Samstag, 21. September 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

4. Teil: Georg Schaeffler: Von Texas zurück nach Herzogenaurach

Christopher von Oppenheim fehlten Kraft und Mut, um sich dem Sog der Gene zu entziehen. Das hatte auch Georg Schaeffler (50) einst versucht, Erbe des fränkischen Wälzlagerimperiums. Bis nach Texas floh er vor seinen dominanten Eltern. Nach dem Tod des Vaters gab er doch nach und kehrte zurück nach Herzogenaurach. Mit seinen 80 Prozent am Doppelkonzern Schaeffler-Continental gehört er nun zu den sechs reichsten Deutschen - aber auch zu den glücklichsten? Die neuen Söhne sind selbstbewusster - und oft auch klüger.

Ein wichtiger Grund für den Selbstverzicht, in Vaters übergroßen Mantel zu schlüpfen, ist die Erkenntnis, dass sie es viel schwerer als ihre Väter hätten, geschäftlich zu reüssieren. Die Alten managten ihre Betriebs- und Privatvermögen oft in ungetrübten Wachstumszeiten und bei überschaubarer Konkurrenz empor - weshalb sie dann oft nicht verstehen mögen, warum die Söhne, kaum im Amt, ihre Rezepte infrage stellen müssen.

Doch den Nachfahren bleibt oft nichts anderes übrig. Beispiel Industrie 4.0: "Das bedeutet für viele Unternehmen eine extreme Herausforderung", sagt Roland-Berger-Partner Thomas Rinn, der viele Familienclans beim Generationswechsel begleitet hat. Vielfach müsse alles auf einmal in Zweifel gezogen werden, Produkt und Prozesse, Fertigung und Vertrieb: "Damit sind auch die Überväter oft überfordert." Den Handel setzt die Digitalisierung schon länger unter Stress, und selbst Riesen können straucheln.

Auch Überväter können straucheln

Die Otto Group etwa ist seit dem Zenit vor 15 Jahren empfindlich geschrumpft, der Umsatz, den 54.000 Angestellte zusammentragen, hat sich halbiert. Tochterfirmen schreiben rote Zahlen, der Konzernverlust summiert sich auf 196 Millionen Euro. Der Druck von Giganten wie Amazon wird immer größer. Beim firmeneigenen Start-up Collins dürfte Benjamin Otto erfahren haben, wie mühsam es selbst mit einem Konzern im Rücken ist, im Onlinehandel eine neue Plattform zu etablieren.

Seit er 14 war, wusste er, dass er eines Tages die Dynastiefrage beantworten muss. "Der Druck, der auf mir gelastet hat, war schon sehr groß", gab er jüngst in einem Interview zu. Aber er hat sich für das entschieden, was er für sich selbst und das Unternehmen für das Beste hält: "Für die operative Arbeit gibt es sicherlich Menschen, die das besser können als ich." Für die Männerwirtschaft gilt: "Die natürliche Ordnung ändert sich", sagt Sabine Rau, Professorin für Entrepreneurship am King's College in London und selbst Unternehmertochter.

"Die Abfolge vom Vater auf den Sohn, die früher nicht diskutiert wurde, wird zunehmend infrage gestellt - von den Söhnen ebenso wie den Vätern." Wie sinnvoll das Abnabeln vom Vater sein kann, lässt sich auch bei einer Spezies betrachten, die oft noch bekanntere Namen trägt als die Erben von Familienunternehmern: die Söhne von Topmanagern und großen Industriellenclans.

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