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Luxusuhren: Welche Autofirmen mit welchen Manufakturen kooperieren

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Die Luxusuhren der Autohersteller Wenn die Auto-Uhr teurer als ein Auto ist

Immer mehr Nobelmarken arbeiten mit Autoherstellern zusammen. Davon profitieren beide Seiten.

Es ist ein klarer, knackig kalter Januarabend in der kalifornischen Wüste. Die britische Luxusmarke Bentley lädt ein nach Palm Springs, dem mondänen Rückzugsort für Hollywoodgrößen und Schauplatz des Schlüsselromans "Generation X". Diesmal dient die palmenbewachsene Oase als Kulisse für den neuen Bentayga, das schnellste und teuerste Edel-SUV der Welt.

Überraschungsstar der Feier ist ein kleines Ausstellungsstück, wirkungsvoll ausgeleuchtet auf einer Stele und unter Glas: jene Breitling-Uhr, die auf Wunsch ins Armaturenbrett des Bentayga eingebaut wird und deren raffinierte Komplikation so gegen die Schwerkraft, gegen Quer- und Längsbeschleunigungen sowie gegen alle anderen Naturgewalten anarbeitet, dass daraus größtmögliche Ganggenauigkeit resultiert.

Die diamantverzierte "Mulliner Tourbillon" nutzt Raumfahrttechnologie: Ihr elektrischer "Stepper"-Antrieb ist eine Weltpremiere in der Uhrenbranche, weshalb ein Aufpreis von 150.000 Euro auf das normale Bentley-SUV fällig wird. Wegen der aufwendigen Produktion kann selbst eine große, erfahrene Manufaktur wie Breitling jährlich nur vier Stück herstellen.

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Das exklusive Extra im Bentayga ist das jüngste Baby einer bewährten Kooperation: Schon im Continental GT von 2003 - das erste Modell, bei dem die neue Konzernmutter Volkswagen  Regie geführt hatte - war eine Breitling verbaut. Seither prangt das geflügelte Markenemblem aus dem Schweizer Jura in allen Bentleys. Zugleich hat der Uhrenhersteller die Kollektion "Breitling for Bentley" aufgelegt. Alljährlich kommt ein weiteres Modell hinzu.

Seit die Uhrenbranche unter Umsatzrückgängen im zweistelligen Prozentbereich leidet, vor allem als Folge der Absatzkrise in Asien, werden die Partnerschaften zwischen Auto- und Chronografenherstellern intensiver. Marken der Luxuskonglomerate LVMH , Richemont  und Swatch Group  tun sich mit den Automobilisten genauso zusammen wie traditionsbewusste Mittelständler und ultramoderne Nischenanbieter. Immer auf der Suche nach einer Geschäftsverbindung, die beiden nutzt - beim Erschließen neuer Kunden, neuer Materialien oder neuer Designideen.

"Wer sich an der Präzision, der Ästhetik und der handwerklichen Perfektion mechanischer Uhren begeistern kann, der ist oft auch empfänglich für ähnliche Qualitäten in klassischer Automobil- und Motorentechnik. Und umgekehrt", sagt Karl-Friedrich Scheufele, der Co-Chef von Chopard. Die Schweizer Uhrenmanufaktur ist seit knapp 30 Jahren Hauptsponsor der Oldtimer-Rallye Mille Miglia. Mit der Motorsportabteilung von Porsche  kooperiert Scheufele seit 2014, als die Stuttgarter wieder beim berühmten 24-Stunden-Rennen von Le Mans an den Start gingen.

Ansaugkrümmer im Zifferblatt

Die Geschichte der Autouhren reicht weit zurück: Schon 1963 widmete Rolex seinen "Oyster Perpetual Cosmograph" dem legendären Langstreckenrennen von Daytona in Florida. Im selben Jahr brachte Heuer das Modell "Carrera" heraus, benannt nach dem Straßenrennen Panamericana, dem auch Porsche mit seinen sportlichsten Ausführungen huldigt.

Der erste Autobauer, der systematisch auf eine Uhrenmanufaktur zuging, war in den 70ern Unternehmensgründer Enzo Ferrari. Er kooperierte zunächst mit Longines, in den 80ern dann mit Cartier, die zum Teil quarzgetriebene Modelle beisteuerten. Beide Projekte blieben indes erfolglos, weckten bei Sammlern keinen Enthusiasmus.

Das änderte sich erst, als Ferrari-Chef Luca di Montezemolo 1994 einen langfristigen Vertrag mit seinem Kumpel Luigi "Gino" Macaluso von Girard-Perregaux aufsetzte. Die beiden kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit im Rallyeteam von Fiat und Abarth. In den folgenden zehn Jahren widmete die Uhrenmarke diversen Ferrari-Modellen einen Zeitmesser. Am berühmtesten dürfte wohl der "Girard-Perregaux Scuderia Ferrari Chronographe A Rattrapante Foudroyante" sein - die Uhr mit der wohl längsten Typenbezeichnung der Geschichte.

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2005 wechselte Ferrari zu Panerai, seit 2012 ist Hublot offiziell Uhrenmarke und Zeitnehmer von Ferrari und dem dazugehörigen Formel-1-Rennstall.

Die Zusammenarbeit begann gleich mit einem Spektakel. In Anlehnung an LaFerrari, das jüngste Topmodell des Sportwagenbauers, entwickelte Hublot die auf 50 Stück limitierte "Masterpiece MP-05". Die Uhr hat eine Gangreserve von 50 Tagen und besteht in ihrem konischen Titangehäuse aus 637 Einzelteilen, unter anderem einem Tourbillon. Im Zentrum des Zifferblatts liegt die Technik unter plastischen Elementen, die an Ansaugkrümmer und Nockenwellen von Hochleistungsmotoren erinnern. Verkaufspreis: 312.000 Euro. Für die skelettierte Weiterentwicklung "Aperta", weltweit auf 20 Stück limitiert, verlangt Hublot gar 546.000 Euro.

Welche Ziele verfolgen die Uhrenhersteller mit solchen Autopakten? "Ferrari ist ein Botschafter für Hublot", sagt Jean-Claude Biver, Chef der Uhrensparte bei LVMH (neben Hublot auch TAG Heuer und Zenith). Und der bringe "Aufmerksamkeit, Prestige und Exklusivität in Ländern, wo man unsere Marke noch nicht genug kennt". In China etwa hat der Ruhm von Ferrari über viele Jahre beim Aufbau des eigenen Geschäfts geholfen. Eine solche Partnerschaft sei ein bisschen wie eine Ehe, so Biver, bei der sich die Uhr nicht so wichtig nehmen solle.

Seit Chinas Absatzmarkt für viele Manufakturen zum "Luxusproblem" geworden ist, werden die Autofreunde anderweitig genutzt. Hublots Schwestermarke Zenith etwa, die zuletzt 60 Prozent ihrer Kunden in China fand, setzt seit vergangenem Herbst auf eine Zusammenarbeit mit Range Rover, dem Erfinder des SUV. Die Kooperation mit der Aristokratenmarke soll dem Uhrenhersteller neue, solvente Käuferschichten erschließen - abseits der Krisenmärkte in Fernost.

Reifenmuster am Handgelenk

Aber auch die Autobauer profitieren, wenn sie mit den Schweizer Feinstmechanikern kooperieren. "Wir wollen voneinander lernen", sagt Gerry McGovern, Chefdesigner der Muttermarke Land Rover. Zumal es eine Menge gemeinsame Werte gebe wie Traditionstreue, zeitloses Design, die seltene Kombination von Luxus und Understatement. Und natürlich das ewige Streben nach Präzision. Uhrenmanufakturen verarbeiten unter anderem Aluminium, was die Karosserien von Range Rover erst großserienfähig gemacht hat.

Wenn Zenith Uhren fürs Armaturenbrett künftiger Range-Rover-Modelle entwickelt, dann geschieht dies auf Basis der Software des britisch-indischen Allradspezialisten. Auf dem Weg ins digitale Zeitalter kann den Uhrmachern eine solche Expertise nicht schaden.

Im März wurde beim Genfer Automobilsalon die erste Zenith vorgestellt, die wie ein uhrgewordener Range daherkommt: Das Sondermodell der El-Primero-Kollektion "Range Rover Velar" begleitet die Markteinführung der gleichnamigen neuen SUV-Reihe, die ab Herbst ausgeliefert wird.

Kommerziell spielt die Zusammenarbeit mit einer Uhrenmarke für die großen Autobauer eine untergeordnete Rolle. "Sehen wir darin ein Geschäft?", fragt Chefdesigner McGovern rhetorisch und grinst verschmitzt. "Eher nicht". Aber sie hilft, das Profil der teuersten Land-Rover-Baureihe zu schärfen. Zudem lädt sie das Image der eigenen Marke auf, indem sie den Blick der Range-Roveristi stärker auf die ästhetischen Details lenkt. "Wer sich mit Uhren befasst, der erkennt viel mehr Einzelheiten", schwärmt der Brite, und schätze das Auto mehr wert.

Das gilt auch umgekehrt. Weil sich Chopards Karl-Friedrich Scheufele für mechanisch gesteuerte Vergaser oder Ventiltriebe begeistert, fällt es ihm leicht, im Uhrwerk die Faszination von präziser Kraftübertragung zu entdecken, von Wellen- und Rotationsbewegungen, von Robustheit trotz filigranster Bauweise.

Scheufele, der die Liebe zu Oldtimern von seinem Vater geerbt hat, kam zunächst nur als Zuschauer zur Mille Miglia, die bis zu einem schweren Unfall im Jahr 1957 in mörderischem Tempo als eintägiges Straßenrennen gefahren wurde. Noch bevor er 1989 selbst in einem Mercedes-300-SL-Flügeltürer an der inzwischen viertägigen Oldie-Rallye teilnehmen konnte, engagierte sich Chopard mit einem Sondermodell für die Rundfahrt durch Norditalien.

Heute ist die Mille Miglia Treffpunkt aufwendigst restaurierter Renn- und Tourenwagen aus den goldenen Dekaden der Automobiltechnik. Diese Aufwertung hat die Rallye zu einem großen Teil ihrem Hauptsponsor Chopard zu verdanken, der mit seinen limitierten "Mille Miglia"-Uhren die Faszination wachhält. Die Kernauflage der Chronografen geht an die registrierten Rallyeteilnehmer; eine zweite, begrenzte Serie wird jährlich auf dem freien Markt angeboten, ist jedoch meist sofort ausverkauft. Unter Sammlern sind die Modelle extrem begehrt. Besonderes Kennzeichen seit 1998: ein Kautschukarmband mit dem Profil eines historischen Dunlop-Rennreifens.

Nobelpreis im Gehäuse

Den Verkaufsturbo, den eine Hommage an die Autowelt mit sich bringt, entdecken neben den etablierten Uhrenmarken auch immer öfter innovative Kleinserienhersteller für sich. Max Büsser etwa, der mit seiner Genfer Manufaktur MB&F seit 2005 die Großen der Branche mit verrückten Kreativen herausfordert, hat mit seiner "Horological Machine Number 5" ein wahres kinetisches Kunstwerk geschaffen. Für die HM5 "On the Road Again" hat sich Büsser von der Sportwagenära der 70er inspirieren lassen. Das Gehäuse erinnert an das langgezogene Heck eines alten Lamborghini Miura.

Richard Mille wiederum, die zur Jahrtausendwende gegründete Exklusivmanufaktur aus dem Jura, lehnt sich nicht nur an die Rennsportszene an, sie ist eng mit ihr verbandelt. Die Schweizer sponsern Autorennen wie die Nürburgring Classic oder die allein Frauen vorbehaltene Rallye des Princesses von Paris nach St. Tropez. Für sein neuestes Topmodell "50-03" hat sich der ambitionierte Hightechhersteller sogar mit McLaren zusammengetan.

Der Formel-1-Rennstall war der Pionier beim Einsatz von ultraleichten Carbonfasern für die stabilen Cockpits seiner Boliden, für Karosserie- und Fahrwerksteile. Bei der Entwicklung des Gehäuses für ein besonders leichtes Tourbillonmodell mit Schleppzeigerchronograf fragten die Techies der Uhrenszene daher zunächst bei McLaren an.

Kurz darauf landeten die beiden Partner bei den Chemikern der Universität Manchester. Dort war eine neue Form von Kohlenstoff entdeckt und synthetisiert worden, für die es 2010 den Nobelpreis für Physik gab: das sogenannte Graphen, ein Sechstel so schwer und rund 200-mal robuster als Stahl. Das feine, rare Pulver kostet je nach Reinheit mehrere hundert Pfund Sterling pro Gramm.

Nach nur acht Monaten Entwicklungszeit stand die Rezeptur für Richard Milles neues Uhrengehäuse fest. Inklusive Armband wiegt die "RM 50-03" weniger als 40 Gramm und ist damit der leichteste jemals gebaute mechanische Chronograf. Und das, obwohl jedes Werkstück weniger als ein Gramm Graphen enthält, wie Aurèle Vuilleumier verrät, der Forschungs- und Entwicklungschef bei Richard Mille.

Die Experimente mit den Uhrentechnikern haben sich für beide Seiten gelohnt, sagt Robert Young, Leiter des Graphen-Labors an der Uni Manchester. Er und seine Kollegen arbeiten daran, die Herstellungskosten der nach wie vor sehr teuren Mischung aus Graphen, Carbonfasern und Kunstharz zu senken. Denn erst dann kann der Werkstoff in größerer Serie und zum allgemeinen Nutzen eingesetzt werden: für Radsport- und Autobauteile oder in der Luft- und Raumfahrt.

Er selbst besitze keine der neuen Weltrekorduhren von Richard Mille, sagt der Professor lachend: Das auf 75 Stück limitierte Meisterwerk kostet 1,085 Millionen Euro, das gebe ein Wissenschaftsjob in Manchester nicht her. Young fürchtet, er könne sich "nicht mal die regelmäßige Wartung leisten", die für das mechanische Kunstwerk empfohlen wird.

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