Mittwoch, 18. September 2019

Milliardärsclan Familie Reimann setzt alles auf Kaffee

Familie Reimann: Die scheue Sippe riskiert ihr Milliardenvermögen
DPA

Eine der reichsten Sippen Deutschlands vertraut drei Investmentprofis ihr gesamtes Vermögen an - und setzt auf eine kühne Idee: Sie will ein globales Kaffeeimperium schaffen.

Hamburg - Würde einem dieser Mann zufällig begegnen, hielte man ihn womöglich für einen burschikosen Serviceingenieur, der von Stadt zu Stadt zieht und defekte Maschinen repariert. Seine unbesockten Füße stecken in dunklen Schuhen, das auffällig schwarz-weiß gemusterte Hemd aus grober Baumwolle hängt über den Jeans. Unterm Arm klemmt eine Lederjacke.

Auch im Umgang mit Menschen gibt sich der Hüne schnörkellos. Er holt seinen Gast selbst im Foyer ab, streckt ihm mit breitem Lächeln die Hand entgegen und sagt: "Guten Tag, ich bin Peter Harf."

Peter Harf (67) - promovierter Ökonom, Ex-Consultant, Multimillionär, wenn nicht gar Milliardär. Ein öffentlichkeitsscheuer Manager, der weder Vorträge hält noch Gastprofessuren annimmt und der Analysten wie Journalisten am liebsten ausweicht. Einer, der einfach nur seinen Job macht. Den allerdings mit Bravour.

1981 heuerte Harf bei der Ludwigshafener Chemiefirma Benckiser an. Der Betrieb, er erlöste damals 450 Millionen D-Mark, stand am Abgrund. "Die Frage war nicht, ob wir unsere Selbstständigkeit verlieren, sondern nur wann", erinnert sich Harf.

Der Neuling wendete in letzter Sekunde den Zusammenbruch des Traditionsunternehmens ab. Heute ist Joh. A. Benckiser (JAB) eine weltumspannende Holding, die Beteiligungen im Wert von rund elf Milliarden Euro verwaltet.

Ihre Besitzer - die vier Reimann-Familien und deren zehn Kinder - gehören inzwischen zu den reichsten deutschen Sippen (siehe Kasten "Eine scheue Gesellschaft") .

Coty, Labelux, Reckitt Benckiser: Was zum Clan-Imperium zählt

Zum Clan-Imperium zählen: ein Anteil am Reinigungs- und Hygienekonzern Reckitt Benckiser Börsen-Chart zeigen (Calgon, Kukident, Durex-Kondome). Die Mehrheit am Parfümspezialisten Coty. 100 Prozent an Labelux, einem Anbieter edler Marken wie Bally, Jimmy Choo oder Belstaff. Und eine Beteiligung an der Fast-Food-Kette Burger King.

Die Familie hat sich immer aus dem operativen Geschäft herausgehalten - die prosperierende JAB ist vor allem das Werk ihres obersten Angestellten. Der sorgte nach rund drei Dekaden Einzelherrschaft kürzlich für Verstärkung an der JAB-Spitze; mit ihm führen die Dachgesellschaft nun Olivier Goudet (48), früher Finanzvorstand des Süßwarenherstellers Mars, und der langjährige Reckitt-Benckiser-Chef Bart Becht (56).

Kaum war das neue Team im Amt, startete es den Umbau des Reimann-Reichs - eine Zeitenwende war angebrochen. Mit dem Kauf von drei Kaffeekonzernen fügen die JAB-Chefs dem Familienbesitz jetzt eine neue, schwergewichtige Sparte hinzu.

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