Einstieg in Politik "Ich würde nicht Nein sagen": Ex-RTL-Chef Zeiler bewirbt sich als Kanzlerkandidat

Ex-RTL-Chef Gerhard Zeiler bringt sich als österreichischer Kanzler ins Spiel: "Sollte die SPÖ mich fragen, ob ich Verantwortung übernehmen würde, dann würde ich nicht Nein sagen"

Ex-RTL-Chef Gerhard Zeiler bringt sich als österreichischer Kanzler ins Spiel: "Sollte die SPÖ mich fragen, ob ich Verantwortung übernehmen würde, dann würde ich nicht Nein sagen"

Foto: Soeren Stache/ picture alliance / dpa

Treffsichere Ansagen gelangen Gerhard Zeiler schon als RTL-Chef reichlich. Nun bemüht er diese Gabe auch auf einem von ihm lange Jahre arg vernachlässigten Feld: der hohen Politik. In einem Interview hat sich der 59-jährige Medienmanager mit feinem Geschick zur spurlosen Intrige als möglicher Bundeskanzler von Österreich ins Gespräch gebracht. Der Wechsel von einem Fernseh-Topjob in die Politik wäre in der Alpenrepublik kein Einzelfall.

Die Liste von hochrangigen Medien-Jobs, die Gerhard Zeiler in seinem bisherigen Berufsleben innehatte, ist beeindruckend. Der gebürtige Wiener war Mitte der 1990er-Jahre Chef des öffentlich-rechtlichen österreichischen Rundfunks, wechselte 1998 als Geschäftsführer des TV-Senders RTL nach Köln, leitete von 2003 bis 2012 die gesamte RTL-Group als Bertelsmann-Vorstandsmitglied.

Seit zwei Jahren verdient er sein Geld als Präsident von Turner Broadcasting Systems, der Fernsehtochter des US-Medienriesen Time Warner - zu der unter anderem der Nachrichtensender CNN und der Spielfilm-Kanal TNT gehören. Eigentlich, so sollte man meinen, hat Zeiler damit beruflich eher wenig in seinem Heimatland zu tun. Doch den 59-jährigen Medienmanager zieht es offenbar zurück nach Wien, ins Zentrum der österreichischen Politik.


Alle wichtigen Wirtschaftsnews des Tages gratis auf Ihr Smartphone: Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Download hier: Apple  / Android . Viel Vergnügen bei der Lektüre!

In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Kurier" erklärte Zeiler nun durchaus wortreich, für das machtvollste politische Amt der Alpenrepublik bereit zu stehen: als Bundeskanzler. Auf die Frage, ob er sich einen Einstieg in die österreichische Politik vorstellen könnte, sagte Zeiler den folgenden, schönen Satz: "Und daher für den Fall, dass - was ich heute überhaupt nicht sehe - die Entscheidungsträger der SPÖ mich fragen sollten, ob ich Verantwortung übernehmen würde, dann wäre ich bereit, dann würde ich nicht Nein sagen. Aber das ist aus heutiger Sicht reine Spekulation, und das steht derzeit überhaupt nicht zur Diskussion."

Zeiler verdankt seinen ersten ORF-Job der Politik

So kann in Österreich eine indirekte Bewerbung für die hohe Politik klingen. Der Wechsel vom TV-Management in die Politik würde Zeiler wohl nicht allzu schwer fallen. Denn Politikerfahrung hat er bereits zu Anfang seiner Karriere gesammelt. Im zarten Alter von 24 Jahren war er bereits Pressesprecher des damaligen österreichischen Unterrichtsministers Fred Sinowatz. Als der SPÖ-Mann Sinowatz dann zum Bundeskanzler aufstieg, behielt Zeiler seine Presserolle und diente in derselben Funktion auch Franz Vranitzky, dem Nachfolger von Sinowatz als Bundeskanzler.

Mitte der 1980er-Jahre heuerte Zeiler beim ORF an - ein Wechsel, der auch dadurch erleichtert wurde, dass Zeiler Mitglied der österreichischen Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) ist und einige Fürsprecher in der Partei hatte. Seine guten Kontakte zu den österreichischen Sozialdemokraten pflegte er auch während seiner Zeit in Deutschland. Und dass er nun so publikumswirksam seinen Hut in den Ring wirft, hat seine Gründe. Denn der amtierende österreichische Bundeskanzler Werner Faymann ist angeschlagen. Zuletzt haben die Sozialdemokraten mehrere regionale Wahlen verloren.

Zeilers kaum verklausulierte Kandidatur ist für Faymann ein kräftiger Schuss vor den Bug. Denn die nächsten bundesweiten Wahlen stehen in Österreich erst 2018 auf dem Programm - eigentlich. Faymann regiert das Land in einer Großen Koalition mit der konservativen ÖVP, allerdings hatte er als Parteichef seine Landesfürsten zuletzt nicht gerade im Griff.

Beim Wechsel vom TV-Job in die Politik wäre Zeiler nicht der erste

Denn im südlichen Bundesland Burgenland regieren die Sozialdemokraten nun in einer Koalition mit der ausländerfeindlichen, rechtspopulistischen FPÖ. Die ehemalige Haider-Partei hatte in den vergangenen Jahren kräftig Zulauf, besonders in der Bundeshauptstadt Wien. Da stehen nun im Herbst Lokalwahlen an - und die Chancen stehen gut, dass die FPÖ die seit einem halben Jahrhundert regierenden Sozialdemokraten als Regierungspartei ablöst. Sollte dies passieren, dürfte Faymann seinen Kanzler-Job rasch verlieren und Zeiler könnte schneller die Sozialdemokraten anführen, als es heute aussieht.

Der Wechsel vom Rundfunk in die Politik ist bei Österreichs Sozialdemokraten durchaus beliebt. So zog es den Nachfolger Zeilers als ORF-Chef, Andreas Rudas, im Jahr 1997 zurück in die Politik als SPÖ-Bundesgeschäftsführer. Der ORF-Journalist und TV-Nachrichtensprecher Josef Broukal kandierte 2002 bei den bundesweiten Wahlen für die SPÖ und zog in den österreichischen Nationalrat ein.

Zeilers Politik-Ambitionen folgen also einer längeren SPÖ-Tradition. Ob er mit seiner indirekten Attacke auf den blassen Kanzler Faymann Erfolg hat, werden aber erst die nächsten Monate zeigen.


Alle wichtigen Wirtschaftsnews des Tages gratis auf Ihr Smartphone: Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Download hier: Apple / Android . Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Das könnte Sie auch interessieren:

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.