Dienstag, 25. Juni 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

Der Junior folgt dem Senior nach, so war es früher. Aber immer mehr Sprösslinge verweigern den Übervätern inzwischen die Gefolgschaft. Gut so.

Hamburg - Der Vater: ein Riese. Schon mit 28 zog Michael Otto, heute 72, in den Vorstand des gleichnamigen Versandhändlers ein und managte das Erbe seines Vaters Werner bis zur Jahrtausendwende auf einen Umsatz von fast 24 Milliarden Euro empor. Otto schluckte andere Versender sowie Ketten für Sportbekleidung, Mode, Wäsche und Wohnaccessoires. Und sogar den Logistikkonzern Hermes. So machte er seine Sippe zur achtreichsten im Land, Vermögen: fast zehn Milliarden Euro.

Der Sohn: wirkt wie ein Scheinriese. Als die Branche Ende 2014 rätselte, wann Benjamin Otto (40) denn endlich die Nachfolge des Vaters antritt, entstand ein Foto: Es zeigt Otto junior und Tarek Müller (26) als Co-Chefs der Otto-Konzerntochter Collins. Vorn sitzt, breitbeinig, breit grinsend, Nobody Müller. Hinten kauert, ein scheues Lächeln ins Gesicht gezwungen: Milliardenerbe Otto.

Kürzlich tat Benjamin Otto kund, er werde den roten Teppich, diese Einbahnstraße, die ihn in den Vorstand der Otto Group führen sollte, nicht beschreiten. Er wolle lieber eine "aktive Rolle als gestaltender Gesellschafter" übernehmen.

Weichei? Wegducker? Versager? Eher Trendsetter. Benjamin Otto hat sich souverän jener Genfalle entzogen, in die er hineingeboren schien: irgendwann als Chef seinem Übervater nachzufolgen.

Das Prinzip biologischer Machtübertragung hat ausgedient

Geboren, um zu scheitern - nie war es schwerer, Sohn eines erfolgreichen Wirtschaftsbosses zu sein. Die Anforderungen der Märkte sind in den vergangenen Jahren extrem gestiegen, selbst die Väter werden damit nicht immer fertig. Der Sohn vom Chef zu sein reicht weniger denn je. Man muss auch was draufhaben, und zwar mehr denn je.

Dass große Männer nicht immer große Söhne haben oder Söhne großer Männer nicht immer auch selbst Große sein wollen, ward früher gern mal ignoriert, nicht selten mit katastrophalen Folgen für Familie und Vermögen. Aber inzwischen hat das aristokratische Prinzip biologischer Machtübertragung weitgehend ausgedient. Die Überväter haben dazugelernt, auf der Nachfolge aus dem eigenen Genpool wird nicht mehr bedingungslos beharrt.

Zugleich schwimmen sich die Söhne mit großen Nachnamen frei, auch wenn sie, natürlich, immer Nachkommen bleiben. Für die Töchter der Überväter ist ohnehin alles viel einfacher, aber dazu später.

Die Männeremanzipation, die die Deutschland GmbH & Co. KG erfasst hat, fällt den Betroffenen nicht immer leicht. Aber es ist gut so. Für die Jungs und für das Land.

© manager magazin 7/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung