes C 220 schaffen." Heißt umgekehrt: Minderleister stehen bei Würth, wo der Verkauf jedes Nagels gemessen wird, schneller am Pranger, als sie "C-Klasse" sagen können.

Dort angekommen hilft ihnen keiner, denn noch immer gibt es in Künzelsau statt eines Betriebsrates bloß den relativ zahnlosen "Vertrauensrat". Wer es wagt, mit der Gewerkschaft zu sprechen, falle rasch in Ungnade, heißt es. Viele Mitarbeiter hätten Angst, sagt Heidi Scharf von der IG Metall in Schwäbisch Hall.

Die Kombination aus Unnachgiebigkeit und Berechenbarkeit wirkt wie ein Motivationsturbo. Der Effekt ist aus der Psychologie bekannt: "Menschen arbeiten lieber mit Menschen zusammen, die sie kennen, aber nicht mögen - als mit Leuten, die sie mögen, aber nicht einschätzen können", sagt Hossiep.

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