Freitag, 19. Juli 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

8. Teil: Auch Murdoch und Mittal setzen auf Familien-Dynastien

Inspiriert haben mag die unverdrossenen Familienväter, dass andere Unternehmergiganten dem dynastischen Prinzip offenbar erfolgreich frönen. James Murdoch (42), jüngster Sohn von Rupert (84), besetzt Schlüsseljobs im Medienreich des Vaters.

Aditya Mittal, Spross des indischen Stahlmagnaten Lakshmi (65), dient dem größten Stahlkonzern der Welt als Finanzvorstand - im zarten Alter von 39 Jahren. Und der Franzose Jean-Claude Decaux (77), Gründer des größten Außenwerbekonzerns der Welt, lässt sein Lebenswerk von den drei Söhnen Jean-François (56), Jean-Charles (45) und Jean-Sébastien (38) gemeinsam managen.

Erfolg oder Scheitern - für die Nachfolgersöhne hängt die Antwort auf diese Frage entscheidend davon ab, ob der Alte sich irgendwann raushält. Und der Sohn in die Aufgabe hineinwachsen durfte.

Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, warum spätestens die dritte Generation so oft unternehmerisch scheitert - getreu dem Kalenderspruch "Der Vater erstellt's, der Sohn erhält's, beim Enkel zerfällt's" -, hat Sabine Rau Unternehmen analysiert, die zu den langlebigsten überhaupt zählen: deutsche Weingüter. Manche haben den Vater-Sohn-Übergang bereits bei zehn oder mehr Generationen geschafft.

Das Erfolgsrezept: "unternehmerisches Vermächtnis", sagt Rau knapp. Und das bestehe nicht aus materiellem Vermögen, sondern aus immateriellen Werten wie einer gemeinsamen Geschichte, Legenden über Kreativität und Durchhaltevermögen der Ahnen. Identifizieren sich die Sprösslinge mit dem Werk des Vaters, etwa weil sie schon als Steppkes ihren Roller über den Betriebshof lenkten, ist die Chance viel höher, dass sie ihren Vätern irgendwann folgen möchten. Das jedoch wird immer schwieriger.

Längere Aufenthalte in edlen Internaten, unter Wohlvermögenden der letzte Schrei zur Stählung des Nachwuchses für den globalen Wettbewerb, entfernen eher vom heimischen Hof, als dass sie Nähe herstellen. Und da die "Generation E" (E für Erben) zumeist vermögend aufwächst, empfindet sie deutlich weniger Ansporn als noch die Väter, sich die Work-Life-Balance durch 80- bis 100-Stunden-Wochen zerschießen zu lassen.

© manager magazin 7/2015
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