Dienstag, 23. Juli 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

5. Teil: Absprung per Startup - Exit aus Vaters Fahrrinne

Christoph Cordes (35) und Marc Appelhoff (36) merkten spätestens als Berater bei der Boston Consulting Group (BCG), dass sie anders als ihre Väter waren. Eckhard Cordes machte einst bei Daimler Börsen-Chart zeigen Karriere und führte später die Metro; Klaus Appelhoff kämpfte sich bei Karstadt vom Azubi zum Vertriebsvorstand hoch.

Bei ihren Söhnen sah es lange so aus, als zöge es sie ebenfalls in die Führerstände der alten Deutschland AG: Beide studierten an der Privatuni WHU in Vallendar, eine der bekanntesten Managerschmieden der Republik. Christoph und Marc wurden beste Freunde, gleich im ersten Semester, zunächst ohne von der Prominenz der Väter zu wissen. Über die flüsterten sie lieber. Schon als Kind in Sindelfingen bat Christoph seinen Vater, ihn einen Block vor der Schule aus der S-Klasse zu lassen, noch heute wird selbst seine Frau auf den Familiennamen angesprochen.

Die Familienfirma brachte gutes Geld, aber ich wollte mein eigenes Leben leben."
Maximilian Thyssen
Die gemeinsame Zeit bei BCG führte die beiden endgültig in die Zirkel, die sie schon vom Küchentisch kannten: Siemens, Daimler, Telekom - mehr Corporate geht in Germany nicht. Eine Karriere wie bei Malen-nach-Zahlen. Christoph ging sogar noch ein Jahr für Adidas nach Hongkong.

Doch in den Söhnen gärte es längst. Am Telefon spielten sie Geschäftsideen durch wie Häftlinge Fluchtpläne. Die Welt der Konzerne, die das Leben ihrer Väter noch mit Sinn auflud, ödete sie zusehends an.

Zermürbende Meetings, Intrigen, und dann brauchten die mühsam erkämpften Kompromisse mitunter Jahre bis zur Umsetzung. "Politik und Trägheit in einem Konzern können frustrierend sein. Für mich war das einer der Gründe, mich selbstständig zu machen", sagt Cordes. "Wir wollten endlich etwas Eigenes machen", sagt Appelhoff.

Absprung per Startup

Der Absprung folgte 2009 in Berlin mit ihrem Start-up Fashion for Home, in das zunächst auch Rocket Internet investierte. Die Kunden können dort individualisierte Möbel bestellen. Weniger Ikea-Einheitsbrei, aber fast genauso günstig. Der Umsatz liegt mittlerweile im zweistelligen Millionenbereich.

Die Väter warnten damals ("Wollt ihr eure tollen Karrieren wirklich aufgeben?"), waren aber auch stolz. Zumal die Kritik der Söhne ihnen nicht ganz fremd war: Klaus Appelhoff hatte den Karstadt-Vorstand auch deshalb verlassen, weil er an seiner Machtlosigkeit im Apparat verzweifelt war. Das habe ihn nach 30 Jahren im Konzern sehr belastet, erinnert sich sein Sohn.

Ob Miele-Spross Christian, den es von Rocket Internet zum Hamburger Start-up Kreditech zog, oder Hans-Peter-Keitel-Sohn Sebastian, der gerade in Berlin seine erste Gründung vorbereitet - die junge Szene bot schon so einigen Söhnen einen gesichtswahrenden Exit aus Vaters Fahrrinne. Hier können sie sich selbst verwirklichen und dank des Booms gar davon träumen, an ihren Vorfahren vorbeizuziehen.

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