Mittwoch, 20. November 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

7. Teil: Fielmann, Sixt und Roßmann setzen auf den eigenen Nachwuchs

Brillenkönig Fielmann eröffnete in seinem Optikerleben erst einen Laden und dann noch knapp 700 hinterher. Er hat seine Schleif-und-Guck-AG - Marktwert 5,2 Milliarden Euro - an die Börse gebracht, aber 72 Prozent der Aktien für die Familie behalten. Vater wurde Über-Mann Fielmann erst spät im Leben, weshalb Sohn Marc (25), ein ebenso begeisterter Hobbyfotograf wie sein Vater, noch ein wenig zu jung ist für den Topjob als Fielmann 2.0.

Nichtsdestotrotz lässt der Senior keinen Zweifel daran, dass ihm der Junior, der auf einer Ochsentour bereits in Dutzenden Filialen gejobbt hat, nachfolgen soll und wird. In zwei bis drei Jahren soll der Filius übernehmen. Der hätte zwar gern noch etwas mehr Zeit, aber kürzlich beschied ihn der Vater: "Man kann sich nicht nur nach dem eigenen Wunsch richten." Basta.

Sixt gibt gern die Happy Family

Autovermieter Sixt hat immerhin die Auswahl zwischen zwei Söhnen, Konstantin (32) und Alexander (35). Und gibt gern die Happy Family: So posiert man zusammen auf dem Grünen Hügel zu Bayreuth. Im Smoking unterstreicht man den Dynastieanspruch besonders elegant. Fliegt dann im Privatjet zurück nach München, wo am Landeplatz schon die Porsche-Flotte steht. "So ist der Papa" - die Söhne haben Spaß am Sixt-Sein. Nächster Anlass ist die Hochzeit von Alexander, auf die schon ganz Schickimicki-München hinfiebert.

Im Februar hat Sixt beide Söhne in den Vorstand gehievt. Aus gegebenem Anlass gaben beide Hoffnungsträger Staatstragendes über "schlagkräftigen Vertrieb" und einen "integrierten Mobilitätsdienstleister" zu Protokoll. Bis zum (eventuellen) Stabwechsel haben sie reichlich Zeit zu üben: Erich Sixt ließ seinen eigenen Vertrag als Erster ohne Gleiche bis 2020 verlängern.

Roßmann lobt den "harten Knochen"

Auch Drogist Roßmann hat die Wahl zwischen zwei Söhnen, je einen von seinen beiden Ehefrauen, und unlängst Raoul (29) den Vorzug vor Daniel (38) gegeben. Damit auch niemand zweifele, aus welchem Holz der Spross geschnitzt ist, gab ihm Roßmann rhetorisch den Ritterschlag: Raoul sei "wie ich ein harter Knochen" und "viel intelligenter" als er selbst.

Ob das genügt, um aus sieben Milliarden Euro Umsatz acht, neun, zehn Milliarden zu machen und endlich auch online zu punkten, bleibt abzuwarten. "Wir streiten uns auch, und dann geht es richtig zur Sache", säuselte der Senior unlängst im "Handelsblatt". "Aber es steht nie zur Debatte, dass wir uns gern haben." Wie schön. Als sicher darf gelten, dass Vater Dirk alles andere als amtsmüde ist: Er sei ja "noch mittendrin". Ende offen.

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