Donnerstag, 5. Dezember 2019

Veganismus Entdeckung der Besserverdiener

Vegane Ernährung: Das Milliardengeschäft mit dem Megatrend
kmu-fotografie.ch

3. Teil: Vegane Businessschuhe und tierfreies Sexspielzeug

Doch beim Essen ist längst nicht Schluss. Der Trend ist beinahe uferlos. Kein Monat, in dem nicht ein neues Buch rauskommt, "Vegan für Faule", "Peace Food", "La Veganista" oder "McVeg". Es gibt vegane Businessschuhe von Avesu und Luxusmode von Umasan. Das Berliner Label der Zwillingsschwestern Sandra und Anja Umann entwirft Avantgarde-Fashion aus Hanf, Sojaseide oder Eukalyptusfasern, schwarz, asymmetrisch. Anja Umann hat zwei Jahre für den Stardesigner Yohji Yamamoto in Paris und Tokio gearbeitet. Frauen können die Kleidung von Umasan tragen, Männer nur als existenzialistische Großstädter. Als CEO im Elfenlook zum Businesslunch? Schwierig.

Und weiter geht's: Vegane Kosmetik (i+m aus Berlin, Dr. Bronner's), vegane Autos (Tesla hat auch diesen Trend erspürt und bestückt seine E-Mobile auf Wunsch mit Kunstledersitzen), vegane Hotels (Daunenbetten sind so out), selbst Flussreisen und Sexspielzeug gibt es in veganer Ausführung, die Peitschen sind dann aus recycelten Fahrradschläuchen.

Vegan ist eine Haltung, und jeder soll es sehen. Das fängt beim Kochen an, es wird zelebriert, natürlich braucht man dafür die richtige Küche. 2015 wurde auf der Kölner Möbelmesse "Vooking" vorgestellt, eine Edelküche für Best Ager mit Kaufkraft: 70.000 Euro soll der Prototyp mit Getreidemühle, Mörser, Kühlschrank samt vier Klimabereichen kosten.

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Jenseits des Showeffekts hat sie auch einen praktischen Sinn, denn Veganer und Vegetarier kochen anders, müssen mehr Lebensmittel waschen und zerkleinern, ziehen selbst Weizengras. Entworfen haben die Küche drei Designer, ein Koch und ein Tischler. Lieferzeit: sechs bis zwölf Monate. Wer nicht warten will, geht zu Bulthaup. Die b2 kommt der Vooking schon recht nahe.

Das Equipment ist dann Männersache. Um Smoothies perfekt zu pürieren, Gemüse zu trocknen, hat die Firma Keimling Naturkost den "Vitamix Pro 750" (899 Euro) und das "Excalibur EXC10EL Dörrgerät" (995 Euro) im Programm. Der Hersteller hat 120 Mitarbeiter, sitzt in Buxtehude und ist einer der führenden Onlineshops für Rohköstler. 1984 hatte Eigner Winfried Holler dort noch sein Geschäft für "Naturspeisewaren".

Ausgerechnet der Vegantrend, der eigentlich auf Verzicht ausgerichtet ist, kommt inzwischen luxuriös und kostspielig daher. Es gibt Kaviar aus Algen und veganen Champagner (Blanc de Blanc 2006, Duval-Leroy, 65 Euro). War der nicht immer vegan? Man lernt: Das kommt auf den Wein an, aus dem er gemacht wird. Traditionell klärt man Trübstoffe mit Gelatine, Kasein oder Proteinen der Fischblase. Der Filter, das Tiereiweiß, landet zwar gar nicht in der Flasche, strikte Veganer lehnen das trotzdem ab. Deshalb wird nun auch natürlich geklärt: bei Wilhelm Zähringer, Baden, Neumer in Rheinhessen oder beim Champagnerhaus Duval-Leroy von 1859. Den neuen, edlen Veggieschaumwein schenkt auch "Schloss Elmau" aus.

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