Donnerstag, 22. August 2019

Establishment - die neuen Machtzirkel der Republik Deutschlands wichtigste Netzwerke

Deutschlands Machtzirkel: Die wichtigsten Netzwerke der Republik
REUTERS

2. Teil: Das neue Networking: Demokratisch und trotzdem exklusiv

Aus dem leisen Intellektuellen Erfurt, der bei C/O auch kulturelle Bildung für sozial schwache Kinder aus Neukölln organisiert, hat das Dauer-Fundraising einen Knotenpunkt der Hauptstadt-Society gemacht - und C/O wurde zum Sinnbild neuen Networkings: demokratisch und trotzdem exklusiv, eine Dosis Off-Kultur, gern soziales Engagement als Dreingabe.

Schale Gala oder In-Galerie: Die Reichen, Interessanten und Einflussreichen zusammenzubringen ist eine Wanderung auf schmalem Grat, insbesondere hierzulande. "Deutschland hat kein geografisch-gesellschaftliches Zentrum und auch keine belastbaren formellen Netzwerke wie die Grandes Écoles in Frankreich", sagt der Elitenforscher Michael Hartmann. Einst übernahmen Adel und Burschenschaften die Aufgabe.

Beide fallen aus, Ersatz: keiner. Weshalb Einfluss, Gestaltung und Macht nun an Personen hängen. Das heißt: Das Establishment wird bisweilen neu gemischt.

Die Deutschland AG ist Geschichte - das Establishment wird neu gemischt

Gerade ist es wieder mal so weit. Die Deutschland AG ist Geschichte, die Digitalisierung disrupted Firmen, Branchen und Managementtheorien, die Wirtschaft sucht den richtigen Weg zur Industrie 4.0.

Einst baumstarke Dax-Stützen wie RWE Börsen-Chart zeigen oder Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen stemmen sich gegen ihr Zerbröseln, während neue Unternehmen wie Zalando oder Spotify die Bühne betreten und neue Personen in den Kreis der Einflussreichen mitbringen, wie die Samwers, Zalando-Lenker Robert Gentz oder die Westwing-Gründer Stefan Smalla und Delia Fischer.

Nicht nur das Personal verändert sich, auch der Stil, der Umgang, die Art und Weise, wie Geschäft gedacht und gemacht wird. Hoodie statt Schlips, Sneakers statt Budapester.

Ja, der "Netzwerkgedanke erlebt eine Renaissance", sagt Roland-Berger-Mann Burkhard Schwenker, er ist "lebendiger und wichtiger denn je", sagt Verena Pausder. Kein Tag, an dem die Berliner Gründerin, die ihr Start-up Fox & Sheep kürzlich an Haba verkaufte und als Ausrichterin von "Ladies' Dinners" eigene Netzwerkabende für die weibliche Start-up-Welt veranstaltet, nicht ein halbes Dutzend Anfragen erhält oder weiterleitet. Wen wir kennen, entscheidet über unseren Erfolg.

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