Montag, 15. Juli 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

9. Teil: Letzte Hoffnung: Die Töchter

Und so sind es die Töchter, die vielerorts zur letzten Hoffnung der alten Dynasten werden. Die Mädchen haben es einfacher: Unter Männern dominiert oft die Neandertaler-Logik, dass es immer nur einen Clanchef geben kann. DasVater-Sohn-Verhältnis schlägt schnell in Konkurrenz und Kränkung, Neid und Hass um. Deshalb scheitern auch so viele Co-Management-Experimente zwischen Vätern und Söhnen.

Töchter können sich diesem Kampf der Leithammel entziehen. Sie geben dem Vater oft das Gefühl, nach wie vor die Nummer eins zu sein, und machen es ihm auch leichter, einzusehen, dass dem nicht mehr so ist.

Wie der Vater, so die Tocher

Heimkehr Frauen sollten sich besser um Heim und Herd kümmern, befand Reinhold Würth (8o), der König (fast) aller Schrauben, einst. Kein Wunder, dass seine jüngste Tochter Bettina Würth (53) noch vor ihrem 18. Geburtstag erst mal vor dem Übervater aus Künzelsau floh und in Münchens alternativer Szene untertauchte. Doch sie kehrte in Vaters Firma zurück und machte so viel richtig, dass der Alte sie 2005 fragte, ob sie ihm an der Spitze des Beirats nachfolgen wolle. Welch eine Lernkurve! Sie sagte übrigens Ja, und zwar nicht nur, weil sie eine große Leidenschaft mit ihrem Vater teilt: die für die Kunst.

Wie der Vater, so die Tocher

Umkehr Die Tochter eine Doktorin der Philologie, der Sohn ein Ingenieur: Nichts sprach dafür, dass Berthold Leibinger (84), Patron des schwäbischen Maschinenbauers Trumpf, mit dem Vater-Sohn-Prinzip brechen würde. Aber in Ditzingen denken sie so scharf wie ihre Laser schneiden, und seit 2005 führt Nicola Leibinger-Kammüller (55) die Geschäfte, und das ganz hervorragend.

Wie der Vater, so die Tocher

Kehrseite Als Bierbrauer war Albert Cramer lange so erfolgreich, dass er sein Warsteiner gar nicht mehr verkaufen musste, er teilte es einfach zu. Niemand setzte in Deutschland mehr Pils ab als die Sippe aus dem Sauerland. Als Catharina Cramer (37) Seite an Seite mit ihrem Vater die Geschäfte führte, fiel ihr die Emanzipation schwer, zu sehr klebte der Alte an alten Rezepten. 2012 führte er sie noch zum Traualtar, ein halbes Jahr später starb er. Nun versucht seine Tochter, die angezählte Marke mithilfe eines erfahrenen Managers zu retten.

So haben Unternehmerinnen wie Bettina Würth (53) vom gleichnamigen Schraubenimperium oder Nicola Leibinger-Kammüller (55) vom Maschinenbauer Trumpf die Topjobs von ihren legendären Vätern übernommen, ohne dass es zu vernehmbaren Psychodramen gekommen wäre.

Wo sich die Söhne mühsam zu emanzipieren beginnen, haben die Töchter das gar nicht erst nötig.

Michael Otto reagierte auf den Verzicht seines Sohnes auf den ersten Platz in der Firma übrigens mit Größe. Er hat seinen Mehrheitsanteil am Handelskonzern in eine Stiftung eingebracht. Damit ist für alle zukünftigen Ottos seines Familienstranges die Abhängigkeit vom Genpool durchbrochen.

Angenehmer Nebeneffekt: Dem Übervater bleibt als Vorsitzendem des Stiftungsrates der Topjob im Clan erst mal erhalten.

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