Mittwoch, 24. April 2019

Finanzinvestoren im Kaufrausch Der heiße Tanz der deutschen Firmenjäger

Finanzinvestoren im Kaufrausch: Das sind die wichtigsten Deutschen im Milliardengeschäft
Imago (3); DPA

4. Teil: Alle wollten Ottobock

Ende 2016 entschied sich der Unternehmer Hans Georg Näder (56), bei seiner Medizintechnikfirma Ottobock (1,1 Milliarden Euro Umsatz) einen Finanzpartner in den Eignerkreis zu holen. Näder machte von Anfang an klar: Er würde nur 20 Prozent der Anteile abgeben. Der privat ausgabefreudige Unternehmer wollte das Geld, aber weiter das Sagen haben.

Noch vor wenigen Jahren wäre eine derartige Konstruktion für kaum ein Private-Equity-Haus einen Gedanken wert gewesen. Sie kassieren von ihren Geldgebern üppige Gebühren für ihre angeblichen oder tatsächlichen Zauberkräfte als Manager und Strategen. Da sollte man auch mitentscheiden können.

Trotzdem standen für die Ottobock-Beteiligung so gut wie alle Branchengrößen Schlange, von BC über Carlyle bis hin zu KKR. Das Rennen machte schließlich die schwedische EQT. Der Deal bewertete Ottobock mit dem 15-fachen Ebitda; Deutschland-Chef Marcus Brennecke (56) überwies 420 Millionen Euro an Näder und ließ sich mit einem Aufsichtsratssitz abspeisen.

Offiziell einigte man sich auf gemeinsame Pläne: Zukäufe und mittelfristig einen Börsengang. Mal abwarten.

Näder wäre nicht der erste Unternehmer, der seinem Private-Equity-Investor das Leben schwer macht. Beim Kamerahersteller Leica, an dem Blackstone mit 45 Prozent beteiligt ist, läuft das seit sechs Jahren so. Der erste Verkaufsversuch vor einem Jahr scheiterte, seit Spätsommer wagt Blackstone mit einem von Morgan Stanley gesteuerten Prozess einen neuen Anlauf.

Das Interesse hält sich in Grenzen, obwohl die Kultmarke attraktiv ist. Der eigenwillige Salzburger Unternehmer Andreas Kaufmann, der Leica vor dem Untergang rettete und nach wie vor 55 Prozent hält, neige nicht dazu, sich mit potenziellen neuen Mitgesellschaftern abzustimmen, klagen Private-Equity-Manager.

Am Ende wird sich vermutlich doch ein Investor finden, allein getrieben vom Anlagedruck. "Private-Equity-Häuser gehen mit den einstigen Grundfesten der Branche mittlerweile ziemlich flexibel um", sagt Goldman-Sachs-Banker Tobias Köster.

Immer höhere Kaufpreise, immer kühnere Deals. Dass eine Korrektur komme, sei klar, sagt Permira-Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser. "Die Frage ist nur, wann und wie." Mittelfristig scheinen sinkende Renditen unvermeidlich. Schon heute kalkulieren viele die Deals mit einer Zielrendite unter dem langjährigen Standard von 20 Prozent. Man müsse sich mit den Zukäufen "auch in der nächsten Rezession wohlfühlen", so Carlyles Europa-Statthalter Gregor Böhm.

Klingt alles sehr vernünftig. Bis zur nächsten Unternehmensversteigerung, wenn die Bieter wieder alle Vorsicht fahren lassen.

© manager magazin 12/2017
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