Mittwoch, 19. Juni 2019

Wie Deutschlands Konzerne ihre Innovation neu organisieren Design Thinking - eine neue Denkschule erobert Deutschlands Strategie-Abteilungen

An der Spitze der "Design-Thinking-Bewegung" in Deutschland: Der SAP-Gründer und -Aufsichtsratschef Hasso Plattner, hier auf dem Dach des Landtagsneubaus in Potsdam.

4. Teil: David Kelley - der Guru

Designprofessoren werden mancherorts wie Gurus verehrt, die ein Wunderelixir vertreiben. Agenturen, Unternehmensberater und andere Copycats machen sich die Expertenknappheit bereits zunutze: McKinsey sowie Deloitte haben sich Designbüros gekauft, die Agentur Dark Horse versorgt Digitalisierungswillige von Berlin aus mit Denkanstößen. Und wem Potsdam zu weit im Osten liegt, der kann sich auch an der Universität St. Gallen zum Design Thinker ausbilden lassen.

Angehimmelt: Stanford-Professor David Kelley ist der Guru der Designbewegung

Der Vordenker der Bewegung ist ein sympathischer Kauz mit Walrossbart. David Kelley (64) gilt als einer der Begründer des Design Thinking.

Seine Revolution begann in einem alten Wohnwagen im Silicon Valley. Ein heruntergekommenes Teil, das 2005 am Campus der Stanford University parkte. Kelley machte das Gefährt zu seiner kleinen Kathedrale, samt Seminarraum.

Kelley arbeitete damals als Professor für Maschinenbau und sollte für Stanford ein neuartiges, "humanzentriertes" Designinstitut aufbauen. Diese d.school zog bald ambitionierte junge Menschen an wie ein Stück Gouda hungrige Mäuse. Studenten aller Disziplinen wollten hier lernen, Erfinder zu werden - Design Thinker.

Der 5-Schritte-Kreislauf

Die Methode dahinter erscheint auf den ersten Blick simpel und leicht nachvollziehbar, was einen Teil ihres Erfolgs erklärt. Wie es ihr Name nahelegt, ist sie an den Arbeitsprozess von Industriedesignern angelehnt, bei denen der Nutzer und seine Bedürfnisse von jeher im Mittelpunkt stehen.

Der Design-Thinking-Kreislauf besteht typischerweise aus fünf Schritten ("Design-Thinking-Prozess"), die von der Problemdefinition über das Einfühlen in die Zielgruppe bis zu Prototypen führen, die sich am Kunden testen lassen. Der Zyklus endet nie, er beschreibt ein stetes Streben, keinen Weg von A nach B.

Die Perspektive der Design Thinker stellt die Elfenbeinturmattitüde vieler Unternehmen infrage. Danach ist es nicht mehr die hierarchische Spitze, die lösungswürdige Probleme erkennt. Dort oben, so die Auffassung, wird die klare Sicht auf die Welt viel zu häufig von einer schädlichen Binnenperspektive vernebelt. Die Folge: Trägheit und Unwillen, tradierte Prozesse zu überdenken.

© manager magazin 2/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung