Kerstin Lauer leitet das Ford-Werk in Saarlouis Wie eine deutsche Car Woman eine Männerdomäne bricht

Die neue Chefin des Ford-Werkes in Saarlouis will beweisen, dass die Autoindustrie mehr Car Women braucht. Könnte klappen.
Glänzende Karriere: Kerstin Lauer, Leiterin des Ford-Werks in Saarlouis.

Glänzende Karriere: Kerstin Lauer, Leiterin des Ford-Werks in Saarlouis.

Foto: Friedrich Stark

Diese kleine Schwindelei musste sein, damals, anno 1993, als Frau in einer Männerbranche. Mit mittlerer Reife hatte Kerstin Lauer (48) bei Ford  in Saarlouis Elektrotechnik gelernt, sogar einige Monate am Band gestanden. Dann Fachabitur und Technikerschule, alles nebenher. Die Unterstützung der Firma für ihre Wissbegier musste sie sich, anders als mancher Mann, erkämpfen. Nun wollte Lauer studieren, merkte aber schnell: Als Nebenjob ist das dann doch zu aufwendig. Also nahm sie frei und gab vor, zwei Monate nach Australien zu reisen. Stattdessen blieb sie daheim und paukte, bestand die ersten Klausuren - und kündigte.

Drei Jahre später bewarb sie sich neu, als Dipl.-Ing. Seit einigen Monaten leitet sie das Werk Saarlouis mit seinen mehr als 6200 Mitarbeitern. Hier läuft der Focus vom Band, außerhalb Nordamerikas Fords erfolgreichstes Modell, 1200 Stück werden am Tag produziert.

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Mit einem Vorsteuergewinn von 2,7 Milliarden Dollar bejubelte der US-Konzern zwar zuletzt ein Rekordquartal. Aber in Europa sind die Zahlen nach wie vor rot. 2012 beschloss Ford, drei Werke in Belgien und Großbritannien zu schließen, um die Verluste einzudämmen. Die bittere Medizin wirkt, jedoch nur langsam.

Lauer muss die Fabrik also kräftig modernisieren, damit Saarlouis Ford-Stadt bleibt. Endmontage, Lackiererei, Motorenlinie, alles kommt demnächst dran. Ein eigenes Blockheizkraftwerk soll die Energiekosten drücken.

Schaffen will sie das mit einer Melange aus Bestimmtheit und Einfühlungsvermögen. Schnickschnack ist ihre Sache nicht. Bis auf die Orchideen und den Kräutertee im Warmhaltebecher (Kaffee trinkt sie auch) deutet in ihrem Büro nichts darauf hin, dass der Chef eine Chefin ist.

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Glückt ihre Mission, hätte sie bewiesen, dass auch Frauen Autos bauen können, und vielleicht mehr als das: "Die Autoindustrie würde davon profitieren, wenn mehr Frauen in Führungspositionen säßen", sagt sie. Schöne Grüße an die Car Guys in Stuttgart, München, Wolfsburg - oder Köln, dem Hauptsitz von Ford in Europa.

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