Samstag, 25. Mai 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

4. Teil: Dackel gegen Bulldoggen

Trotz solcher Gängeleien haben selbst Firmen wie die Drogeriekette Müller, wo die Kandidaten wissen, dass ihre Vorgänger manchmal nur wenige Monate an Bord waren, keine Schwierigkeiten, immer wieder neue Manager zu rekrutieren. Die Gehälter bei großen Mittelständlern sind oft hoch, zudem leiden nicht wenige Kandidaten an Selbstüberschätzung, getreu dem Motto: Ich schaff das schon.

Der Dackel weiß eben nicht, wie klein er ist, wenn er die Bulldogge angreift. Und: "Die Inhaber sind meist charismatische Typen", sagt Personalberater Dieter Hofmann. "Sie sind charmant, machen große Versprechungen."

Hinzu kommt: Auch wenn das erratische Von-oben-Reinreden nervt, ihre Unternehmen haben eine Geschichte zu erzählen. Eine Identität, die in der Person des Gründers oder Eigentümers erlebbar ist - ein Held, mitunter schwierig, aber live und in Farbe.

"Menschen werden durch Menschen angetrieben"

"Menschen werden durch Menschen angetrieben, in denen sie Vorbilder sehen", sagt Malik. Es macht einen Unterschied für die Motivation, ob Anweisungen von irgendeinem Vorgesetzten kommen oder von einem, dessen Leistung mit Händen zu greifen ist.

Anonymität und wechselnde Strategien in Konzernen schaffen Unsicherheit. Kein Wunder, dass gerade Großorganisationen ein solches Gewese um Corporate Identity machen und die umworbenen Talente mit Goodies wie Sabbaticals, Feel-Good-Managern oder, wie BASF Börsen-Chart zeigen , einem kompletten "Work-Life-Management-Zentrum" verwöhnen, mit Beratungsstelle, Krippe und Fitnessstudio.

Große Unternehmen ziehen einen eher passiven Typus an. "Wer in Strukturen denkt, fühlt sich im Konzern wohl. Da kann man sich auch mal wegducken", sagt Joachim Schwass, Co-Direktor des Global Family Business Center am IMD in Lausanne. Die inhaltlich, ja unternehmerisch Getriebenen ziehe es eher in den Mittelstand: "Dort ist der Druck direkter, vielleicht stärker - im Guten wie im Schlechten tritt die eigene Leistung klarer zutage", so Schwass.

Geführt wird an der kurzen Leine, aber konsequent und authentisch. Sich selbst schonen die Eigentümer schließlich auch nicht.

© manager magazin 10/2014
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