Dienstag, 18. Juni 2019

Digitale Nomaden Mit dem Laptop um die Welt

Digitale Nomaden: Null Bock auf Büro
imago

3. Teil: Millionär durch Bloggen

Das Modell funktioniert. "Wir waren von Anfang an profitabel." Klumpp hat nie den Fehler gemacht, den er bei vielen Nomadenanfängern beobachtet: "Die haben einen Traum, aber keine Disziplin."

Seine Buchhaltung erledigt er weitgehend selbst, denn er hat festgestellt, dass die meisten Berater vom internationalen Steuerrecht kaum Ahnung haben.

Auch Pete Hall (41) ist Unternehmer. Er sitzt im "Fresh Fresh Café" in Cabarete im Norden der Dominikanischen Republik und bestellt einen veganen Burger und einen Smoothie. "Nomaden sollten gesund leben und viel Sport treiben", sagt er. Vor fünf Jahren reiste Hall zum ersten Mal nach Europa, nach Skandinavien. Er war von dem Trip so begeistert, dass er beschloss, die Welt zu entdecken. Seither führt er seine IT-Firma in New Jersey via Laptop und Smartphone. Ihm fehlt nichts, nur seinen Hund vermisst er.

Das große Vorbild vieler Nomaden und die Ikone der Szene ist der Ire Johnny Ward (33). Sein USP: Er ist der jüngste Mensch, der alle Länder bereist hat. Was er geschickt in seinem Blog "onestep4ward" vermarktet. Mehr als 1,5 Millionen Dollar hat der bereits eingespielt. Ward besitzt jetzt Immobilien in Bangkok und London.

Vor allem die Nomaden aus den USA haben es weit gebracht. Die erfolgreichsten unter ihnen haben sich im Dynamite Circle zusammengeschlossen. Der Klub zählt inzwischen über 1000 Mitglieder, sie helfen sich gegenseitig und sehen sich regelmäßig auf Kongressen in Barcelona oder Bangkok. Rein kommt nur, wer mehr als 5000 Dollar im Monat umsetzt. Gründervater Dan Andrews gibt seine Erfahrungen gern per "Tropical MBA" Podcast an die Mitglieder weiter.

Der ultimative "Place to be" wird ständig aktualisiert. Das bekannteste Ranking ist die Nomad List. Chiang Mai, die Stadt im Norden Thailands, ist derzeit eine der angesagtesten. Mildes Klima, günstige Preise und Flüge und eine nahezu perfekte Infrastruktur.

Wer die Innenstadt mit ihren vielen Tempeln verlässt, kommt auf die Nimman Road. Von ihr gehen alle paar Meter durchnummerierte Sois ab, enge Nebensträßchen. Überall sieht man Ausländer, mit Rucksäcken, auf Motorrollern oder in Cafés vor ihren aufgeklappten Laptops.

Gegenüber den ersten Blocks der Nimman Road liegt die schicke Maya Mall, auf deren fünfter Etage sich das CAMP erstreckt. An den Glaswänden kleben Sprüche von Steve Jobs und Richard Branson. Dahinter hocken an langen Holztischen Thais und Ausländer vor Monitoren, eine Bar versorgt die Jugend mit Essen und Getränken.

Solche Coworking-Flure gibt es auch in Bangkok (HUBBA), Ho-Chi-Minh-Stadt (Dreamplex) oder Las Palmas (CoworkingC). Für die heimatlosen Nomaden sind sie der zentrale soziale Knotenpunkt. "Nomadenleben kann sehr einsam machen", weiß Cruise-Veranstalter Völkner aus Erfahrung.

© manager magazin 5/2017
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