Donnerstag, 19. September 2019

Eon, RWE, EnBW Kleiner Energiekonzern, was nun?

Energiekonzerne: Was von Eon, RWE und EnBW übrig bleibt
T. Trutschel via Getty Images; AFP; DPA

Als Versorger haben sie einst die Wohnzimmer warm und die Aktionäre bei prächtiger Laune gehalten. Jetzt befinden sich Eon, RWE & Co. im Schrumpfmodus. Was bleibt von den Giganten des Marktes übrig?

Es ist ein Pflichttermin für wache Existenzen, die eine neue, ertragreichere Identität finden wollen: der Besuch "im Valley", wie die ideenbefruchtende Gegend südlich von San Francisco in diesen Kreisen bündig heißt. Cool geht's zu, mit einer Lässigkeit, die einem nur ein zum Bersten gefülltes Konto verleiht.

Da kann man sich einiges abschauen. Aber was hat ein deutscher Energiekonzern in dieser Hemisphäre zu schaffen, zumal wenn er aus dem knochenkonservativen Schwaben stammt?

Nun ja, Uli Huener (57) war jedenfalls schon mehrmals da, im Valley. Er hat mit Wagniskapitalikonen wie Kleiner Perkins gesprochen ("Die Tür ist auf"), er hat SAP Börsen-Chart zeigen, Bosch und Daimler Börsen-Chart zeigen aufgesucht, "die alle schon länger gefordert sind, innovativ zu sein".

Jetzt ist eben er in diesem Metier unterwegs. Huener hat seit Oktober den Titel "Head of Innovation Management" auf seinen Visitenkarten stehen; die hat ihm der baden-württembergische Energiekonzern EnBW Börsen-Chart zeigen zum Zweck der Berufsausübung drucken lassen. Der Mann trägt Mittelscheitel und eine Hornbrille, die ihn in jeder Sachversicherung an die Abteilungsspitze katapultieren würde; ein Fielmann-Model könnte er auch mimen. Nur gelegentlich fällt ihm eine Strähne in die Stirn, was im Ländle durchaus als verwegen durchgeht.

Frisches Denken von der Gründerfront

Neue Geschäftsmodelle für EnBW soll er aufbauen. Huener hat in Kalifornien den Master of Science gemacht (in angewandter Mathematik), ist hernach als IT-Systemprogrammierer in ein Start-up "gerutscht", wie er das nennt, und acht Jahre geblieben. Die Phase wirkt bis heute nach: "Das Start-up-Gen wird man sein Lebtag nicht mehr los", sagt er.

Frisches Denken, kleine Erfolgsberichte von der Gründerfront, das lindert die Alltagsdepression in den Energiekonzernen, lenkt ab von den Ertragssorgen und Abschreibungsnöten, dem schwermütigen Stromerzeugen im Angesicht dramatisch sinkender Großhandelspreise, den Enttäuschungen über die politisch motivierte, bisweilen dilettantische Energiewende natürlich auch.

Kurzum: macht Mut. Taugt, um abzuschalten, bevor man vielleicht genau dies tun muss - womöglich für immer.

© manager magazin 7/2014
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