Dienstag, 23. April 2019

Probleme bei Saturn und Media Markt - hilft ein Verkauf des Metro-Pakets? Warum Ceconomy tief in der Krise steckt

Ceconomy: Pieter allein zu Haus
Fritz Beck für manager magazin

3. Teil: Teurer Ausstieg

In Russland zog er jetzt ebenfalls den Stecker. Bis zum Jahresende soll auch über einen Rückzug von Media-Markt aus Schweden entschieden werden. Trotz zuletzt einer halben Milliarde Euro Umsatz schrieb die russische Landestochter Verluste. Mit 46 Filialen kam sie über 3 Prozent Marktanteil nie hinaus. Haas ("Lead or leave") sah keine Alternative dazu, den Verlustbringer an die russische Safmar-Gruppe zu verhökern, ihr gehört der einheimische Marktführer M.video.

Ein teurer Ausstieg, bis zu 300 Millionen Dollar zahlt Ceconomy an Safmar. Etwa die Hälfte davon entfällt auf den negativen Kaufpreis, für die andere Hälfte bekommen die Deutschen 15 Prozent an M.video. Da Safmar das Ladennetz an M.video weiterreicht und dafür von der Tochter bis zu 170 Millionen Dollar kassiert, zahlt Ceconomy aufgrund seiner 15-prozentigen Beteiligung an M.video indirekt nochmals mit.

Haas hofft, dass die endgültige Rechnung billiger wird - wenn es dem Partner gelingt, das Ergebnis der übernommenen Läden ins Plus zu drehen. Aktuell wird Ceconomys Nettoergebnis durch die Transaktion mit einer Viertelmilliarde Euro belastet. Zu melden hat Haas in Russland nichts - M.video ist eine reine Finanzbeteiligung, im besten Fall mit Dividendenhoffnung.

Haas rechtfertigt das Bündnis auch mit der Aussicht, dass M.video als drittes Mitglied zu einer von ihm initiierten europäischen Einkaufsallianz stoßen könne. Neben Ceconomy ist daran bisher nur Fnac Darty beteiligt, nun soll M.video dazukommen. Experten halten es indes für Wunschdenken, dass ein Unternehmen mit 22 Milliarden Euro Umsatz im Verbund noch wesentlich bessere Konditionen bei der Industrie herausschlagen kann als bisher.

Das aber wohl bedeutendste Ereignis für Ceconomy ist der Tod von Erich Kellerhals, der am ersten Weihnachtstag 2017 im Alter von 78 Jahren in Salzburg starb. Der Gründer von Media-Markt und Minderheitsgesellschafter (22 Prozent) von MSH hatte in den vergangenen Jahren quergeschossen, wo er konnte. Weil er seine Minderheitsrechte verletzt sah, verklagte er Metro und auch Haas persönlich, schmähte seine Gegner auf einer eigenen Internetseite und blockierte Entscheidungen auf Gesellschafterebene.

Nun kommt Bewegung in die verfahrene Lage. Bis Ende Februar hatten sich Witwe Helga (78) und Sohn Jürgen Kellerhals (53) eine Pietätspause erbeten. Dann wurde ein Stillhalteabkommen geschlossen. Um die Gespräche zu entgiften, verlangte der Geschäftsführer von Kellerhals' Familienholding Convergenta, Ralph Becker (51), dass weder die Ceconomy-Anwälte von Bub Gauweiler noch Vorstand Dieter Haag Molkenteller (59), vormals Metro-Justiziar, an den Gesprächen teilnehmen dürften - aus Beckers Sicht die Scharfmacher der Gegenseite. Haas setzte den Rückzug von Convergentas Kanzlei Gleiss Lutz durch. Kellerhals' Hassseite ging vom Netz.

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