Dara Khosrowshahi Dieser Mann soll Uber auch in Deutschland hoffähig machen

Uber ist berüchtigt für seine verdorbene Unternehmenskultur. In Deutschland ist das Kernprodukt des Milliarden-Startups verboten. Dara Khosrowshahi soll den Skandalkonzern nun hoffähig machen - er brachte schon den Online-Reiseanbieter Expedia auf Erfolgskurs. Wer der Mann ist, lesen Sie hier.
In zwölf Jahren als CEO vervierfachte Dara Khosrowshahi den Unternehmenswert von Expedia.

In zwölf Jahren als CEO vervierfachte Dara Khosrowshahi den Unternehmenswert von Expedia.

Foto: Paul Sakuma/ dpa

Der Fahrdienstvermittler Uber hat einen neuen Chef gefunden. Insidern zufolge übernimmt der Vorstandsvorsitzende des Online-Reiseanbieters Expedia, Dara Khosrowshahi, das Amt. Der iranisch-amerikanische Manager folgt damit dem umstrittenen Uber-Mitgründer Travis Kalanick, der den Chefposten im Juni im Skandal um sexuelle Belästigung und Diskriminierungen niedergelegt hatte.

Khosrowshahi (48) wurde in Teheran (Iran) geboren und kam als Vorschulkind in die USA. Noch bevor im Zuge der iranischen Revolution 1979 gewalttätige Demonstrationen zur Beendigung der Monarchie ausbrachen, floh seine Familie in den Bundestaat New York. Khosrowshahi hat einen Abschluss in "Bioelectrical Engineering" von der Brown University (US-Bundesstaat Rhode Island).

Einst knallharter Investmentbanker

Khosrowshahi war zu Anfang seiner Karriere sieben Jahre bei der Investment Bank Allen & Co. tätig. Gemäß seinem LinkedIn-Profil betreute er als Finanzchef von 1998 bis 2005 das Internetunternehmen InterActiveCorp (IAC), das heute aus Geschäftsbereichen wie Tinder, Ask.com, Investopedia und Vimeo besteht. Bis 2005 gehörten auch die Online-Reisebüros Expedia, Hotels.com, Hotwire und Tripadvisor dazu, wurden dann aber in die selbstständige Börsengesellschaft Expedia Inc. ausgegliedert. Khosroshahi, ohnehin größter Aktionär von Expedia Inc. rückte dann auch als Vorstandschef an die Spitze des Mutterkonzerns.

Die Erfolgsgeschichte mit Expedia

Vor allem für seinen Siegeszug mit dem amerikanischen Online-Reisebüro ist der Unternehmer bekannt. Nachdem die Website 1996 online und drei Jahre später an die Börse ging, folgte 2005 ein erneuter Börsengang - nun jedoch mit den mittlerweile sechs Tochtergesellschaften und Khosrowshani als neuem Vorstandschef. Damals erzielte die Gruppe samt Töchtern noch einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden Dollar. In den nächsten zwölf Jahren vervierfachte Khosroshahi diesen auf knapp 8,7 Milliarden Dollar. 2015 war er der am besten bezahlte Vorstandschef in den USA, vor allem wegen Aktienoptionen. Heute ist Expedia mit Firmensitz im Westküsten-Staat Washington die größte Online-Reiseagentur der Welt.

Khosrowshahis' Visionen

Als Geschäftsführer ist der gebürtige Iraner beliebt: Rund 93 Prozent der Beschäftigten im Konzern befürworten halten ihn für einen guten Chef und Manager, berichte das Bewertungsportal Glassdoor.

Khosrowshahis Blick auf die Zukunft: visionär. So vertraute er der Financial Times (FT)  (kostenpflichtig) einmal seine Begeisterung für das Thema Sprachassistenz an. So schwebt ihm eine Welt vor, in der Menschen zum Beispiel ihre gesamte Reise einzig über die eigene Stimme digital buchen und planen können.

Auch politisch hält sich Dara Khosorwshahi nicht zurück: Er sitzt im Vorstand der New York Times und tweeted gerne über Vorfälle wie die Demonstrationen in Charottesville oder zwiespältige Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump. Seine Herkunft und frühe Flucht nach Amerika prägen seine Auffassung gegenüber Flüchtlingen und den USA als multikulturelle Nation mit Integrationscharakter. Im Frühjahr sagte er FT: "Es ist wichtig sichere Grenzen zu haben, aber zur gleichen Zeit dürfen wir nicht vergessen, was uns hierhin gebracht hat. Das hier ist ein Land der Immigration."

Seine Herkules-Aufgabe bei Uber

Am vergangenen Sonntag sickerte durch, dass der Expedia-Chef künftig das Amt beim Fahrdienstvermittler Uber übernehmen soll. Bislang zählte er nicht zu den Kandidaten für den Uber-Chefposten. Insider dagegen handelten Hewlett-Packard-Vorstandschefin Meg Whitman als mögliche Nachfolgerin für Travis Kalanick. Whitman selbst hatte ein Interesse an dem Job aber bestritten. Auch der Chairman von General Electric, Jeff Immelt, hatte erklärt, nicht länger an dem Posten interessiert zu sein.

Uber gibt es seit 2009. Mitte Juni 2016 war der Dienst in 471 Städten vertreten. Der Wert des Konzerns wird aktuell von Investoren auf mehr als 70 Milliarden Dollar geschätzt. Uber zählte damit zu den wertvollsten privaten Start-Ups der Welt.

Für Schlagzeilen sorgte Uber auch wegen seiner umstrittenen Unternehmenskultur: So befragte im Frühjahr 2017 die "New York Times" mehr als 30 ehemalige und derzeitige Uber-Angestellte und beschrieb die Unternehmenskultur im Ergebnis als "hemmungslos".

Diverse Baustellen sind zu schließen

Gnadenlose Konkurrenzkämpfe und Ungleichbehandlung innerhalb der Mitarbeiterschaft sind keine Seltenheit. Auch rechtliche Konflikte setzten Uber in den vergangenen Monaten unter Druck: Wegen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierungsklagen wurden zahlreiche Mitarbeiter sowie Manager entlassen. Auch der umstrittene Uber-Mitgründer Travis Kalanick musste auf Druck von Investoren seinen Chefposten im Juni räumen.

An Gesetzen in Europa wird sich der neue Chef die Zähne ausbeißen: In vielen europäischen Ländern ist der Dienst "UberPop" illegal - darunter Italien, Holland und Deutschland. Bei "UberPop" bieten Privatleute Taxifahrten mit ihrem eigenen Auto an. Den Fahrern fehlt dafür jedoch die Lizenz. Ein Frankfurter Gericht urteilte deshalb im Juni 2016, das Geschäftsmodell verstoße gegen das Personenbeförderungsgesetz. Demnach müssen Fahrer unter anderem nachweisen, dass sie gesund sind und die Straßen in ihrer Stadt kennen. Ubers größter Wettbewerbsvorteil ist damit hin. Der neue Chef könnte nun gegen das Urteil Revision einlegen, müsste sich aber gleichzeitig mit dem Widerstand der Taxilobby herumkämpfen.

Dara Khosrowshahi soll diese Schwierigkeiten und Kontroversen nun mit einer ähnlichen Erfolgsstrategie wie bei Expedia aus dem Weg schaffen. Innerhalb eines Vorstandsmeetings bei Uber sei er als besonders friedlicher Kandidat beschrieben worden. Khosrowshahi hat diverse Baustellen: Mehrere Gerichtsverfahren sind zu überstehen, das Arbeitsklima liegt am Boden. Und die Vorstandsetage ist nahezu verwaist - hier muss er sowohl einen neuen COO als auch einen neuen Finanzchef finden.

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