Donnerstag, 17. Oktober 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

2. Teil: Egomanen am Werk: Viele sind mit Top-down-Führung erfolgreich

Doch es sind nicht nur die altfränkischen Silberrücken aus Traditionsbranchen wie dem Schrauben- oder Drogeriehandel, die mit Strenge und Willkür über ihre Mannschaften gebieten. Auch in der modernen Netzwelt, in Kultbetrieben wie Amazon Börsen-Chart zeigen oder Rocket Internet Börsen-Chart zeigen, sind unerbittliche Egomanen am Werk. Sie agieren mit Druck und Kaltschnäuzigkeit, für sie zählt nur: Leistung und noch mal Leistung. Kein Platz für Gefühligkeit.

Ob knorriger Patriarch oder hartgesottener IT-Fürst - die Gründer, Eigentümer und angestellten Chefs eint eine ausgeprägte Selbstherrlichkeit sowie eine nicht minder ausgeprägte Verachtung für Managementlehrbücher, insbesondere solche, die sich mit moderner Personalführung befassen.

Das Erstaunliche dabei: Die Meister des rüden Stils finden nach wie vor leidensfähige Mitarbeiter. Noch überraschender: Viele von ihnen sind mit ihrer eiskalten Top-down-Führung ökonomisch überdurchschnittlich erfolgreich.

Einer der zynischsten Anführer ist Bernd Freier, der es zu beträchtlichem geschäftlichen Gelingen und zugleich zu berüchtigter Berühmtheit gebracht hat. Der Gründer der Modekette S. Oliver arbeitete einst als Türsteher in einer Disco und hat den Umgangston der Einfachheit halber beibehalten.

"Ich zahle ihnen eine Menge Geld, damit ich sie quälen darf"

Freier gilt als unstrukturiert, chaotisch und detailversessen. Weil ihm alles gehöre, so sein Credo, dürfe er auch alles bestimmen. Angesprochen auf den hohen Verschleiß an Managern, soll er mal gesagt haben: "Ich zahle ihnen eine Menge Geld, damit ich sie quälen darf."

Gefürchtet sind die Weihnachtsfeiern, bei denen der Chef spontan über die Führungscrew ablästern soll, während die Mitarbeiter feixen. Lange halten das die wenigsten durch: 2012 gab Birgitt Gebauer die Geschäftsleitung nach weniger als einem Jahr wieder ab, auch Vizechef Oliver Hein schmiss hin.

Immer wieder finden sich Ex-S.Oliver-Manager in Burn-out-Kliniken ein. Freier, gelernter Karosseriebauer und aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, genießt es offenkundig, den gelackten Herren und Damen mit Diplom oder gar Doktortitel zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Unter den schwierigen Patrons ist Freier keine Ausnahme: Die Selfmademen à la Theo Müller (Realschulabschluss, Molkereimeister), Erich Sixt (abgebrochenes BWL-Studium, liest Sokrates und Seneca) oder Drogeriebaron Erwin Müller (gelernter Friseur) sind schlau, kontrollwütig, misstrauisch. Vor allem akademischen Weihen gegenüber.

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