Freitag, 20. September 2019

Energiewende In den Wind geschrieben

Energiewende: Offshore-Technologie und die traurige Wirklichkeit
DPA

Ein Rotorenpark fernab der Küste leistet so viel wie ein AKW. Doch ist Offshore technisch und finanziell überhaupt beherrschbar?

Weit draußen auf der Nordsee, 15 Kilometer vor der Insel Borkum, bietet sich ein imposanter Anblick: 30 dreiflügelige Räder, jedes so hoch wie der Kölner Dom, drehen sich in der steifen Brise aus Südwest bis West.

Doch der Windpark Riffgat, im August vom Stromkonzern EWE feierlich übernommen, produziert keine saubere Energie, stattdessen verbraucht er massenweise schmutzige. Die Rotoren werden von Notstrom angetrieben. Kein Milliwatt Strom hat die Musteranlage für erneuerbare Energie bisher geliefert. Dafür pusten die Notstromdieselmotoren tonnenweise Kohlendioxid in die Atmosphäre.

Willkommen beim deutschen Großprojekt "Energiewende"! Als alternativlos gefeiert von fast allen Parteien. Ein Wunder an deutscher Entschlossenheit, dem Ausland zur Kopie empfohlen.

Die großen Offshore-Pläne - und die traurige Realität

Doch, leider, die Wirklichkeit hält sich nicht an die großen Pläne. Dem Offshore-Windpark Riffgat fehlt das Anschlusskabel ans Festlandnetz. Es konnte nicht rechtzeitig auf dem Meeresboden verlegt werden, weil dort viel mehr Munition und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt werden mussten als von den Behörden angegeben.

Der niederländische Tennet-Konzern, zuständig für die Stromübertragungsnetze im deutschen Nordwesten, musste 50 Millionen Euro mehr als erwartet ausgeben - und wurde dennoch nicht planmäßig fertig mit dem Riffgat-Anschluss. EWE-Projektleiterin Irina Lucke nennt das "frustrierend".

Und so knattern die Dieselmotoren, damit sich die Drehlager der Rotoren nicht im Stillstand festfressen. Ein Sinnbild für die Energiewende, die mit höchstem Kostenaufwand sehr bescheidene Ergebnisse produziert. Die gute und gleichzeitig schlechte Nachricht: Riffgat ist mit 108 Megawatt ein eher kleiner Windpark. Und dank seiner Lage ziemlich nah an der Küste werden sich seine technischen Probleme leichter lösen lassen als die der größeren Offshore-Standorte, die weit draußen in der Deutschen Bucht gebaut werden (siehe Karte links) und jeweils so viel leisten wie ein mittelgroßes AKW - knapp ein Gigawatt (GW).

© manager magazin 11/2013
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