Start der vierten Staffel Wer sich dieses Mal in "Die Höhle der Löwen" traut

Die Start-up-Szene in Deutschland läuft auf Hochtouren und die passende Sendung dazu zieht mit: Am 5. September geht die vierte Staffel von "Die Höhle der Löwen" auf Sendung. Die Zuschauer erwartet ein neuer Löwe, mehr Folgen und noch spannendere Deals. Das Wichtigste zum Start hier im Überblick.
Die Löwen: V.l.: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel.

Die Löwen: V.l.: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel.

Foto: MG RTL D / Robert Grischek
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Die vierte Staffel: Das sind die neuen und alten "Löwen"

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Viele haben von einem Start-up folgendes Klischee im Kopf: Junge, potenzielle Unternehmer entwickeln ihre innovativen Ideen in unzähligen Nachtschichten in unauffälligen Garagen, um sie anschließend schleunigst auf den Markt zu bringen.

Doch von wegen Klischee - da ist relativ viel dran. Die allermeisten Unternehmer fangen klein an, kämpfen mit Rückschlägen und gegen das Misstrauen aus dem engen Umfeld. Sie entwickeln ein marktreifes Produkt und versuchen im Laufe des Prozesses Investoren zu begeistern. Nur so hat ein Nischenkonzept die Chance, vollkommenes Marktpotenzial auszuschöpfen. Marketingkosten, Logistikausbau und Expansion sind meist nicht aus eigener Tasche zu finanzieren. Deshalb gelten finanzielle Unterstützung, verbunden mit Erfahrung und strategischem Unternehmergeist von außerhalb als das A und O in der Start-up-Szene. Bei der "Höhle der Löwen" haben die fünf Jury-Mitglieder genau diese Verantwortung. Und wollen in der vierten Staffel vor allem eines: die besten Deals.

Seit 2014 gibt es die Show auf dem Sender Vox, die eigentlich aus England übernommen wurde: Dort heißt die Serie "Dragons' Den", oder im deutschen "Die Höhle der Drachen", und verfolgt das gleiche Konzept: Erfinder und Unternehmensgründer werben um Risikokapital, um ihrem Unternehmen zum Wachstum zu verhelfen. Ihre innovativen Geschäftskonzepte stellen sie den "Löwen" in ausgeklügelten Präsentationen vor und bieten ihnen Geschäftsanteile in Relation zum ermittelten Unternehmenswert an. Dabei sind die "Löwen" prominente Investoren mit langjähriger Erfahrung. Je nach Überzeugung von Produkt und Gründer investieren sie ihr eigenes Geld und begleiten das Unternehmen mit ihrem individuellen Wissen.

Die Löwen richten ihre Einschätzung insbesondere nach den sogenannten "fünf G's" aus: Geschmack, Gründer, Glaubhaftigkeit, Gesundheitstrend und große Zielgruppe. Das seien die idealen Voraussetzungen, um einer Marke zum Durchbruch zu verhelfen.

In den letzten drei Staffeln hat das schon mehrfach geklappt - auch wenn die letztliche Erfolgsquote ernüchternd scheint. Insgesamt 193 Unternehmen sind seit 2014 angetreten, die Löwen sagten 71 Investments zu und letztendlich waren es 36 erfolgreiche Deals, die in Folge von Besprechungen nach der Sendung zustande kamen. Viele Zuschauer machte das im Nachhinein stutzig. Denn immerhin sind das nur 25 Prozent Deals, die - postremo - zustande gekommen sind. Woran liegt das? Grund dafür ist den Löwen zufolge die "Due-Diligence-Prüfung", die immer erst hinter der Kamera und im Nachhinein stattfindet. Mit gebotener Sorgfalt wird das Risiko des Investments geprüft und oftmals kommen Unstimmigkeiten zwischen Gründer und Investoren erst dann zu Tage.

Trotzdem kann man sagen, dass die Sendung einigen Unternehmen zum Durchbruch verholfen hat. Die einen steigerten ihren Bekanntheitsgrad allein durch die Ausstrahlung der einzelnen Folge. Die hatte in der letzten Staffel im Durchschnitt immerhin knapp 2,7 Millionen Zuschauer - also fast 8,4 Prozent der Leute, die sich an einem Dienstagabend vor ihren Fernseher setzen. So bekamen die Unternehmen am Folgetag oftmals mehr Bestellungen als sie bedienen konnten. Die anderen expandierten ins Ausland, sind dort in jedem Supermarktregal vertreten und knackten die Millionenmarke (Lesen Sie hier: Das sind die erfolgreichsten Deals der vergangenen Jahre).

Viele der Fans in Deutschland warten nun gespannt, welche innovativen Ideen sie in der neuen Staffel erwarten werden. Über 60 Start-ups stellen sich in den nächsten Wochen vor. In der ersten Folge wollen die Gründer von "ProtectPax" mit einem unzerstörbaren Displayschutz überzeugen. Und Anna und Dindia Gutmann wollen heute Abend mit "ReMoD" ein Gerät vorstellen, das als künstliches Gleichgewichtsorgan für Schlaganfall-Patienten eingesetzt werden soll. Sehen Sie hier, mit welcher Strategie diese und andere Gründer in den nächsten Wochen bei den Investoren punkten wollen:

"ProtectPax": Ultimativer Displayschutz

Anthony Filipiak (l.) und Pascal Buchen aus Düsseldorf präsentieren mit "Protect Pax" ihren flüssigen Displayschutz.

Anthony Filipiak (l.) und Pascal Buchen aus Düsseldorf präsentieren mit "Protect Pax" ihren flüssigen Displayschutz.

Foto: MG RTL / VOX / Bernd-Michael Maurer

Wer kennt das Problem nicht: Man ist kurz abgelenkt oder unnachsichtig und das Smartphone fällt auf den Steinboden. Die Folge: Ein Riss im Glas. Viele Unternehmen haben schon behauptet, sie hätten den unzerstörbaren Displayschutz gefunden.

Die zwei Gründer von "ProtectPax" aber sollen einen unsichtbaren Schutz entwickelt haben, der das Glas angeblich um 600 Prozent härter macht. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Flüssigglas, das aus unzähligen Titandioxid Nanopartikeln bestehen soll. Sie füllen die nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbaren Vertiefungen des Display-Glases so auf, dass es dann tatsächlich 100 Prozent eben ist.

Für ihre Firma suchen die beiden Gründer ein Investment von 100.000 Euro von den Löwen. Im Gegenzug bieten sie eine Beteiligung von 15 Prozent an.

"ReMoD": Das künstliche Gleichgewichtsorgan

Anna und Dindia Gutmann während einer Wanderung.

Anna und Dindia Gutmann während einer Wanderung.

Foto: Remod

Schlaganfälle können das gesamte Leben auf den Kopf stellen. Häufig sind Lähmungen in Teilen des Körpers die Folge. Das musste auch Dindia Gutmann als Baby am eigenen Leib erfahren. Die Ärzte prognostizierten ihr daraufhin eine Zukunft im Rollstuhl.

Solchen Patienten fehlen Informationen zur Wahrnehmung von Körperlage und -Bewegung. Das sind jedoch unabdingbare Voraussetzungen für das Gehen. Die Mutter von Dindia, Anna Gutmann, entwickelte deshalb mit "ReMoD" ein Gerät, das für Dindia eine Art künstliches Gleichgewichtsorgan wurde. Es versorgt Dindia genau mit diesen benötigten Informationen.

Wie viel Mutter und Tochter für ihr lebensveränderndes Projekt verlangen, ist noch nicht bekannt. Jedoch ist das Potenzial dahinter kaum zu übersehen.

"Happybrush": Die Öko-Zahnbürste

Die Happybrush-Gründer Stefan Walter (l.) und Florian Kiener (r.)

Die Happybrush-Gründer Stefan Walter (l.) und Florian Kiener (r.)

Foto: Happybrush/Mónica Garduño

Wir alle benutzen und brauchen sie mehrmals täglich: Die Zahnbürste. Dass die typische Handzahnbürste nicht mehr die beste und effektivste Lösung ist, weiß man schon länger. Solche mit Elektro- und Schallantrieb erzielen bessere Ergebnisse und helfen mit cleverem Zubehör aus, sodass man genau weiß, wie und auf welche Art geputzt werden soll. Am liebsten verzichtet man dabei natürlich auf so viel Schnickschnack wie möglich.

Die Idee einer solchen innovativen Zahnbürste kommt aus München: Die Gründer von "Happybrush" , Stefal Walter und Florian Kiener, vertreiben eine elektrische Zahnbürste, die mit Schalltechnologie für effektivere Vibrationen und eine sanftere Reinigung der Kauleisten sorgen soll. Und zwar inklusive veganer Zahnpasta. Das Design ist dabei besonders schlicht und modern gehalten. Und zudem geht für jede verkaufte Bürste 1 Euro an die gemeinnützige Organisation "Viva con Aqua".

500.000 Euro erhoffen sich die beiden als Investmentsumme. Dafür wollen sie 10 Prozent ihrer Anteile hergeben. So soll unter anderem die internationale Expansion bezahlt werden.

"Bigbox Berlin": Baden und Singen in Schiffscontainern

Dieser Schiffscontainer soll nun als Bühne dienen.

Dieser Schiffscontainer soll nun als Bühne dienen.

Foto: BigBox

Sinnvolles Recycling gilt als eine der großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts. Man hat schon von alten Flugzeug- und Motorenteilen gehört, aus denen Möbel geformt werden. Umhängetaschen aus Plastikmüll haben sich unter einigen Marken schon in der ganzen Welt verbreitet.

Aber ausrangierte Seecontainer wiederverwerten? Das hat sich Steffen Tröger überlegt: Das Start-up "Bigbox Berlin" , das es so ähnlich schon in den USA gibt, baut Seecontainer zu Bühnen-, Wohn- und Schließfachboxen um. Tröger nennt dies auch "Container Architektur". Zur Zielgruppe gehören laut dem Gründer vor allem Eventveranstalter und Gastronomen.

Um die Expansion in andere europäische Staaten zu schaffen, benötigt das Berliner Start-up 300.000 Euro und bietet im Gegenzug 10 Prozent seiner Firmenanteile an.

"3 Bears": Porridge mit Hip-Faktor

3Bears-Gründer Tim Nichols und Caroline Steingruber

3Bears-Gründer Tim Nichols und Caroline Steingruber

Foto: 3Bears

Food-Start-ups liegen im Trend. Die einen vertreiben alkoholfreie Kräutershots, andere bauen Zucker nach, den man auch in menschlicher Muttermilch findet. Food-Start-ups, die hin und wieder durchaus skurrile Ideen haben, waren auch in den ersten drei Staffeln stets ein großer Bestandteil der Höhle.

"3 Bears" , gegründet von Caroline Steingruber und Tim Nochols, will den Porridge-Trend (gesunder Haferbrei) aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland bringen. Normalerweise genießt der Haferbrei in Deutschland keinen allzu guten Ruf, denn der süße Pampf ist nicht jedermanns Sache. Doch das Porridge von "3 Bears" soll anders sein. Es enthält keine Zusatzstoffe, die Fruchtstücke sind extra groß und die Haferflocken kommen aus einer kleinen Mühle in Süddeutschland.

Derzeit verkauft das Start-up exklusiv über den hauseigenen Onlineshop und möchte für weiteres Wachstum und zur Steigerung der Markenbekanntheit einen Investor an seiner Seite wissen. Für 15 Prozent der Firmenanteile verlangen sie rund 300.000 Euro.

"Morotai": Sportbekleidung für die Zukunft

Andreas Mair, Waldemar Wenzel, Rafy Ahmed und Werner Strauch aus Birkenfeld präsentieren mit "Morotai" Sportbekleidung

Andreas Mair, Waldemar Wenzel, Rafy Ahmed und Werner Strauch aus Birkenfeld präsentieren mit "Morotai" Sportbekleidung

Foto: VOX / Bernd-Michael Maurer

Innovative Sportkleidung ist gefragter denn je: Wer nicht mit atmungsaktiven oder besonders elastischen Produkten punktet, ist schnell aus dem Rennen. Und natürlich spielt auch das Design eine enorme Rolle. "Morotai"  möchte in dieser Hinsicht vor allem einen klaren, puristischen und ausdrucksstarken Eindruck hinterlassen.

Vier Männer aus Baden-Württemberg gründeten das Sportlabel, um Produkte der nächsten Generation zu schaffen. Der Clue bei der von Rafy Ahmed, Waldemar Wenzel, Werner Strauch und Andreas Mair gegründeten Marke: Stylische und multifunktionale Sportkleidung, die mit Smartphones, Kopfhörerkabel und Fitnessstudiokarte kompatibel ist.

Mit einem Investment will das Sportlabel weiteres Wachstum und den Ausbau der Serienfertigung ankurbeln. 15 Prozent der Firmenanteile sind den Unternehmern 75.000 Euro wert. Damit ruft das Start-up eine Firmenbewertung von 500.000 Euro auf.

"TattooMed": Die vegane Tattoo-Pflegeserie

"TattooMed"-Gründer Jenny Fischer und Janusz Hermann

"TattooMed"-Gründer Jenny Fischer und Janusz Hermann

Foto: Tattoomed

Tattoos können schmerzhaft sein. Es ist ein Schmuck, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht, aber gerade deswegen noch Wochen nach dem Stechen hochsensibel und pflegebedürftig ist. Jenny Fischer entwickelte deshalb zusammen mit dem Pharmazeuten und Mitgründer Janusz Hermann eine eigene und vegane Tattoo-Pflegeserie mit dem Namen "TattooMed" . Für das 2012 gegründete Start-up steht nach eigenen Angaben ein hoher Fokus auf die optimale Erstversorgung für frisch tätowierte Haut.

Um das Produkt richtig groß zu machen, verlangen die beiden Gründer eine happige Summer: Ein Investor soll für 10 Prozent stolze 300.000 Euro zahlen, womit das Unternehmen insgesamt drei Millionen Euro wert wäre.