Freitag, 15. November 2019

VW / Porsche Der heißeste Deal aller Zeiten

Porsche und VW: Einmal Fastpleite und zurück
Getty Images

Sie hatten schon den Komplettverlust ihres Vermögens vor Augen. Doch dann schufen die Porsches und Piëchs das mächtigste Familienimperium der deutschen Wirtschaft.

"Die erste Generation baut auf, die zweite erhält, meine Generation ist die dritte. Und die ruiniert normalerweise."

Ferdinand Piëch, 29. September 2010, Automobilsalon Paris

Dieser Begriff wird einem immer wieder begegnen im Fortgang dieser Geschichte: Größe. In jeder Ausprägung; das schließt die Kombination mit Wahn ausdrücklich ein. Es wird um große Zahlen gehen, große Unternehmen und große Egos sowieso. Die Story birgt großartige Wendungen und Enttäuschungen und berichtet, nicht zuletzt, von der immensen Gefahr, auf einer geräumigen Anklagebank zu sitzen.

Der Fall Porsche/Volkswagen geht in den kommenden Monaten in seine vorerst letzte, sozusagen postnatale Phase: die juristische Aufarbeitung.

1500 Gigabyte Material haben die Ermittler gesammelt. Mit dieser Datenflut könnte man die NSA-Späher glatt einige Stunden auslasten. Der Jahrhundertdeal beschäftigt die Justiz in New York und London, die Landgerichte in Stuttgart und Braunschweig sowie - neuerdings - auch eine Kartellkammer in Hannover.

Mit Leuten wie Hans Richter (66) sollte man sich intensiver vertraut machen. Nicht nur weil dieser einen für einen Oberstaatsanwalt ungewöhnlichen Nachnamen trägt. Sondern weil der Mann, trotz seines freundlichen Gesichts, so knallhart gegen Manager und Aufsichtsräte von Porsche Börsen-Chart zeigen vorgeht, dass es einen kaum überrascht, wenn ihn die "Süddeutsche Zeitung" als "Teufelchen aus Stuttgart" bezeichnet.

Das spektakulärste Comeback der deutschen Wirtschaftsgeschichte

Es stehen - Teufel auch! - immerhin sechs Milliarden Euro Schadensersatz im Raum und schwerwiegende Vorwürfe wie Kreditbetrug und die Manipulation des Aktienmarktes. Kaum einer mag deshalb offiziell über die Details reden. Allzu viele sind in die juristischen Händel verwickelt, müssen damit rechnen, wenn sie schon nicht selbst angeklagt werden, zumindest als Zeuge auszusagen.

Zeitzeugen sind sie allemal. Aus nächster Nähe beobachtet haben sie den vielleicht tiefsten Sturz zweier deutscher Unternehmensführer, der einstigen Glorienscheinmanager von Porsche, Wendelin Wiedeking (61) und Holger Härter (57). Ungläubig bestaunt haben sie das womöglich spektakulärste Comeback der deutschen Wirtschaftsgeschichte: 2009 stand die Porsche SE vor der Insolvenz, den Eignerfamilien Porsche und Piëch drohte der Verlust ihres Vermögens.

Heute, viereinhalb Jahre später, sind sie machtvoller und reicher denn je. Sie besitzen wieder sämtliche Stammaktien der Porsche SE, die die Mehrheit der VW-Stimmrechte ausübt. Ihr VW-Paket ist durchgerechnet 14,8 Milliarden Euro wert. Und die Porsche SE hat statt Milliardenschulden 2,7 Milliarden Euro Bares auf dem Konto und wird mit einer seit Langem nicht mehr durchlittenen Gemütslage konfrontiert: Hurra, es gilt, Geld anzulegen.

Auf keinen Kasus passt das Wort Turnaround besser als auf diesen: Managerschicksale haben sich um 180 Grad gewendet; zig Milliarden flossen erst in diese, dann in jene Richtung; die Macht wurde im autogenen Bermudadreieck Stuttgart-Wolfsburg-Salzburg hin- und wieder hergeschoben. Eine Pkw-Manufaktur namens Porsche, die in eine irrationale Parallelwelt abgedriftet war, in der sie mehr Gewinn als Umsatz erzielte, wurde wieder in die betriebswirtschaftliche Realität geholt.

manager magazin hat die dramatischen Episoden dieses Wiederaufstiegs nachgezeichnet. Entstanden ist eine Geschichte, die zeigt, wie gezockt und getrickst wurde. Die sich mit Optionsorgien, der Nacht der langen Messer und Canossagängen beschäftigt. Mit Demütigungen und Kränkungen, bei denen der Zeigefinger eines VW-Betriebsrats eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

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