Sonntag, 21. April 2019

Probleme bei Saturn und Media Markt - hilft ein Verkauf des Metro-Pakets? Warum Ceconomy tief in der Krise steckt

Ceconomy: Pieter allein zu Haus
Fritz Beck für manager magazin

2. Teil: Rasanter Wertverlust

Nach einer Bewährungszeit könnte der Vorstandsvorsitzende selbst zur Disposition stehen. Besonders beobachtet wird er von den Großaktionären Haniel (knapp 25 Prozent), Meridian-Stiftung (ehemals Familie Schmidt-Ruthenbeck, 15,8 Prozent) und Beisheim (9,1 Prozent), deren wichtigste Assets, Metro Börsen-Chart zeigen und eben Ceconomy, rasant an Wert verlieren.

Die von Haas und Metro-Chef Olaf Koch (48) propagierte Hoffnung, der Wegfall des sogenannten Konglomeratsabschlags würde die Aktien stimulieren, erwies sich als trügerisch. Die Kurse beider Firmen haben sich weit schlechter entwickelt als der MDax, in dem sie notiert sind.


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Nicht nur die eigene Aktiennotiz ist peinlich für Haas. Im Zuge des Wertausgleichs bei der Spaltung bekam Ceconomy ein 10-Prozent-Paket an der Metro AG herübergeschoben, das seitdem mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt hat. Schon im ersten Geschäftshalbjahr 2017/18 musste Ceconomy 131 Millionen Euro darauf abschreiben, was das Ergebnis je Aktie auf minus 21 Cent absacken ließ. Haas überlegt nun, ob er das Metro-Paket in den firmeneigenen Pensionstrust auslagern soll, was weitere Wertberichtigungen vermeiden würde. Doch auch der Verkauf des Pakets an einen tschechischen Investor ist seit Ende August offenbar eine Option. Die Nachricht beflügelte sowohl die Titel von Metro als auch die von Ceconomy Börsen-Chart zeigen.

Sein Kerngeschäft hat MSH auch durch eigene Fehler geschwächt. Der langsame Niedergang der Marke Saturn resultiert aus der Angleichung an Media-Markt. Früher galt die Hauptmarke als der Billigheimer, Saturn als Premiumanbieter.

Die Nivellierung begann mit Saturns "Geiz ist geil"-Kampagne Anfang des Jahrtausends. Seitdem ist der Händler aus Konsumentensicht in der Wertigkeit abgerutscht. Aus acht Ländern hat sich Saturn seit 2011 bereits zurückgezogen, in diesem Jahr wurden auch die polnischen Filialen der Schwester Media-Markt zugeschlagen. Heute ist Saturn nur mehr in Deutschland, Österreich und Luxemburg aktiv.

Das verbliebene Geschäft stehe "nicht zur Diskussion", versichert Haas. Die Berater von Roland Berger sollen helfen, Saturn neu zu positionieren. Womöglich ist es dafür jedoch zu spät: "Das letzte Aufbäumen einer sterbenden Marke", urteilte das Fachblatt "Werben und Verkaufen".

Stolz ist Haas auf die Vernetzung zwischen E-Commerce und Filialen. Wer online bestellt, kann die Ware im Markt abholen. Was unter dem Schlagwort Multichannel daherkommt, führt oft genug zu multipler Verwirrung. Wer sich im E-Shop informiert und anschließend in einer Filiale kauft, muss nicht selten mehr zahlen. Erst jetzt will Haas mit dem Preiswirrwarr Schluss machen.

Im letzten Kalenderquartal 2017, das erste des Geschäftsjahrs 2017/18, stellte sich der Händler wieder einmal selbst ein Bein. Am Black Friday, einer aus den USA herübergeschwappten Ausverkaufsaktion, wurden Media-Markt und Saturn von Bestellungen überrollt - und konnten wie im Vorjahr vielfach nicht liefern. Reihenweise mussten Orders storniert werden.

Die Aktion Ende November war mit hohen Rabatten und Margeneinbußen verbunden und verhagelte MSH das Weihnachtsgeschäft. Das wird auch künftig nicht anders sein.

Nur logisch, dass Haas dem Unternehmen eine Sparrunde verordnet hat. Zwischen Januar und März wurde alles zusammengekratzt, was irgendwie nach Ertrag oder Kostenminderung aussah. So stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) tatsächlich um mehr als 50 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal, die Aktionäre ließ die Aktion jedoch kalt.

Auf die Schwächen im deutschen Geschäft reagierte Haas mit der Entlassung von zwei Topmanagern. Im Mai mussten Saturn-Inlandschef Carsten Strese (55) und der bei Media-Saturn für Service & Solutions zuständige Klaus-Guido Jungwirth (59) gehen.

Insider fragen sich, ob Haas Bauernopfer gesucht hat, um sich selbst zu entlasten. Dem seit April amtierenden Deutschland-Chef Ditmar Krusenbaum (62), zuvor Leiter der österreichischen Landesgesellschaft, trauen sie die Wende jedenfalls nicht zu. Finanzer Thomas Wünnenberg (59), ein - gemessen an seiner Profession - eher kundenorientierter Manager, kam mit dem zahlenfixierten Krusenbaum nicht zurecht. Im Juni bat Wünnenberg um Auflösung seines Vertrags.

Viel zu spät wird der hauseigene Internetanbieter Redcoon abgewickelt. 2011 hatte Media-Saturn auf Druck des damaligen Metro-Chefs Eckhard Cordes (67), der eine E-Commerce-Story für die Börse brauchte, Redcoon gekauft. Der Mittelständler mit rund 350 Millionen Euro Umsatz konnte günstig anbieten, weil er sich billige Posten auf dem grauen Markt beschaffte. Das funktionierte aber nur, solange die Mengen überschaubar blieben. Das Geschäftsmodell floppte.

Also machte MSH die ausländischen Redcoon-Shops einen nach dem anderen dicht, zuletzt sogar das deutsche Stammgeschäft. Insgesamt kostete das Abenteuer weit mehr als 200 Millionen Euro. Auch Haas selbst, beim Redcoon-Einstieg Geschäftsführer für Multichannel bei Media-Saturn, hat das Scheitern zu spät erkannt.

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