Mittwoch, 18. September 2019

Factor Investing - Absicherungs-Strategie im Abschwung Eine Medizin gegen den persönlichen Finanz-Crash

Factor Investing: Platz-Angst
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4. Teil: Reinhard Panse im Interview: "Kursziel nahe null"

HQ-Trust-Chefinvestor Reinhard Panse verrät, wie er das Vermögen der Quandt-Schwestern und anderer Familien absichert.

manager magazin: Herr Panse, wie schützen Sie Ihre Klientel vor dem nächsten Crash?

PANIK- EQUITY
Reinhard Panse mag illiquide Fonds

Reinhard Panse: Wir meiden überbewertete Bonds und andere Spekulationsblasen. Obwohl die Rallye in die Spätphase geht, ist noch nicht alles absurd teuer.

US-Aktien waren zuletzt vor großen Crashs so teuer wie heute.

Deshalb bringen US-Aktien in der kommenden Dekade aus unserer Sicht auch nur 3 Prozent Rendite pro Jahr, halb so viel wie im historischen Durchschnitt. Wir investieren lieber in Europa, dort sind Aktien noch moderat bewertet und liefern 6 bis 9 Prozent. Japanische Anteilsscheine sind sogar richtig günstig, zumal die Unternehmensgewinne dort erstmals seit Langem wieder steigen.

Mit japanischen Aktien wollen Sie sich gegen den nächsten Kursrutsch absichern? Gewagt!

Japanische Firmen horten hohe Cashbestände, für die Manager dort ist Sicherheit das Wichtigste. Wir investieren aber auch in Europa. Dort bevorzugen wir krisenresistente Geschäftsmodelle wie Nestlé oder Novartis. Viele Gesundheitskonzerne wachsen schneller als die Gesamtwirtschaft, wegen der alternden Bevölkerung, und liefern mehr als 2,5 Prozent Dividendenrendite.

Wenn's kracht, stürzen auch solche Titel ab.

Firmen mit stabilen Gewinnen werden sich aber wie schon nach 2008 auch schnell wieder erholen, deshalb darf man sie nicht aus Angst in einem Crash unter Wert veräußern. Wir haben einen großen Teil der Aktienquote durch Private-Equity-Fonds ersetzt. Die können sie in Panikzeiten praktisch nicht verkaufen, weil sie nicht liquide sind. Nach 2008 haben viele unserer Kunden dank dieser Fonds an der Erholung gut verdient.

Was gegen Private Equity spricht, sind die Mondpreise, die die schon wieder für Unternehmen bieten?

Wir meiden große Buy-out-Fonds, die tatsächlich oft mehr als das Zehnfache des Ebitda-Gewinns zahlen. Mit kleinen Fonds, die kleinere Firmen erwerben, lassen sich langfristig indes 4 Prozentpunkte mehr verdienen als mit Aktien.

Solche Fonds sind aber erst ab einer gewissen Anlagesumme zeichenbar.

Stimmt. Bei anderen Alternativen liegt die Einstiegshürde niedriger: Als Ersatz für Bonds und Cash investieren wir 10 bis 15 Prozent unseres Kundenvermögens in breit gestreute Hedgefondsportfolios, hier peilen wir 2 Prozent Rendite an, das Verlustrisiko ist entsprechend geringer.

Was können Anleger noch tun, um ihr Portfolio abzusichern?

5 Prozent des Kapitals in Gold investieren. Bei einer Krise wird der Preis sofort steigen. Denn Gold ist anders als die boomende Zahl von Kryptowährungen wie Bitcoin nicht vermehrbar und derzeit leicht unterbewertet. Zudem können ängstliche Anleger zurzeit einen Teil ihres Aktienportfolios mit Verkaufsoptionen ungewöhnlich günstig absichern.

Nicht mit Staatsbonds?

Nein, Bundesanleihen haben ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 200. Oft trifft ein Crash einen Markt, der vorher besonders stark gelaufen ist - und das sind alle Arten von Anleihen, auch Staatsbonds mit guter Bonität.

Und wo würden Sie short gehen?

Für Bitcoin dürfte das langfristige Kursziel nahe null liegen. Jeder kann eine neue Kryptowährung auflegen. Sobald es Short-Derivate dafür gibt, wären die einen Blick wert.

Wie gehen Sie mit dem Techliebling Tesla um?

Tesla ist sicher ein Short-Kandidat. Aber Vorsicht: Der Markt kann sehr lange unvernünftig bleiben.

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