Mittwoch, 24. April 2019

Finanzinvestoren im Kaufrausch Der heiße Tanz der deutschen Firmenjäger

Finanzinvestoren im Kaufrausch: Das sind die wichtigsten Deutschen im Milliardengeschäft
Imago (3); DPA

3. Teil: Wundersame Geldvermehrung

Immerhin sind die Portfoliounternehmen in bester Verfassung. "So gut, wie es bei unseren 200 Engagements in Europa läuft, habe ich das in meiner gesamten Laufbahn nicht gesehen", schwärmt KKR-Europa-Chef Johannes Huth (57).

Das hat allerdings weniger mit den herausragenden Leistungen der Finanzinvestoren zu tun, sondern schlicht mit der guten Konjunktur. Die Private-Equity-Strategen und ihre Anleger profitieren wie das Gros der Firmen im Dax, im Euro Stoxx oder Dow Jones von steigenden Gewinnen und dauerniedrigen Zinsen.

Wenn der Superboom ein Ende findet, ist es mit der wundersamen Geldvermehrung schnell vorbei. Am Beispiel Douglas lässt sich schön zeigen, wie die zustande kam. 2013 nahm Advent den Handelskonzern für 1,6 Milliarden Euro von der Börse und zahlte eine Prämie von 40 Prozent auf den Aktienkurs. Binnen drei Jahren wurden alle fünf Töch-ter weiterverkauft, von der Parfümeriekette Douglas über Christ (Schmuck) bis hin zu Thalia (Bücher). Das brachte 3,3 Milliarden Euro. Jährliche Rendite für Advents Geldgeber: 45 Prozent.

Den größten Brocken, Douglas, übernahm 2015 für 2,8 Milliarden Euro Wettbewerber CVC. Er wird die Parfümerien wohl nächstes Jahr zurück an die Börse bringen. Eine hohe zweistellige Rendite ist auch CVCs Investoren sicher.

In den vergangenen Jahren lief es im Private-Equity-Geschäft wie an der Börse: Wer nicht zuschlug, hat Geld liegen lassen. Und kauft nun bisweilen hektisch nach.

Das führt zu geradezu absurden Situationen, wie bei CeramTec: Vor vier Jahren verlor BC Partners den Deal mit einem Gebot von 1,45 Milliarden Euro an den Rivalen Cinven, der zahlte 40 Millionen Euro mehr. Um den wachstumsstarken Marktführer für keramische Hüftprothesen und Industriekeramik diesmal zu kriegen, legte Zuschke über eine Milliarde Euro drauf. Sein Preis entsprach fast dem 13-fachen Ebitda (Gewinne vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen), 2013 fand er das 12-Fache noch zu hoch.

Bisweilen, so scheint es, lassen die Private-Equity-Manager alle Vorsicht fahren, bei Stada etwa. Der hessische Generikahersteller, lange von CEO Hartmut Retzlaff in Sonnenkönigmanier gemanagt, galt viele Jahre als Wunschobjekt der Buy-out-Szene. Wäre bloß Retzlaff nicht gewesen und das komplizierte deutsche Recht, das Komplettübernahmen börsennotierter Firmen schwer macht!

Kaum war der CEO weg, legte die Branche ihre rechtlichen Bedenken konzertiert zu den Akten. Das "Public to Private" eines börsennotierten deutschen Konzerns, der zu 100 Prozent in Streubesitz ist, hatte sich bis dato niemand getraut. Bei Douglas hatte sich Advent vorab bei den Großaktionären über 60 Prozent der Anteile gesichert, beim Marktforscher GfK machte KKR mit dem Eignerverein gemeinsame Sache.

Einzelaktien einzutreiben, um dann auf der Hauptversammlung mit 75 Prozent Mehrheit einen Beherrschungsvertrag abschließen zu können, galt als viel zu riskant. Ein solcher Kontrakt ist aber Voraussetzung, um Kredite von den Banken zu bekommen.

Bain und Cinven stehen vor genau diesem Problem. Trotz des gebotenen Fabelpreises wurden nur 64 Prozent der Aktien eingereicht. Angeführt vom US-Hedgefonds Elliott spekulieren Anleger darauf, dass die beiden Käufer für die verbleibenden 36 Prozent mehr als 80 Euro gesetzliche Abfindung bieten müssen. Fest steht: Stada wird für Bain und Cinven viel teurer als angenommen.

Der Einzige, der als Gewinner aus der Chose rauskommt, ist wieder mal Elliott-Chef Paul Singer (73). Der Fall Stada mache es künftig schwerer, Übernahmen von Börsenfirmen durch die Gremien bei den Private-Equity-Häusern zu bekommen, prognostiziert Lazard-Banker Fritz.

Aber wohin sonst mit dem ganzen Geld? Hinter den Kulissen werden längst weitere Übernahmekandidaten eruiert. Sei es die Metro, wo knapp die Hälfte der Papiere im Besitz der Familien Haniel, Beisheim und Schmidt-Ruthenbeck sind, die sich bei einem guten Preis womöglich überzeugen lassen. Sei es Hugo Boss, dessen Aktienkurs fast ein Drittel unter den Höchstkursen notiert, zu denen Permira 2015 ausgestiegen ist.

Bekommen die Finanzinvestoren ein Unternehmen nicht ganz, begnügen sie sich in ihrer Anlagenot inzwischen häufig sogar mit einer Minderheit.

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