Sonntag, 22. September 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

6. Teil: Maximilian Thyssen: "Ich wollte mein eigenes Leben leben"

Maximilian Thyssen (36) sagt, er wäre schon froh, wenn er nur ein Zehntel dessen zustande brächte, was einst seinem Ururgroßvater Joseph und -onkel August gelang. Dem Nachfahren der Stahldynastie ist seine Herkunft Bürde und Motivation zugleich: Der Name weckt Vertrauen, verlangt aber auch nach größeren Taten.

Thyssen wollte schon als Teenager Unternehmer werden. Nur eben nicht wie sein Vater im Immobilienbusiness, seine "Passion" war das Netz. 1997 gründete er mit Freunden eine Art Onlineflohmarkt, er war damals erst 19 Jahre alt.

Nach dem Tod des Vaters langweilte sich Thyssen dann eine Weile im Familienunternehmen. "Das brachte gutes Geld", sagt er, "aber ich wollte mein eigenes Leben leben." Er verkaufte seine Anteile, um das Geld in Start-ups zu investieren.

Zunächst hatte er ein kleines Büro in Schwabing und kannte ein paar Leute, nun führt er für das Family Office MSR einen Venturefonds. Eines seiner ersten Investments war Mr. Spex, ein Onlineshop für Brillen, an dem sich im Januar auch Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen beteiligte.

Sich freischwimmen, weg vom Vater, sein eigenes Ding machen - für Unternehmersöhne ist das schwieriger als für Managersöhne, erst recht, wenn der Familienname auch der Firmenname ist. Dass der Sohn ersetzt wird von einem Müller-Meier-Schmidt-Manager, ist für manchen alten Herrn noch immer undenkbar.

Drei Großunternehmer, alle Legenden ihres Fachs, aber der üblichen Verrentungsgrenze entwachsen, trotzen derzeit dem Trend und installieren ihr Fleisch und Blut als Nachfolger in spe: Günther Fielmann (75), Erich Sixt (70) und Dirk Roßmann (68). Den Groß-Vätern scheint bewusst zu sein, wie heikel ihre dynastische Mission ist: Alle drei lehnten Gesprächsanfragen von manager magazin ab.

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