Sonntag, 18. August 2019

Moderne Mitarbeiterführung Management by Fernsteuerung

Freiheit, Agilität, Vertrauen: Drei Beispiele für neues Denken
Getty Images

4. Teil: Die zehn Regeln für erfolgreiche Führung aus der Ferne

Goldene Regeln
Die zehn Gebote erfolgreicher Führung aus der Ferne
  1. 1.
    Rollen, Aufgaben und Verantwortungsbereiche klar definieren.
  2. 2.
    Arbeitsabläufe und Termine eindeutig festlegen.
  3. 3.
    Pünktlichkeit einfordern und Verhaltensregeln definieren.
  4. 4.
    Erreichbarkeit sicherstellen.
  5. 5.
    Informelle persönliche Kontakte im Team fördern.
  6. 6.
    Alle Mitarbeiter gleich behandeln.
  7. 7.
    Gruppendynamik erkennen und steuern.
  8. 8.
    Kulturelle Unterschiede beachten.
  9. 9.
    Konflikte schnell und gemeinsam lösen.
  10. 10.
    Erfolge anerkennen und feiern.

Damit die Zusammenarbeit in der täglichen Praxis auch wirklich funktioniert, müsse der Chef Erwartungen und Prioritäten klar und unmissverständlich formulieren. Diese Quintessenz zieht Robert Gögele aus vielen Jahren Leitung verteilter Teams. Der Geschäftsführer von Avanade, einem Joint Venture von Accenture und Microsoft Börsen-Chart zeigen, führt seine 850 Kollegen auch mal vom Küchentisch in Grünwald aus. Mit den 32 engsten Mitarbeitern steht er ständig persönlich in Kontakt. Das Teamwork klappt reibungslos, weil die Spielregeln für den Umgang miteinander in jeder Gruppe klar vereinbart sind. Jeder weiß, bis wann Fragen beantwortet sein müssen, wer bei Problemen einzuschalten ist und was für ein Meeting vorbereitet sein muss. Den Rest erledigt dann die richtige Technik.

Die Kommunikation per E-Mail eignet sich für die neue Zeit nicht mehr, so viel steht fest. Diese Erfahrung machte auch Gisbert Rühl. Der Vorstandschef von Klöckner & Co informierte die Mitarbeiter via CEO-E-Mail über seine Vorstellungen für die digitale Transformation des Stahlhändlers. "Das ging völlig daneben", gesteht der Wirtschaftsingenieur freimütig ein. Die radikalen Pläne hätten Ängste in der Belegschaft ausgelöst, doch die Sorgen blieben ungehört.

Heute sucht Rühl bei wichtigen Veränderungen das offene Gespräch mit seiner Belegschaft, über Yammer, eine Art Facebook Börsen-Chart zeigen für Unternehmen. Mit der Social-Media-App könne er alle bangen Fragen, etwa zu den Auswirkungen auf die Arbeitsplätze, direkt und für alle sichtbar beantworten. Zudem bekomme er über die Kommentare zu seinen Posts ein Gefühl für die Stimmung im Unternehmen.

"Textnachrichten erzeugen jede Menge Frustation", sagt Andrew Filev, der das auf Projektmanagement spezialisierte Softwareunternehmen Wrike von unterwegs führt. E-Mails würden oft fehlinterpretiert und Ärger schaffen. Sehr viel besser seien Tools, die einen schnellen Austausch ermöglichen: Chaträume, Collaboration-Apps oder aber das gute alte Telefon. In seiner digitalen Variante auf dem Laptop zählt es - kombiniert mit Software fürs gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten - zu den beliebtesten Werkzeugen virtueller Teams.

Bei aller Flexibilität, Disziplin und Kontaktfreudigkeit - die vielleicht größte Gefahr für Remote Leader und ihre Teams lauert in der ständigen Erreichbarkeit. Winfried Holz, Deutschland-Chef des IT-Dienstleisters Atos mit rund 12.000 Beschäftigten, rät jedem Mitarbeiter, streng auf Erholungspausen und eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit zu achten. Sonst schufte man gerade bei globalen Teams rund um die Uhr.

Weil er als Chef selbst rigoros auf seine Zeiteinteilung achte, hätte ihm die Fernsteuerung einen "wahnsinnigen Gewinn an Freiheit und Effizienz" beschert, sagt Holz. Wer weiß, dass er am späten Abend noch einen Call mit Amerika hat, muss sich die Stunde Sport eben auf den Nachmittag legen.

Mehr Ruhe, bessere Ergebnisse, glücklichere Mitarbeiter. Sosehr vielen Remote Leadern der physische Kontakt und Austausch mit ihren Kollegen fehlen mag, zurück zu alten Zeiten will keiner mehr.

Seite 4 von 4

© manager magazin 3/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung