Mittwoch, 22. Januar 2020

Jens Frahm - einer der besten Wissenschaftler Deutschlands Der Kernspintomograf

Jens Frahm
Mario Wezel für Manager Magazin
Jens Frahm

2. Teil: Volles Risiko gegangen

Die Max-Planck-Gesellschaft, Frahms Arbeitgeber, hatte die Kosten für den Rechtsstreit vorgeschossen, die Prozesse hatten Millionen verschlungen. Eine lohnende Investition: Seither sind weitere Patente hinzugekommen, bis heute haben die Rechteinhaber einen dreistelligen Millionenbetrag mittlerer Größe an Lizenzeinnahmen kassiert.

Mit dem Geld gründete Frahm die gemeinnützige Biomedizinische NMR Forschungs GmbH. Ihr Auftrag: die Kernspintomografie weiterzuentwickeln. In dem Neubau auf dem Göttinger Max-Planck-Campus beschleunigt ein Team von rund 25 Elektrotechnikern, Physikern und Informatikern das Verfahren immer weiter, sodass es nun sogar Bilder "in Echtzeit" liefert, etwa aus dem Kehlkopf. Das könnte Stotterern zu einem hocheffizienten Sprachtraining verhelfen.

Frahm ist volles Risiko gegangen, seine akademische Karriere konnte er erst fortsetzen, nachdem alle Patentstreitigkeiten beigelegt waren: 1994 habilitierte er dann an der Uni Göttingen, seit 1997 ist er dort außerordentlicher Professor, 2011 wurde er zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft berufen.

Der Ausnahmephysiker, der zum Medizintechniker wurde, ist in der Region mittlerweile fest verwurzelt. Er engagiert sich in der Bürgerstiftung Göttingen, spielt in der Seniorenmannschaft des örtlichen Basketballvereins, und das sogar um die Deutsche Meisterschaft. Dienstreisen werden so gelegt, dass er zum wöchentlichen Training zurück ist. Urlaub macht er keinen.

Die Klarinette hat Frahm beiseitegelegt. "Nur zum Zeitvertreib oder ein bisschen nebenher spielen", das genügt seinen hohen Ansprüchen nicht. Erst nach der Emeritierung, also in ein paar Jahren, will er vielleicht wieder anfangen zu üben.

Da ist er ähnlich prinzipientreu wie in Geldfragen. Weil ihm das Bundesforschungsministerium einst bei der Anschubfinanzierung half, wollte Frahm die Fördermillionen später zurückerstatten, als die Lizenzeinnahmen sprudelten. Das hatte die Behörde so noch nicht erlebt. Sie wusste gar nicht, wie sie eine solche Zahlung verbuchen sollte.

Mehr zur Hall of Fame der deutschen Forschung finden Sie hier.

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