Samstag, 18. Januar 2020

Gründerparadies im hohen Norden Was Deutschland vom Gründerparadies Finnland lernen kann

Polar Position: Finnlands neue Digital-Champions
DPA

2. Teil: Ein ganzes Land freut sich mit den Supercell-Gründern

Die Stars der Szene werden inzwischen als Ikonen verehrt. So freute sich zuletzt das halbe Land mit den Supercell-Gründern Ilkka Paananen und Mikko Kodisoja, die 2013 jeweils 170 Millionen Euro verdient hatten, so viel wie kein Finne jemals zuvor. Der japanische Telekommunikations- und Unterhaltungskonzern Softbank Börsen-Chart zeigen hatte sich für 1,5 Milliarden Dollar 51 Prozent an Supercell gesichert, das bereits im zarten Alter von drei Jahren in die Top drei der Unternehmenssteuerzahler des Landes gerückt ist (2013: 82 Millionen Euro).

"Für das Selbstbewusstsein von uns jungen Finnen war der Softbank-Deal wichtiger als der Gewinn der Eishockey-Weltmeisterschaft", sagt Miki Kuusi. Er hat gerade seinen Master of Finance an der Aalto-Universität gemacht und leitet von einem verwinkelten Büro im Zentrum von Helsinki aus das Team von Slush, der größten Gründermesse Nordeuropas.

Slush ist wie ein Thermometer der Szene, das jedes Jahr einen neuen Hitzerekord vermeldet: 2014 reisten über 14.000 Besucher nach Helsinki - unter ihnen Chinas Vize-Premier Wang Yang, der zusammen mit Finnlands Ministerpräsident Alexander Stubb die Innovationskraft der lokalen Szene lobte. Erst wenige Wochen zuvor hatte Baidu, das chinesische Google Börsen-Chart zeigen, zehn Millionen US-Dollar in das finnische Startup Indoor Atlas investiert, dessen Software die Position eines Nutzers innerhalb von Gebäuden bestimmbar macht.

Brutkasten für die Branche

Vollgepackte Tische, Poster, Nerds auf Socken, die in Kapuzenpullis vor Laptops kauern - in Kuusis Büros sieht es aus wie im Versammlungssaal einer linken Hochschulgruppe. Und es stimmt ja auch: Ohne seine Alma Mater, die Aalto-Universität, wäre Finnlands digitaler Aufstieg kaum möglich gewesen.

Aalto war ein Experiment, das wie ein Brutkasten für die Branche wirkte. 2007 beschloss die Regierung, die Hochschulen für Wirtschaft, Design und Technik in Helsinki und Espoo zu vereinen. "Wir waren das Heilige Land der Ingenieure, haben uns aber zu wenig um Marketing und Design gekümmert", sagt Jan Vapaavuori, Finnlands Wirtschaftsminister.

Abgesehen von einigen Nokia-Handys lösten finnische Produkte bei Konsumenten kaum Emotionen aus, Technikliebe vernebelte oft die Sicht auf das Wesentliche - eine Parallele zu Deutschland, das in der schillernden Digitalwirtschaft abgesehen von Zalando nur Champions in drögen Sparten wie Zahlungsverkehr (Wirecard) oder Prozesssteuerung (SAP Börsen-Chart zeigen) vorweisen kann.

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