Einzelhandel Edeka in der Klemme - warum der Tengelmann-Deal nicht hilft

Der Krämerkonzern Edeka steckt in der Klemme. Die teure Tengelmann-Akquisition nützt vorerst niemandem, ebenso wenig der Einstieg ins Drogeriegeschäft.
Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 10/2017 des manager magazins, die Ende September erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Jahrelang war Edeka-Chef Markus Mosa (49) sein eigener Marketingvorstand. Eine Nebentätigkeit, die ihm großen Spaß machte. Gern kümmerte er sich persönlich um Filmaufnahmen für die Edeka-Werbung, plauderte mit Kreativen und redete schon mal bei der Regie mit. Ganz sicher viel angenehmer und glamouröser als der Alltag in der Hamburger Zentrale.

Die schöne Zeit ist nun vorbei. Anfang Juli gab Mosa den geliebten Marketingjob ab. Stattdessen übernahm er zusätzlich zum Chefposten das aufreibende Einkaufsressort, das er schon einmal nebenher betreut hatte - damals wie heute eine gewaltige Doppelbelastung.

Sein Vorstandskollege Heiko Kordmann (46), bis Juni für die Warenbeschaffung verantwortlich, hatte sich entschlossen, nach knapp zwei Jahren hinzuwerfen. Nicht ganz freiwillig, denn Kordmann sah offenbar keine Chance, seinen 2018 auslaufenden Vertrag verlängert zu bekommen.

Nun ist Mosa aus der bunten Scheinwelt der Werbung wieder in der Realität angekommen - eine Wirklichkeit voller Widrigkeiten. Zwar dominiert Edeka mit knapp 50 Milliarden Euro Umsatz unangefochten den deutschen Lebensmittelhandel; die knapp 4000 selbstständigen Kaufleute, die unter dem blaugelben Logo arbeiten, machen gute Geschäfte.

Seit der Tengelmann-Übernahme läuft es nicht mehr rund

Doch wirklich rund läuft es in der genossenschaftlichen Organisation nicht mehr - vor allem wegen des Erwerbs der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann (KT). Und auch die von Mosa gefeierte Kooperation mit der Drogeriemarktkette Budnikowsky ("Ein idealer Partner") ist alles andere als ein Befreiungsschlag - mitnichten eine ernst zu nehmende Konkurrenz für DM, Rossmann & Co.

Den KT-Deal setzten die Edekaner mit aller Gewalt durch, gegen ein Veto des Bundeskartellamts. Edeka-Vorstand und gedungene Lobbyisten bearbeiteten den früheren Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (58) so lange, bis der das Verbot mittels einer sogenannten Ministererlaubnis aufhob - geknüpft allerdings an harte Bedingungen.

Am Ende ist die Akquisition für Edeka mehr Belastung als strategischer Sieg:

  • Die ministeriellen Auflagen haben die erhofften Vorteile für Edeka auf viele Jahre eingefroren - und den Deal erheblich verteuert.
  • Die gezwungenermaßen mitgekaufte Fleischwarenproduktion, die Logistik und die KT-Zentrale sind purer Ballast. Edeka braucht sie nicht, die eigenen Kapazitäten reichen auch für die hinzugekommenen Läden völlig aus. Dennoch muss die Organisation die mehreren Hundert Beschäftigten weiter entlohnen, anderswo einsetzen - oder teuer abfinden.

Der ebenfalls zum KT-Paket gehörende Onlinelieferdienst Bringmeister ("Wir besorgen's ganz Berlin") ist auf Jahre hinaus ein Millionengrab. Zahlen müssen die Edeka-Genossen, obschon Bringmeister ihr eigenes Geschäft bedroht.

Aus den Privatisierungen wird erst einmal nichts

Was hatte Mosa den Genossen nicht alles versprochen: Jene Edekaner, die endlich eigenverantwortlich einen Supermarkt übernehmen oder ihrem Betrieb einen weiteren hinzufügen wollten, sollten Chancen in Hülle und Fülle bekommen; Hunderte von KT-Filialen in Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen harrten der Privatisierung. Zudem würden sich die Einkaufskonditionen durch die zusätzliche Nachfragemacht der Edeka weiter verbessern, hatte Mosa in Aussicht gestellt.

Aus den Privatisierungen wird erst einmal nichts. Gabriels Ministererlaubnis trägt unter anderem die Handschrift der Verkäuferinnen-Gewerkschaft Verdi. Edeka darf die KT-Märkte fünf Jahre lang nicht in die Hand von Selbstständigen geben. Verdi befürchtet, dass dabei Tariflöhne und Mitbestimmung auf der Strecke bleiben würden. Ein Kündigungsschutz besteht sogar noch zwei Jahre länger.

Das Privatisierungsverbot ist mehr als ärgerlich für Mosa. Denn es führt nicht nur zu Frust in der Organisation, sondern hemmt auch die Weiterentwicklung des Geschäfts. Ladeninhaber arbeiten oft bis zur Selbstaufopferung, Edeka hingegen muss die hinzugekommenen Supermärkte auf Jahre mit angestellten Filialleitern weiterbetreiben, die nicht immer hochmotiviert sind.

Etliche Läden fielen von vornherein als ungeeignet durchs Privatisierungsraster, sie waren entweder zu klein oder zu schlecht gelegen. Dutzende Geschäfte in Nordrhein-Westfalen musste deshalb die zu Edeka gehörende Kette Netto Marken-Discount übernehmen. Kundinnen in kaufkräftigen Düsseldorfer Vierteln können nun nicht mehr in ihrer geliebten Kaiser's-Filiale aus einem gehobenen Frischesortiment auswählen, sondern müssen mit abgepackter Billigware vorliebnehmen. Auch ein Einkaufserlebnis.

Die Kriegslist des Konkurrenten

Zudem benötigt ein Discounter wie Netto höchstens die Hälfte des Personals, das ein Supermarkt auf gleicher Fläche beschäftigt. Der überschüssigen KT-Belegschaft müssen die Edekaner anderswo Arbeit anbieten.

Genau andersherum ist es in Bayern. Weil sich die Übernahmequerelen mehr als ein Jahr hinzogen, haben viele gute Leute gekündigt. KT-Vorbesitzer Karl-Erivan Haub (57) stellte kaum neue Leute ein, sodass heute akute Personalnot herrscht. Verdi beklagt massive Arbeitszeitverstöße. Beschäftigte würden zudem entgegen der Ministerauflagen nicht tariflich bezahlt.

Auch in München reichte die Größe vieler Tengelmann-Filialen nicht für Edeka-Supermärkte aus. Monatelang gab es dort Stillstand, den Blaugelben fehlte es für innerstädtische Kleinflächen an Konzepten - wie sie die Kölner Konkurrenz mit Rewe City und Rewe To Go seit Jahren hat. Erst kürzlich wurde für die Bayern-Metropole ein Format namens Edeka Xpress entwickelt, mit viel Fertig-Food für Berufstätige und Singles. Lediglich in Berlin verlief die Umstellung von Kaiser's auf Edeka rasch und problemlos.

Die schleppende Umetikettierung hatte zur Folge, dass bis Ende August erst 231 der 335 Filialen farblich neu eingekleidet wurden. Edeka behauptet, man sei "genau im Zeitplan".

64 Geschäfte aus dem Gesamtpaket, davon 60 in Berlin, mussten die Hamburger vorab an Rewe weiterverkaufen. Dass auch der ärgste Rivale etwas abbekam, war das Ergebnis eines erbitterten Kampfes zwischen Rewe, Edeka, Haub und dem Bundeswirtschaftsminister. Rewe bestritt die Zulässigkeit der Ministererlaubnis - und berief sich darauf, dass eine solche Ausnahmeregelung nur rechtens sei, wenn sie dem Gemeinwohl diene und zur Übernahme keinerlei Alternative bestehe.

Die gab es freilich. Listigerweise hatte der damalige Rewe-Chef Alain Caparros (61) ein Gegenangebot platziert. Darin gab er eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie und sicherte zu, die KT-Filialen nicht zu privatisieren. Auch wenn Rewe am Ende leer ausginge, wollte er den Deal für Edeka so teuer wie möglich machen.

Caparros' Plan ging auf. Gabriel konnte die Rewe-Offerte nicht ignorieren. Alles, was die Kölner freiwillig angeboten hatten, musste der Minister wohl oder übel Edeka zur Auflage machen. Andernfalls, so die Befürchtung in Berlin, wäre die Erlaubnis sofort vom Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf kassiert worden.

Caparros war noch nicht zufrieden. Er reichte Klage ein und bekam Recht. Das OLG hielt Gabriel unter anderem Geheimgespräche mit Edeka vor und setzte die Ministererlaubnis außer Vollzug. Mosa und Haub schäumten, ebenso wie Gabriel, der scharfe Richterschelte übte.

Der verhinderte KT-Verkäufer Haub drohte, die Stop-Loss-Taste zu drücken und das Unternehmen, dem es immer schlechter ging, zu zerschlagen. Schließlich gelang es Altbundeskanzler Gerhard Schröder (73) zu schlichten: Rewe zog die Klage zurück und erhielt als Belohnung die 64 Filialen. Caparros hatte auf ganzer Linie gewonnen, viel mehr Läden hätte sein Unternehmen ohnehin nicht verkraftet.

Ein Internetshop als Zugabe

Schlechter fällt die Bilanz aufseiten Edekas aus. Lange vor dem Kartellamtsverbot hatte die Hamburger Zentrale eine Best- und eine Worst-Case-Kalkulation aufgemacht. Die Restrukturierungsaufwendungen, sprich Schließungskosten, für Fleischwerke, Lager und Verwaltung waren jeweils unterschiedlich hoch eingepreist. Mindestens 369, höchstens 472 Millionen Euro sollte der Deal die Blaugelben kosten - genauer gesagt: vor allem jene beiden Regionalgesellschaften, die am meisten von der Übernahme profitieren würden, also die für Berlin zuständige Edeka Minden-Hannover und die Edeka Südbayern.

Foto: manager magazin

Die Edeka Rhein-Ruhr hingegen sollte aus dem Gesamtbudget mit minimal 20, maximal 29 Millionen Euro entschädigt werden; dafür, dass sie "Karls Resterampe" (interner Spott) in Nordrhein-Westfalen klaglos übernahm.

Dank Caparros, Gabriel & Co. dürfte sich die Gesamtbelastung in Richtung Worst-Case-Szenario aufsummieren. Immerhin minderten zwei Posten den Aufwand der Blaugelben. Aufgrund von Gabriels Auflagen konnte Haub etliche Vorleistungen wie Standortschließungen und Personalabbau nicht mehr erbringen, statt der ursprünglich vereinbarten 249 Millionen Euro flossen letztlich weniger als 100 Millionen Euro. Rewe überwies 21 Millionen Euro für ihre Läden.

Negativ zu Buche schlug indes, dass nicht nur die Edeka Rhein-Ruhr, sondern auch Netto konzerninternen Schadenersatz beanspruchte, etwa 15 Millionen Euro. Edeka wollte sich nicht zu den Kosten äußern.

Eher nolens als volens erhielten die Hamburger als Zugabe einen Lebensmittellieferdienst mit dem schönen Namen Bringmeister. Mosa machte bei einem Besuch in der Berliner Firmenzentrale klar, dass eine Expansion über die bisherigen Geschäftsgebiete Berlin und München hinaus vorerst illusorisch sei - obwohl Edeka schon jetzt dem Lieferservice von Rewe hinterherläuft und Amazon fresh sich anschickt, den Lebensmittelmarkt aufzumischen.

Für Mosas Zurückhaltung gibt es drei Gründe: Erstens gilt die Bringmeister-IT als veraltet und nicht beliebig skalierbar.

Zweitens arbeitet die Firma, wie fast alle Konkurrenten, hoch defizitär: Für 2017 sind bei einem budgetierten Umsatz von 25 Millionen Euro satte 23 Millionen Euro Verlust eingeplant. "Es wäre einfacher und billiger", spottet ein ranghoher Edekaner, "jedem Kunden fünf Euro zu schenken, wenn er auf eine Bestellung verzichtet."

Drittens empfinden viele Edeka-Händler Bringmeister als Fremdkörper im blaugelben Reich: eine Firma, die ihnen Geschäft streitig macht und für deren Defizite sie dann auch noch aufkommen müssen. Wenn schon online, dann machen die Kaufleute das Geschäft lieber selbst, mittels der von ihrer Zentrale angebotenen Internetplattform.

Weil Edeka-Chef Mosa gern beweist, dass er ein zupackender Kerl ist, wenn sich die Gelegenheit ergibt, ging die Edeka-Zentrale zuletzt eine weitere seltsame Liaison ein. Er verbündete sich mit dem Hamburger Filialisten Budnikowsky. Hintergrund: Drogeriemarktketten wie DM, Rossmann oder Müller nehmen den klassischen Supermärkten immer mehr Marktanteile bei Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetik und Körperpflegeprodukten ab. Mit "Budni", wie die Kunden liebevoll sagen, will Edeka künftig über eine gemeinsame Servicegesellschaft Drogerieartikel einkaufen. Zudem darf Mosa außerhalb des Budni-Stammgebietes eigene Fachmärkte aufmachen.

Der Mittelständler war in den vergangenen Jahren immer tiefer in die roten Zahlen abgeglitten. Mangels Masse kaufte er wesentlich teurer ein als DM und Rossmann. Die Alternative war, die Kunden mit höheren Preisen zu verprellen oder auf Deckungsbeitrag zu verzichten. Notgedrungen entschied sich Budni für einen Mix aus beidem.

Trotz der Zwangslage mochte die Eigentümerfamilie Wöhlke ihre Firma nicht verkaufen. Dabei war ein Angebot von Rossmann fast unterschriftsreif. Die Wöhlkes wollen sich weiterhin als unabhängige hanseatische Kaufleute fühlen dürfen. Jetzt hängen sie am Tropf von Edeka. Immerhin profitieren sie erst einmal von den besseren Einkaufskonditionen des Lebensmittlers.

Der Controller wird zum Rambo

Ob das Joint-Venture auch Edeka nützt, gilt in der Branche als längst nicht ausgemacht. Die Idee der Genossen ist, an sogenannten Koppelstandorten mit einem Edeka-Laden und Discounter zusätzlich eigene Drogeriemärkte zu errichten und so zu verhindern, dass DM oder Rossmann sich dort niederlassen.

Ausgegoren ist das Projekt nicht, bei der dreistufig organisierten Edeka reden einfach zu viele Leute mit. Ob die Fachmärkte von der Zentrale, von den sieben Regionalgesellschaften oder von den Kaufleuten vor Ort betrieben werden sollen, ist völlig ungeklärt. Auch, wer dafür bezahlen soll. Es gibt weder eine valide Expansionsplanung noch ist entschieden, ob neue Läden unter dem Budnikowsky-Logo oder einem anderen Label öffnen sollen.

Und so wird zunächst eher halbherzig investiert. Die Kooperation lässt sich Edeka gerade mal einen einstelligen Millionenbetrag kosten.

Das Kompetenzgerangel unter den Genossen behindert immer mehr auch die Warenbeschaffung. Da redet der europäische Einkaufsverbund AgeCore mit, außerdem die Edeka-Zentrale und die Einkaufschefs der Regionen, die sich in einem "Nationalen Verhandlungsteam" (NVT) organisiert haben.

Den Wirrwarr bekommen zuweilen sogar die Kunden zu spüren. Anfang des Jahres gab es erst Lücken in den Coca-Cola-Regalen, dann bei Schokoriegeln und Tierfutter des US-Konzerns Mars. AgeCore-Einkäufer hatten mit den Markenartiklern einen Streit um Konditionen angezettelt, den Edeka-Chef Mosa höchstpersönlich beilegte.

Mr Troubleshooter sorgte dafür, dass man sich über die Preise einigte und wieder Ware geliefert wurde. Das wäre eigentlich noch Aufgabe von Einkaufsvorstand Kordmann gewesen. Doch der unkommunikative Manager galt schon länger als Fehlbesetzung. 2015 war er von der Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern gekommen, nachdem er sich selbst für den Topjob empfohlen hatte.

Kordmann wird unter anderem angelastet, dass er sich nicht genug um den wichtigen Eigenmarkenbereich gekümmert hat. Mit Labels wie "Gut & günstig" oder "Edeka Bio" kann sich der Händler bei den Kunden profilieren, außerdem ist die Verdienstspanne größer als bei Markenartikeln.

Der bis 2012 amtierende Einkaufsvorstand Gert Schambach (49) hatte da noch Maßstäbe gesetzt. Als er ging, verfügte Edeka über dreimal so viele Eigenmarkenartikel wie zu Beginn seiner fünfjährigen Schaffensperiode. Seither hat sich wenig getan.

Schambach war in Hamburg nicht mehr erwünscht - wegen zu großen Erfolgs. Mosa missfiel, dass sein Vorstandskollege immer selbstbewusster agierte und zu viele Kompetenzen an sich reißen wollte. Er fühlte seine eigene Position bedroht.

Nach Schambachs Kündigung übernahm der gelernte Controller Mosa zum ersten Mal das Einkaufsressort im Nebenjob. Und führte sich gleich als Rambo auf. Reihenweise flohen die Manager. Einige folgten Schambach zum Filialunternehmen Dohle (Hit-Märkte).

Weil ihm die geballten Abgänge Edeka-intern angelastet wurden, hielt Mosa die Kündigung seines wichtigsten Warenmannes, Hans-Jürgen Moog (49), ein halbes Jahr lang geheim. Durch sein Schweigen ließ er zu, dass Moog weiterhin Zugang zu vertraulichen Informationen erhielt, bevor er sein Wissen mitnahm. Heute arbeitet er in zentraler Funktion bei Rewe.

Der Exodus hielt an, bis der Mosa wohlgesonnene Aufsichtsratschef Adolf Scheck (66) seinen Schützling 2015 aus der Schusslinie nahm und wieder einen Einkaufsvorstand einstellte - Kordmann. Auch dieses Experiment misslang, schon bald gab es abermals Kündigungen in Serie. Abtrünnige wurden nun sofort freigestellt und mussten ihre auf zwei Jahre verlängerte Kündigungsfrist zu Hause absitzen.

Nun also Mosa reloaded. Reifer und diplomatischer sei er geworden, behaupten sie bei Edeka. Die Doppelbelastung lindert das nicht. Und von seinen Machtspielchen wird Mosa wohl auch künftig nicht lassen können. Argwöhnisch achtet er darauf, dass ihm niemand gefährlich wird.

Völlig gegen den Strich wäre es ihm gegangen, wenn sich wieder jemand aus den Edeka-Regionalgesellschaften zum Einkaufsvorstand berufen gefühlt hätte. Bevor sich so ein selbstbewusster Nebenbuhler in Hamburg einnistet, wollte er den Job ("Das Herzstück des Handels") lieber wieder selbst machen.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Kohler (51), mehr auf Ausgleich bedacht als Vorgänger Scheck, erfüllte ihm den Wunsch. Im Gegenzug musste Mosa freilich das geliebte Marketing aufgeben. Drei Jobs wären dann doch zu viel. Das Ressort übernahm sein vormaliger Mitarbeiter Claas Meineke (46) - und der kann ihm kaum gefährlich werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.