Dienstag, 12. November 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

3. Teil: Lagardère, Kamprad, Agnelli: Große Dramen jenseits der Grenzen

Jenseits deutscher Grenzen sind die Vater-Sohn-Dramen manchmal noch schillernder. Arnaud Lagardère (54), Erbe des gleichnamigen französischen Rüstungs- und Medienkonzerns, machte seine Abstammung noch nach dem Tod seines großen Vaters Jean-Luc lächerlich, als er sich turtelnd mit seiner Modelfreundin (die ihn um zwei Köpfe überragt) inszenierte.

Peter (51), Jonas (49) und Mathias Kamprad (46), Söhne von Ikea-Gründer Ingvar (89), mussten sich von ihrem Erzeuger einst vorhalten lassen, sie seien ungeeignet, ihm nachzufolgen. Erst im hohen Alter wurde der alte Herr etwas nachgiebiger.

Und es geht noch tragischer: Hans Kristian Rausing (52), Milliardenerbe jener schwedischen Familie, die den Verpackungskonzern Tetra-Pak schuf, versank in seiner Cracksucht und verheimlichte zwei Monate lang vor dem Hauspersonal den Drogentod seiner Frau, die im Schlafzimmer lag. Aus Angst vor dem Vater.

Und Edoardo, einziger Sohn von Fiat-Eigner und Unternehmerikone Giovanni Agnelli, stürzte sich im Jahr 2000 von einer Brücke.

Fast bang mag man da fragen, wie es künftig den Söhnen von Silicon-Valley-Ikonen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Apple-Legende Steve Jobs oder der Google-Erfinder Sergey Brin und Larry Page ergehen wird. Mehr als IT-Tycoon geht ja eigentlich nicht, nicht mal im Valley.

Oppenheim-Prozess wirft ein Schlaglicht auf die Dynastie

Hierzulande war die Tragödie, die stures dynastisches Denken provozieren kann, zuletzt im Strafprozess gegen die Ex-Chefs von Sal. Oppenheim en détail zu studieren.

Landgericht Köln, Saal 210, Januar 2015: Christopher von Oppenheim (49) setzt zu seiner Lebensbeichte an. Er, einziger Sohn von Alfred, sitzt auf der Anklagebank, ein kleiner, verletzlich wirkender Mann, eine Haftstrafe vor Augen. Er versucht, seiner Richterin sein höllisches Leben als Sohn aus großem Hause zu erklären. Auf seiner Konfirmationsfeier im Jahr 1978 habe ihm Großvater Friedrich Carl sein ganzes Leben vorgezeichnet, als er vor den versammelten Gästen in der Familienvilla äußerte, als Sohn und Namensträger möge der Enkel die Familientradition fortsetzen.

Von da an gab es kein Zurück mehr: Bis zum Jahr 2039, dem 250. Geburtstag der Privatbank Sal. Oppenheim, wollte Christopher das feine Geldhaus mit führen, so nahm er sich gehorsamst vor. Dabei entsprachen seine Neigungen nicht dem trockenen Metier der Bankiers.

Inzwischen ist Sal. Oppenheim, sein Erbe, verloren. Und Christopher wurde kürzlich vom Landgericht Köln wegen schwerer Untreue zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

© manager magazin 7/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung