Mittwoch, 20. November 2019

Otto, Sixt, Müller, Darboven Der Vater-Sohn-Komplex

Otto, Sixt, Darboven: Die Söhne der Über-Väter
DPA

2. Teil: Vater-Sohn-Dramen - eine beispiellose Vererbungswelle steht bevor

Die Vater-Sohn-Verbindung ist die wichtigste Beziehungskiste der deutschen Wirtschaft: Der Standort steht vor einer beispiellosen Vererbungswelle von Betriebskapital. Allein bis 2018 werden hierzulande 27000 Firmen pro Jahr an die nächste Generation übertragen, schätzt das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn.

Davon, dass die Richtigen, also die Willigen und Fähigen, den Großmachern nachfolgen, hängt der langfristige Wohlstand des Landes ab. Und der Sohn ist eben nicht mehr automatisch der Richtige.

Die Liste der Vater-Sohn-Duos, die die Platzhirschfrage "Du oder ich?" entzweit hat, ist so illuster wie tragisch: Steakhausketten- und Hoteleigner Eugen Block (74; "Grand Elysée", Hamburg) traut sich selbst mehr zu als seinem Erstgeborenen, den er einst sogar mit seinem eigenen Vornamen geadelt hatte. 2011 warf der Vater seinen Dirk Eugen (39) aus der Geschäftsführung. Gestritten hatte man zuvor um strategische Details wie das Design von Markisen. Es geht weiterhin hart, aber herzlich zur Sache bei den Blocks: Der Schwiegersohn verklagte den Senior sogar, weil dessen Hund den Enkelsohn gebissen haben soll.

Otto, Block, Müller, Fischer, Darboven: Macht wird gegeben und genommen

Auch Drogeriemilliardär Erwin Müller (82) war sein Sohn Reinhard (56) nicht gut genug, um sein Erbe anzutreten. 2006 setzte er ihn als Geschäftsführer ab. So lenkte der Senior in Ulm bis ins hohe Alter höchstselbst alles Wesentliche und Unwesentliche. Dem Sohn bleibt nur ein Sitz im Beirat - und der Geschäftsführerposten im familieneigenen Schießzentrum, gleich um die Ecke der Konzernzentrale.

Bei den Fischers im beschaulichen Waldachtal, die mit den Dübeln, übergab Vater Klaus 2011 mit 60 Jahren die Macht an seinen Sohn Jörg (39), um sie ihm nur 15 Monate später im Streit um Strategie und Personal wieder zu entreißen. Der Familienfrieden gilt als wiederhergestellt, seit Fischer seinen beiden Söhnen 40 Prozent am Unternehmen übertrug. Das Sagen hat aber nach wie vor nur einer: er selbst.

Kaffeekönig Albert "Atti" Darboven (79) empfand die brühfrischen Ideen seines Sohnes und Co-Chefs Arthur Ernesto (51) als Majestätsbeleidigung und beendete 2008 rüde die Kohabitation. Jetzt ist der Sohn als Kaffeehändler Lieferant des Vaters, wenn denn der Preis stimmt. Und der Alte sinnierte, er könne ja einen passenden Nachfolger adoptieren.

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